#1

Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 19.04.2007 08:25
von Ute E. • 110 Beiträge

An allen bayerischen Universitäten mussten sich die Germanistik-Studenten im ersten Semester den folgenden Fragen stellen. Der Stoff wird überwiegend in der Unterstufe bis Klasse acht vermittelt.

1. Präposition und/oder Konjunktion? (5 Punkte)
wegen – seit – nachdem - hinter

2. Was ist ein Attribut? (1 Punkt)
ein Teil des Prädikats - ein Satzglied - ein Teil eines Satzgliedes - ein anderes Wort für Adverb

3. Setzen Sie die folgende Aussage in die indirekte Rede! (2 Punkte)
„Diese Aufgabe ist leicht zu lösen.“
„Er sagte, dass ...“

4. Bestimmen Sie den Modus des folgenden Satzes (bitte ankreuzen)! (1 Punkt)
„Wenn er doch käme!“
Imperativ – Indikativ - Konjunktiv I - Konjunktiv II

5. Bestimmen Sie Genus, Kasus und Numerus der unterstrichenen Wörter!
a) „Sie hat es mit Gleichmut vernommen.“ (3 Punkte)
b) „Dort stand eine Frau, deren Gesicht ich nicht erkennen konnte.“ (3 Punkte)

6. Bestimmen Sie die farbig hervorgehobenen Objekte! (2 Punkte)
a) „Dieses Ereignis entspricht den Erwartungen.“
b) „Er dachte an sie.“

Die Aufgaben 7 bis 10 beziehen sich auf den folgenden Text:

„Auf den ersten Blick herrscht Stillstand im Tal des Todes. Nur wer viel Zeit mitbringt, kann Bewegung feststellen in dieser Einöde – eine merkwürdige Dynamik, die Forscher seit vielen Jahren zutiefst irritiert hat. Dort, im Tal des Todes, wandern die Steine. Stattliche Felsbrocken, manche mehr als 300 Kilogramm schwer, walzen über den Wüstenboden. Was sie antreibt, ist ein Rätsel. Noch nie hat ein Mensch die Felsen in Bewegung gesehen. Aufnahmen mit Filmapparaten und anderen fest installierten Geräten sind in dem Nationalpark verboten. Doch hundert Meter lange, teils gekrümmte Schleifspuren hinter den Klumpen zeugen von den mysteriösen Streifzügen der Brocken auf dem Hochplateau. Sandwirbel, die den Bugwellen eines Schiffes ähneln, und Matschspritzer lassen darauf schließen, dass die Steine sieben Kilometer pro Stunde erreichen.“

7. Bestimmen Sie die Wortarten der folgenden Wörter! (8 Punkte)
wer – dort – manche – nie

8. Nennen Sie die infiniten Verbformen des Textes! (4 Punkte)

9. Bestimmen Sie folgende Verbformen aus dem Text nach Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus verbi (d.h. Aktiv oder Passiv)! (10 Punkte)
herrscht – sind verboten

10. Welche syntaktische Funktion übernimmt der Nebensatz im Textbeispiel: „Was sie antreibt, ist ein Rätsel.“? (1 Punkt)

Gesamt: 40 Punkte; der Test gilt mit 21 Punkten als bestanden.

Quelle: RHEINISCHE POST, "Schwerpunkt Deutsch" (18.04.07)



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#2

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 19.04.2007 09:12
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

So ein Test ist in ordnung. Ich kann mir aber vorstellen, daß enige den nicht bestehen. Lateiner klar im Vorteil. Ich kenne genügend angehende Deutsch-Lehrer, die keine Ahnung von der Grammatik haben. Deutsche Stilübungen gibt es nicht mehr oder sind nur noch ein freiwilliges Angebot, hier haben sie sogar das Latinum für die Germanisten von der Anforderungsliste gestrichen. Es lebe der anglophone Baccalaureus!
Germanisten, die schon länger im Studium stehen, wissen was ihnen das Latinum gebracht hat, auch wenn es für sie eine Qual war.

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#3

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 19.04.2007 09:12
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,477841,00.html dazu:

GRAMMATIK-FIASKO

Das Studium ist dem Genitiv sein Tod

Bei einem Grammatik-Test in Bayern fielen Erstsemester mit Karacho durch. Die angehenden Germanisten erreichten nur das Niveau von Sechstklässlern - jeder Dritte kassierte eine Fünf oder eine glatte Sechs. Ihre Professoren sind erschüttert. Können Sie's besser?

Was ist ein Attribut? Welchen Modus hat der Satz "Wenn er doch käme"? Ist das Wort "wegen" eine Präposition? Diese und viele weitere Testfragen sollten über 1000 Erstsemester an allen bayerischen Universitäten beantworten, die sich im Wintersemester 2006/07 für das Studienfach Germanistik eingeschrieben hatten. Ernüchterndes Ergebnis: Die meisten von ihnen hatten keine oder nur sehr wenig Ahnung.

