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Fernsehtipp 27.04.2007, 20.15 - WDR - ZeitReise Rheinland - 3. Schlitzohren und Freiheitsfreunde

in Buch-, Radio- und Fernsehtipps 09.04.2007 14:46
von Moderator • 127 Beiträge
WDR - ZeitReise Rheinland - 3. Schlitzohren und Freiheitsfreunde
27.04.2007 20.15-21.00

Ein Film von Werner Kubny und Per Schnell
Redaktion: Beate Schlanstein
16:9

Der Rhein als großer europäischer Strom hat seit Jahrhunderten Menschen aus der Nähe und der Ferne angelockt - Eroberer, Herrscher, Händler, Pilger, Unternehmer, Künstler, Reisende. Sie kamen und gingen, aber für die Zeit ihres Aufenthaltes prägten sie die Landschaften und Städte am Rhein, hinterließen Spuren, die auch heute noch existieren und Bedeutung haben. Die Dokumentarfilmer Werner Kubny und Per Schnell, die bereits mit "Abenteuer Ruhrpott" und "Westfalenland" große filmische Portraits von Landschaften in Nordrhein-Westfalen vorgelegt haben, sind diesmal im Rheinland auf Reisen gegangen, und das in mehrfacher Hinsicht: auf Reisen durch Eifel und Siebengebirge, Bergisches Land und Niederrhein, durch Köln, Aachen, Bonn und Düsseldorf, aber auch durch Epochen der Geschichte, durch die Römerzeit, das Mittelalter, die Franzosenzeit, die Zeit der Preußen und schließlich die Bonner Republik. Ihre Streifzüge folgen nicht strengen Linien im Sinne eines Geschichtsbuches, sondern sind akzentuiert durch die Begegnungen mit Menschen, die mit Geschichte leben und arbeiten, die sich mit ihr auseinandersetzen oder die noch ganz aktuell Teil von ihr sind. Die "ZeitReise Rheinland" fragt schließlich auch danach, was den Rheinländer von anderen Menschen unterscheidet - und wie er so geworden ist, woher seine sprichwörtliche Gastfreundschaft und Feierlust kommen, woher die gewisse Leichtigkeit des Seins im Rheinland und woher die Neigung, vielfach "fünfe gerade" sein zu lassen. Dabei helfen Kabarettisten wie Konrad Beikircher, Martin Stankowski und Jürgen Becker mit liebevoll-kritischen und augenzwinkernden Kommentaren zur besonderen Beziehung von Geschichte und Mentalität im Rheinland.

Folge 3: "Schlitzohren und Freiheitsfreunde"

Der letzte Teil der "ZeitReise Rheinland" erzählt von der rheinischen Eigenart, vor allem vom Verhältnis des Rheinländers zur Obrigkeit und zu seiner Freiheit. Dabei ist nicht unbedingt das Kämpfen die Sache der Menschen am Rhein - sie sind allerdings außerordentlich findig und kreativ im Umgehen von Gesetzen. Ein sprechendes Beispiel dafür sind die vielen Schmugglergeschichten vom Niederrhein. Überhaupt haben die Rheinländer eine besondere Beziehung zu ihrer Sprache - einer Sprache, deren Tradition sie liebevoll pflegen und lebendig erhalten. Die Kraft dieser Sprache spiegelt sich etwa in den Werken von Heinrich Heine. Der Düsseldorfer setzt sich mit den Lebensbedingungen seiner Landsleute kritisch auseinander. In seinen Büchern schreibt er mit messerscharfem Verstand gegen die preußische Regierung und die Militarisierung der Gesellschaft. Auch Karl Marx als Herausgeber der Neuen Rheinischen Zeitung in Köln und Friedrich Engels in Wuppertal nehmen die elenden sozialen Zustände im Rheinland des 19. Jahrhunderts zum Anlass, um mit klaren und starken Worten den ungezügelten Kapitalismus zu kritisieren. Die rheinische Art Politik zu machen geschieht, wie Konrad Beikircher amüsiert feststellt, mit "präziser Flexibilität". Das berühmteste Beispiel dafür ist Konrad Adenauer. Vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis in die Bonner Republik ist er "seiner" Stadt Köln und dem Rheinland eng verbunden - und meistert große wie kleine Probleme mit List und Schlitzohrigkeit. Auch in der jungen Bundesrepublik findet sich mit Heinrich Böll wieder ein Rheinländer, der mit tiefer Menschlichkeit und unmissverständlichen Worten den Widerstand der Bürger gegen eine "verfehlte Politik" als "wesentliche Bürgerpflicht" ansieht. Bis heute ist das Rheinland menschlich und politisch immer dann besonders liebenswert, wenn es sich auf seine freiheitliche und weltoffene Tradition besinnt und demonstriert, dass Lebensfreude und politisches Engagement keine Gegensätze sind.
zuletzt bearbeitet 09.04.2007 15:44 | nach oben springen


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