#1

Die Rechtschreibreform (und ihre Folgen)

in Sprachpolitik 26.04.2007 16:00
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

Tach zusammen!

In anderen Brettern ist schon mehrfach angesprochen worden, daß man eventuelle in einem extra dafür eingerichtetem neuen Brett über die Rechtschreibreform diskutieren könnte, sowie über die Folgen, die sich aus dieser Reform ergeben, oder etwa despektierlich gesagt, welche Trümmer diese Reform hinterlassen hat.

Ich mache hiermit den Anfang und lege dieses Brett an.

Es wäre wünschenswert, damit wir nicht vor lauter Bäume den Wald nicht mehr sehen, daß möglichst alle Aspekte der Rechtschreibreform hier besprochen werden, also kein extra-Brett für das »ß« (Messergebnis), oder das »ä« (Er kommt behände (Im Kopfstand auf den Händen gehend?) die Treppe herab), oder die getrennt Schreibung (schiever Turm wird gerade gerückt (also jetzt in diesem Augenblick hin- und hergeschoben?)), et cetera. Es besteht die Möglichkeit, auch innerhalb des Brettes verschiedene Überschriften zu setzen (Siehe oben das Feld »Betreff«), das sollte zur Differenzierung der Teilaspekte genügen.

So, das Brett haben wir nun, ich freu mich schon auf Eure Beiträge.

Erika Ciesla

Ein Thema übrigens, das wir im VDS nie und nimmer diskutieren könnten

nach oben springen

#2

RE: Die Rechtschreibreform (und ihre Folgen)

in Sprachpolitik 26.04.2007 18:34
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Das ist eben (außer mir) das Dumme an diesem Forum: Das Brett sollte gespalten werden, damit man es nicht zur Gänze vor seinem Kopf hat, quasi, um einen Lichtblick erhaschen zu können; d.h. eine Unterteilung wäre vonnöten, um die Übersicht zu behalten.

Erstens die Historia der Reform.

Zweitens die Darlegung der politischen Aspekte.

Drittens die verheerenden Folgen der Reform, wiederum unterteilt nach den drei begangenen Hauptverbrechen: der desolaten „Groß- und Kleinschreibung“, der beliebigen „Worttrennung“ und des ungewissen Gebrauchs der Buchstaben „ß“ oder „ss“.

nach oben springen

#3

RE: Die Rechtschreibreform (und ihre Folgen)

in Sprachpolitik 26.04.2007 19:01
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Wie wär's mit praktischen Erwägungen?

Eine Rechtschreibreform, welche die komplizierte deutsche Rechtschreibung mit all ihren Fallgruben und Stolpersteinen ein für allemal für alle nachvollziehbar vereinfacht hätte, ja, so eine Rechtschreibreform hätte ihren Namen verdient.

So aber haben wir eine Neue Rechtschreibung, die um nichts einfacher und logischer ist als die alte, die Fallgruben wurden nur versetzt und die Stolpersteine nur verschoben. Was ist gewonnen? Nichts.

Da hätte man besser gleich alles beim alten (nicht: beim Alten) gelassen. Dann hätten wir immer noch eine komplizierte Rechtschreibung, aber nicht dieses Chaos von zwei Rechtschreibungen und diversen Nachbesserungen. Mit der Computerwelt verglichen: ein leidlich funktionierendes Betriebssystem ist besser als zwei verschiedene Systeme auf zwei Partitionen plus einem Update nach dem anderen. Kein Wunder, daß das System abstürzt.


---
In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
nach oben springen

#4

RE: Die Rechtschreibreform (und ihre Folgen)

in Sprachpolitik 26.04.2007 21:35
von Merlot • 37 Beiträge
Ach, Mensch! Neue Rechtschreibung, alte Rechtschreibung. Zum Kuckuck mit alle dem, sage ich. Verstehe auf mein Ehrenwort bis jetzt immer noch nicht, was diese Neuregelungen bezwecken sollen, erschweren uns Deutschlehrern nur den Unterricht, insbesondere an Auslaender!