Baustelle Deutsch: Bayerns Erstsemester scheiterten in Scharen beim Grammatik-Test
Jeder dritte Teilnehmer schloss den Grammatik-Test mit "mangelhaft" oder "ungenügend" ab. Nicht einmal jeder Zehnte absolvierte den Test besser als "befriedigend". So erkannten 77 Prozent der Studenten "käme" nicht als Form des Konjunktivs Imperfekt, 88 Prozent bestimmten "manche" nicht als Pronomen, 87 Prozent "dort" nicht als Adverb.

Konsequenzen hatte der Test für die Studenten nicht. Sie bekamen Literaturhinweise und Lehrmaterialien an die Hand, mit denen sie ihre Wissenslücken stopfen sollten.

"Die Studenten haben mit absoluter Bestürzung reagiert. Viele haben sich geschämt", sagt Mechthild Habermann, 47. Sie ist Sprachwissenschaftlerin an der Universität Erlangen-Nürnberg und legte dort 290 Studenten den Test vor. Ihren Schützlingen gibt die Professorin allerdings nicht die Schuld an den schlechten Ergebnissen. "Der Grammatikunterricht wird in den Schulen stark vernachlässigt", sagt sie SPIEGEL ONLINE. Es handele sich um eine Entwicklung, die seit rund zehn Jahren zu beobachten sei. "Seit etwa fünf Jahren ist die Situation alarmierend."

"Angehende Lehrer mit Grammatik auf Kriegsfuß"

Habermann kann das so genau sagen, weil sie den Test bereits seit dem Jahr 2003 an ihrer Universität durchführt und "jedes Jahr die gleichen schlechten Ergebnisse zu sehen bekommt". Letztes Jahr überzeugte sie ihre Kollegen an den anderen Universitäten in Bayern davon, ebenfalls einen solchen Test durchzuführen. "Dadurch sind die Ergebnisse zum ersten Mal repräsentativ." Unterschiede zwischen den Studenten aus Bayern und aus anderen Bundesländern hätten sich nicht ergeben. Auffallend sei jedoch, dass Hochschüler aus Österreich, die an der Universität Passau eingeschrieben sind, vergleichsweise gut abgeschnitten hätten.

"Ohne die nötigen Grundlagen fehlt die Basis für ein erfolgreiches Studium der Germanistik, denn dann ist nicht einmal die Beherrschung der Rechtschreibung möglich", sagt Habermann. In einem Brief bat sie den bayerischen Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) nun darum, Abhilfe zu schaffen. Statt wie bisher nur bis zur Mittelstufe müsse der Grammatikunterricht bis zum Abitur im Lehrplan verankert werden, um die Defizite der Schüler und Studenten zu beheben. Zudem müsse die Grammatikausbildung für angehende Lehrer ausgeweitet und ihr Wissen stärker geprüft werden. "Vielfach stehen die Lehrer selbst mit der Grammatik auf Kriegsfuß; Lehramts-Studenten mogeln sich durch bis zum Examen, ohne den Genitiv zu kennen", so Habermann. "Wie sollen die Grammatik unterrichten können?"

Die Professorin und ihre Kollegen planen weitere Schritte: "Wir wollen dem Kultusministerium beschreiben, welche Schwächen wir hier bei den Studenten vorfinden", sagt Habermann. Dazu wollen sie und drei weitere Professoren sich mit Dr. Stefan Krimm, dem Ministerialrat in der Gymnasialabteilung, zusammensetzen und ihnen die Zustände schildern. Zwei der drei Kollegen stehen bereits fest: Stephan Elsaß von der Universität Augsburg und Elke Ronneberger-Sibold von der Katholischen Universität Eichstätt.

Warum die Hochschullehrer das tun? "Wir haben Angst um die Wissenschaft", sagt Habermann. Wer die Grundlagen der deutschen Grammatik nicht beherrsche, die sie als "Einmaleins" und als "Fundament" bezeichnet, der könne nicht forschen. "Denn man kann nur Neues erforschen, wenn man das Alte kennt." Aus diesem Grund plant die Professorin, Grammatik-Crashkurse für Erstsemester einzuführen.
zuletzt bearbeitet 19.04.2007 09:36 | nach oben springen

#4

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 19.04.2007 12:34
von Tybalt • 63 Beiträge

Ich muß zugeben, ich wäre bei diesem Test wohl irgendwo im einstelligen Bereich gelandet. Denn ich kann mit Grammatik (Theorie, nicht Praxis!) nichts anfangen, und ich will es auch garnicht. Wozu auch? Im Zweifelsfall verlasse ich mich auf mein Sprachgefühl, das ich mir mit einer Unmenge Büchern erworben habe.

Viel praktischer als ein solcher Test, der ja nur Theoriewissen abfragt, wären Tests zum Sprachverständnis und Ausdruck. Aber ich muß zugeben, so ein Test ist um einiges einfacher durchzuführen.

Und so nebenbei, bei uns in Niedersachsen wurde sowas nicht in Deutsch unterrichtet. (Dafür mußte ich das langweiligeste und schlechteste Buch der Welt lesen: Effi 'Dumpfbacke' Briest.)


Tybalt


(\__/)
( o o )
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Das ist Bunnythulhu. Er ist erwacht, und er wird alle in den Wahnsinn treiben. Kopiere Bunnythulhu in deine Signatur oder koste seinen süßen Wahnsinn!
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#5

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 19.04.2007 12:49
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Waaaaaaaa...komm'se mir nich mitte Effi. Die mußten wa uns im Deutsch-LK auch antun. Watten Wahnsinn. Sie 17, er 40, sowatt kann schomma ganich gut gehn. Da versauert se in dem Kaff, er is nie zu Hause. Nu gehtse fremd, und der durchgeknallte Sack, statt die Sache untern Teppich zu kehren oder eine saubere Scheidung durchzuziehn, fühlt sich verpflichtet, den Major übern Haufen und untern Rasen zu schießen, obwohl er es einklich gar nich will und obwohl keiner seiner Kollegen beim Kommiß die leiseste Ahnung hat. Also nur, weil er sich einredet, da irgendeinem "Gesellschafts-Etwas", das er nicht einmal beim Nahm nenn kann (!!!), allet innen Rachen schmeißen zu müssen, machta sich zum Mörder. Und kommt dafür nichma innen Knast, unt datt is der einkliche Skandal anne ganze Affäre. Nee, gehnse wech, is doch krank, sowatt. Kann aber der Fontane nix für, war ja ein echter Fall damals.

---

Einen Grammatiktest für Germanistikstudenten aber halte ich für sinnvoll! Genau wie einen Mathematiktest für angehende Physiker. Sonst mache ich mir Sorgen, was die mit einem Teilchenbeschleuniger so anrichten könnten, wenn da die zehnte Nullstelle hinterm Komma nicht ganz sitzt.

Und was Sprachlehrer ohne Ahnung von Grammatik alles so anrichten, das sieht man jeden Tag. Die materiellen Schäden bleiben allerdings in Grenzen.

---
In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
zuletzt bearbeitet 19.04.2007 13:11 | nach oben springen

#6

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 22.04.2007 23:07
von Vertaler • 41 Beiträge

Wenn selbst ein (Junior-)Professor für Sprachwissenschaft nicht die volle Punktzahl in dem Test bekommen hätte, ist das Ergebnis vielleicht doch nicht so schlecht.

Ich wäre an seit als Konjunktion und an der Gleichmut (für mich auf jeden Fall feminin!) gescheitert.


--
Wichte sind wichtig.
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#7

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 22.04.2007 23:18
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Mut ist maskulin, also auch der Gleichmut? Edelmut? Hochmut?

Aber dann "die Armut".


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In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
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#8

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 22.04.2007 23:21
von Vertaler • 41 Beiträge

… und die Demut, die Langmut (?). Mut ist so ein schöner Zweifelsfall, was das Genus angeht.


--
Wichte sind wichtig.
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#9

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 22.04.2007 23:23
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
"Der" Langmut für mich.

Ar- und Demut sind keine Komposita von "Mut".

Und dann "das" Mammut. :-D

---
In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
zuletzt bearbeitet 22.04.2007 23:24 | nach oben springen

#10

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 22.04.2007 23:28
von Vertaler • 41 Beiträge

Demut schon, wie auch Anmut und Wehmut (auch beide Feminina) – Armut natürlich nicht, aber das Beispiel kommt ja auch von Ihnen (;


--
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#11

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 22.04.2007 23:32
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Noch nicht überzeugt.

Wehmut, Armut, Demut etc haben etymologisch nichts mit dem Mut im Sinne von Tapferkeit zu tun, sondern hier haben wir es mit einer deutschen Nachsilbe wie -heit, -keit, oder -nis zu tun. Die auch in "es mutet an" steckt.

Kann total danebenliegen.

---

Habe nachgeschlagen und liege partiell daneben.

Laut Duden ist die Langmut weiblich.
Dafür ist der Gleichmut männlich.

Ansonsten herrscht Einigkeit.