Merlot
zuletzt bearbeitet 26.04.2007 21:35 | nach oben springen

#5

Der Kardinalfehler!

in Sprachpolitik 26.04.2007 23:26
von Erika Ciesla • 116 Beiträge
Hallo Fritz-Franz,

was ich im »Vorwort« schrieb, soll man bitte als Vorschlag ansehen, mehr nicht. Wenn eine Mehrheit der Meinung ist, daß ein Brett für die Rechtschreibreform nicht ausreicht, dann machen wir halt zwei, oder drei, oder wieviel wir auch immer brauchen. Ich habe nur Angst, daß wir uns verlaufen, wenn es zu viele sind.

Aber bevor ich meinem ersten Sachbeitrag komme, ergeht noch einmal mein Dank an die Gründer dieses Forums, denn im VDS wäre dieses Brett schon längst Feuerholz.

Nun zur Sache.

Ich will in diesem frühen Stadium noch gar nicht in die Details gehen (einige Aspekte habe ich ja in meiner Vorrede schon kurz angerissen), sondern mal ganz allgemein die Frage nach dem Sinn dieser Reform stellen. Die Reformisten sind angetreten mit der Vorgabe, daß das Schreiben leichter werde, aber ist nicht das bereits der Kardinalfehler? Schreiben wir denn tatsächlich um des Schreibens willen? Oder schreiben wir, damit es gelesen werde? Ich glaube nämlich, daß die Rechtschreibung vorzugsweise die Aufgabe hat, einen gut lesbaren Text zu erzeugen, schreiben muß man hingegen schon lernen.

Die zweite Frage lautet: haben die Reformisten ihr Ziel denn wenigstens erreicht? Mitnichten! Wenn das Werk den Vorgaben entsprechend gelungen wäre, dann müßte das im Schulunterricht nachprüfbar sein. Konkret gesagt, es müßten in der neuen Rechtschreibung signifikant weniger Fehler geschrieben werden als in der Alten, aber ist das so? Daran wage ich zu zweifeln! Besonders im Kontext mit der sogenannten heyseschen S-Schreibung (»dass« statt »daß«, et cetera) sehe ich tagtäglich (im Netz, in den Zeitungen, in der Korrespondenz), daß in Wirklichkeit die Fehler sogar signifikant zugenommen haben. Wörter wie »Hinderniss«, »Außschuss«, »Orgassmuss« und »Blaßmusik«, et cetera, sind keine böswilligen Erfindungen von mir, so wird heute tatsächlich geschrieben! Es gibt für diese Fehlschreibungen sogar einen Fachausdruck: Überkompensation.

Und dabei soll diese neue S-Schreibung (von 1829, frühes 19. Jahrhundert!) angeblich das Sahnestückchen der neuen Rechtschriebung sein!

Fassen wir zusammen: diese Reform ist bereits von Anfang an mit falschen Prämissen angegangen worden, und dann ist sie auch noch gründlich mißraten. Sie ist ein ganz und gar gescheitertes Experiment, das nur aus gründen einer falsch verstandenen Staatsräson nicht kassiert wird.

Erika Ciesla


PS.
Ich möchte die Verwalter des Forums bitten, die Vorgabe für die Schriftgröße zu korrigieren. Ich habe mir mal die Stil-Datei »style.css« angesehen und fand gleich in der ersten Zeile folgenden Eintrag:
BODY { 
(...)
font-size: 9pt;
(...)
}

und das ist zu klein. Eine gewöhnliche »Brotschrift« ist 12pt groß, die wäre gut lesbar. Aber eigentlich sollte im HTML diese Maßeinheit »pt« (typographischer Punkt) überhaupt nicht verwendet werden, denn wir drucken hier keine Bücher, sondern bilden Text auf einem Bildschirm ab. Eine Garantie, daß eine 12pt-Schrift auf dem Bildschirm tatsächlich in der Größe 12pt abgebildet wird, gibt es nicht! Schriften werden im HTML besser mit »em« dimensioniert, wobei »1em« die Größe der gewöhnlichen Leseschrift sein sollte.