---
In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
zuletzt bearbeitet 22.04.2007 23:41 | nach oben springen

#12

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 24.04.2007 00:34
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge
Unser Lateinprofessor kam heute mit den Tests rein, weil er meinte, Lateiner schnitten dabei wohl besser als Germanisten ab.
Ich selbst fand den Test nicht leicht, hatte 32 von 40 Punkten, bin nun gespannt auf die Auswertung. Denke dennoch, daß Lateiner im Vorteil sind. Sie müssen dauernd bestimmen und die Sprache beschreiben.

Contravaniloquentiam in foro obscuro a. d. XV. Kalendas Maias mortuus est.
zuletzt bearbeitet 24.04.2007 00:35 | nach oben springen

#13

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 24.04.2007 08:35
von Vertaler • 41 Beiträge
Zitat von Schamane
Wehmut, Armut, Demut etc haben etymologisch nichts mit dem Mut im Sinne von Tapferkeit zu tun, sondern hier haben wir es mit einer deutschen Nachsilbe wie -heit, -keit, oder -nis zu tun. Die auch in „es mutet an“ steckt.

Ist durchaus eine Möglichkeit, hab mein Nachschlagewerk gerade nicht zur Hand; aber steckt die Wurzel nicht auch in Gleich-, Lang- und Großmut?

Zitat von Contravaniloquentiam
Denke dennoch, daß Lateiner im Vorteil sind. Sie müssen dauernd bestimmen und die Sprache beschreiben.

Sie müssen Latein beschreiben, aber nicht Deutsch. Es fällt einem Sprecher, wenn er nicht geübt ist, immer sehr schwer, die eigene Muttersprache zu beschreiben, weil er es normalerweise nicht muß. Man spricht grammatikalisch korrekt, ohne dabei über die Grammatik nachzudenken, daher muß man auch nicht genau wissen, wie alle Sachen, die man natürlich formuliert, auch genannt werden.

--
Wichte sind wichtig.
zuletzt bearbeitet 24.04.2007 08:36 | nach oben springen

#14

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 24.04.2007 08:48
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

In Antwort auf:
Das Studium ist dem Genitiv sein Tod

Langer Beitrag, kurze Antwort: die, die dafür verantwortlich sind, sind dieselben, die uns auch die Rechtschreibreform beschert haben!

Erika Ciesla

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#15

RE: Der Grammatik-Test

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 24.04.2007 10:45
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

In Antwort auf:
Sie müssen Latein beschreiben, aber nicht Deutsch.

Ich bekenne, das kann ich auch nicht. Und was solls, ich komme damit durchaus zurecht, denn üblicherweise sprechen gewöhnliche Muttersprachler ihre Sprache aus Gewohnheit richtig, was zumeist ausreichend ist. Hier aber haben wir es mit Studenten der Germanistik zu tun, daß die mehr wissen als ich, das erwarte ich wohl!

Es kommt aber nicht darauf an, das Problem zu beschreiben, ändern muß man es. Um es aber zu ändern, muß man die Ursache finden. Die Frage lautet darum also: was zum Teufel wird auf den Gymnasien eigentlich gelehrt? Zu meiner Zeit™ war das Abitur noch das Zeugnis dafür, daß man die Hochschulreife erlangt hat. Wenn selbiges Abitur heutzutage gerade noch dafür reicht, einem Hauptschüler die Lehrstelle streitig zu machen, dann stimmt da was nicht!

Aldiweil die Suche nach den Ursachen immer auch die Suche nach den Schuldigen ist, gucke ich mir just in diesem Augenblick die Kultusminister an! Diese Deppen in Nadelstreifen, sie gaben Millionen dafür aus und verursachten Folgekosten in Milliardenhöhe, um angeblich die Rechtschreibung zu vereinfachen, anstatt dieses Geld dafür zu verwenden, den Schülern die Rechtschreibung zu lehren.

Aber damit da kein Irrtum aufkommt, selbstverständlich ist die Rechtschreibreform nicht das Problem, das wäre wohl zu einfach. Aber sie ist ein weiteres Symptom des Problems, und das ist zwischen den Ohren der Kultusminister und deren Ministerialbeamten zu suchen. Die Rechtschreibreform an sich ist bereits ein Fehler, für wahr, aber die Ideologie, die zur Rechtschreibreform führte, ist eine Katastrophe. Sie ist der (im übrigen mißlungene!) Versuch, eine Rechtschreibung zu schaffen, die so einfach (so primitiv!) ist, daß es sich gar nicht mehr lohnt, diese überhaupt noch zu lehren. Rechtschreibreform als Substitution für Rechtschreibausbildung! Was daraus folgt, muß ich nicht erklären, das stand bereits in dem Artikel, zu dem dieser Text ein Kommentar sein soll.

Erika Ciesla

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