Aber immerhin kommt »pt« wenigstens besser als »px«, was man leider auch oft sieht. Eine 9px-Schrift wäre nämlich gar nicht mehr zu lesen, das wären dann Fliegenschisse statt Buchstaben.
zuletzt bearbeitet 26.04.2007 23:27 | nach oben springen

#6

RE: Der Kardinalfehler!

in Sprachpolitik 27.04.2007 07:21
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

An Merlot: Ja, zum Kuckuck damit! Darauf trinke ich ein Boccolino Merlot aus (voller Wehmut der Zeiten gedenkend, als in Brione sopra Minusio die Welt noch in Ordnung war).

An Erika: Im Jahr 1982 fuhr ich von O* im Kanton Schaffhausen nach E* ins Ruhrgebiet, um dort ein Fabrikgebäude zu photographieren. Der Stadtpräsident erwartete mich. Auf halbem Wege fing ich an, darüber zu sinnieren, was ich vergessen haben könnte, machte Halt auf einer Raststätte und durchwühlte den Kofferraum meines Automobils. Beruhigt fuhr ich weiter nach E*, um dort festzustellen, was ich mitzunehmen vergaß: Den Photokoffer. Jener Tag war der Tag meiner Wiedergeburt. Seither bin ich ein Ordnungsfanatiker. – Etwas anderes: Es scheint also der Fall zu sein, eine ausgemachte Sache sozusagen, daß die Deutschen auf den Mond fliegen wollen und sollen. Das Handbuch bzw. die Betriebsanleitung zu ihrem Vehikel haben sie bereits gedruckt: Den kunterbunten Duden-Band zur neuen deutschen Rechtschreibung. Das Vehikel selbst, vermute ich, wird Jean Tinguelys „Heureka“ gleichen.

nach oben springen

#7

RE: Der Kardinalfehler!

in Sprachpolitik 27.04.2007 08:09
von Ute E. • 110 Beiträge

Ich bin ganz klar dafür, von Anfang an eine Unterteilung zu machen, die mindestens den Feinheitsgrad hat, wie Fritz-Franz ihn oben vorgeschlagen hat:
Geschichte - politische Aspekte - Folgen (Groß- u. Kleinschreibung, Getrennt- u- Zusammenschreibung, ss vs. ß). Als weitere Punkte schlage ich noch vor: Interpunktion (z. B. Minderachtung von Kommas, Aufwertung der Apostrophe) und weiterbestehende populäre Irrtümer (es gibt immer noch Leute, die glauben, die RSR schreibe "aufwändig", "so genannt" oder "selbstständig" vor).

nach oben springen

#8

RE: Der Kardinalfehler!

in Sprachpolitik 27.04.2007 08:17
von Vertaler • 41 Beiträge

Mal kurz ab vom Thema: seit wann nennt man Themen (ich hab auch schon häufiger „Faden“ gelesen, auch schon komisch) eigentlich Bretter? Das klingt für mich aber ganz stark nach den Redlichen.

Wie dem auch sei: ich halte die Kritik an der Rechtschreibung und ihrer Reform für übertrieben. So zentral ist sie nicht, daß ein kleines Reförmchen sie besser oder schlechter machen könnte. Nach der Reform ist sie anders, aber man kann sich trotzdem noch einwandfrei schriftlich verständigen, vorausgesetzt, es wird irgendeine Norm eingehalten. Ich halte es auch nicht für belegbar, daß wegen der Reform mehr Fehler als früher gemacht werden – vielleicht mal abgesehen von denen, die während der Umstellung zu schreiben lernen mußten.


--
Wichte sind wichtig.
nach oben springen

#9

RE: Der Kardinalfehler!

in Sprachpolitik 27.04.2007 08:42
von Ute E. • 110 Beiträge

In Antwort auf:
Wie dem auch sei: ich halte die Kritik an der Rechtschreibung und ihrer Reform für übertrieben.
"Kritik an der Rechtschreibung" (überhaupt) wäre natürlich ein ganz anderes Thema (braucht man überhaupt so etwas wie "Rechtschreibung"?). Aber nehmen wir mal die Kritik an der Reform (wobei man da schon differenzieren müßte - an welcher der Reformen der letzten Jahre?). Es gibt ja nicht nur die Kritik, sondern eine riesige Menge von Kritikansätzen. Und daß darunter auch alberne und übertriebene sind, verwundert niemanden, solange jeder "seinen Senf" dazugeben darf. Das aber sollte niemanden daran hindern, berechtige Kritik zu üben (auch fortgesetzt); der Sinn von Diskussionen ist ja u.a., daß sich dabei herauskristallisieren kann, was berechtigt und fundiert ist, und was nur so dahergesagt oder populistisch nachgeplappert ist.

nach oben springen

#10

RE: Die Rechtschreibreform (und ihre Folgen)

in Sprachpolitik 27.04.2007 09:03
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

An Vertaler:

Erstens: Es ist ein wahrer Plausch, daß Du hier wieder mitschreibst. Zweitens: Wenn einer von uns beiden unredlich ist, dann mein Computer. Drittens: Das Brett habe ich oben gespalten. Und viertens: So viele Rechtschreibfehler wie heute, gab es früher in den Zeitungen nicht. Leider kann ich diese meine Behauptung nicht begründen. Vielleicht ist es ja nur

Angefügte Bilder:
Aufgrund eingeschränkter Benutzerrechte werden nur die Namen der Dateianhänge angezeigt Jetzt anmelden!
 Einbildung.gif 
nach oben springen

#11

RE: Der Kardinalfehler!

in Sprachpolitik 27.04.2007 09:04
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

Zu einem Punkt von Erika, ob die Rechtschreibung dem Schreiben oder dem Lesen diene.
Die Reform bevorzugt (zumindest argumentativ) das leichtere Schreiben. Das kann man einerseits kritisieren, andererseits muß man bedenken, daß heutzutage viel mehr Leute schreiben und schreiben müssen als noch vor 20 Jahren. Durch das Internet, neuerding insbesondere durch die Netztagebücher(Blogs) hat die Anzahl der Schreiber deutlich zugenommen.
Ohne diese Texte geringschätzen zu wollen, ist davon auszugehen, daß sie im allgemeinen nicht so häufig gelesen werden wie gedruckte Bücher. Dies spräche also dafür, das Schreiben zu erleichtern - mit Abstrichen bei der Lesefreundlichkeit (diese Abstriche sind gering, wie man zugeben muß).

Mein Kritik an dieser RSR ist aber der Ansatz überhaupt. Man hat fast nur an den konventionellen Bestandteilen der RSR gerückt, aber ist nicht auf die Sprachentwicklung eingegangen. So stelle ich mir eine Reform irgendwann sinnvoller vor, wenn man Beispielsweise die Schreibung "ich hab, ich komm, ich nehm, etc." zuließe. Dafür ist es wohl noch zu früh, aber vielleicht fallen einem anderen Beispiele ein, wo die Lautentwicklung schon abgeschlossen ist, die RS hinterherziehen müßte. Vertaler, Sie kennen sich da doch aus. Die Zulässigkeit der Eindeutschung einiger gängiger Fremdwörter ist ein richtiger Schritt in diese Richtung: Delfin (warum ein ph? zumal die Altgriechen das φ, als behauchtes p, nicht aber wie ein f gesprochen haben). Wir haben ja auch schon so viele andere griechische Wörter (zwar leider nur halbherzig, das th könnte noch entfallen) eingedeutscht: Homöopathie, Anästhesie.

Letzter Punkt:
Dem Argument mit den S-Fehlern, liebe Erika, kann ich nur halb zustimmen. Genaugenommen haben sind die alten Regeln genauso leicht wie die neuen. Denn Wörter mit -nis gab es auch schon vor der Reform. Auch vor der Reform machten die Leute diese Fehler. Einzuräumen ist wohl, aber ich kenne keine Statistik, das die Generation der Umstellung verunsichert sein könnte und mehr Fehler auftreten könnten.




Contravaniloquentiam in foro obscuro a. d. XV. Kalendas Maias mortuus est.
nach oben springen

#12

RE: Der Kardinalfehler!

in Sprachpolitik 27.04.2007 09:07
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

Als Antwort auf Fritz-Franz:

Daß die Zeitungen schlechter schreiben als früher, liegt nicht an der Reform, sondern daran, daß EDV statt Menschenhand eingesetzt wird. Meines Wissens gibt es heute weniger Korrekturleser als früher, daher finden wir auch ganz einfache Tippfehler in Zeitungen. Für falsche Trennungen ist vor allem eine schlechte Trennungssoftware verantwortlich. Alles eine Frage des Geldes.




Contravaniloquentiam in foro obscuro a. d. XV. Kalendas Maias mortuus est.
nach oben springen

#13

RE: Die Rechtschreibreform (und ihre Folgen)

in Sprachpolitik 27.04.2007 11:38
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Lieber Contravaniloquentiam!

Ich arbeitete lange Zeit mit vielen andern Sprachbegeisterten an der Silbentrenndatei für das Textprogramm „Signum!“ (das Ausrufezeichen gehört zum Namen des Programms). Wir erreichten, der damals geltenden Rechtschreibung gemäß, eine Trennsicherheit von ca. 98 Prozent. D.h. man hätte mehrere hunderttausend Seiten formatierten Text lesen müssen, um einen Trennungsfehler zu entdecken. Die meisten Trennungsfehler kamen in „Fremdwörtern“ vor.

Wenn ich von Rechtschreibfehlern spreche, denke ich zunächst an die sogenannten „Buchstabenverdreher“, „doppelten“ oder „ungewollt zusätzlich getippten“ Buchstaben und dergleichen. Über solche „Tippfehler“ rege ich mich nicht auf. Gut wäre es, wenn man nicht allezeit faul wäre (z.B. während der Arbeit im Büro der Zeitungsredaktion – beinahe hätte ich „Bureau“ geschrieben). Wie jede Sekretärin, die ihre Briefe mit „Microsoft® Word“ schreibt, weiß, setzt die Funktionstaste „F7“ den Korrekturalgorithmus in Gang. Tippfehler wären also mit Leichtigkeit zu vermeiden (und deren Vermeidung in einem Sprachforum sogar zu empfehlen).

Nun zu den Trennungsfehlern. Wie jemand das Wort „Uran“ am Zeilenende trennt (U-ran oder Ur-an) ist mir ziemlich egal. Wenn nur der Text gehalt- und/oder humorvoll ist! Die meisten Computerbenutzer verwenden den sog. „Flattersatz“ (eine ökonomische Erfindung, welche einem die Mühsal der Erarbeitung einer Silbentrenndatei erspart).

Man kann und darf behaupten, daß die Technik der Silbentrennung vor der mehrfach reformierten Rechtschreibreform hoch entwickelt und zuverlässig anwendbar war. Nun aber wurde jedoch mutwillig ein neues Problem geschaffen: Das Problem der Getrenntschreibung, welches nichts mit der Wort-Silben-Tennung zu tun hat, sondern mit Willkür, Hinterabsicht, Verblödung und Desinformation. Wer „so genannt“ und „sogenannt“ nicht mehr zu unterscheiden weiß, ist bereits zum Sklaven der Rechtschreibreform geworden, ein regelrechter Bertelsmann, ein kostümierter Mustafa Mannesmann.

Mit vielen bunten Grüßen

Fritz-Franz

nach oben springen

#14

RE: Die Rechtschreibreform (und ihre Folgen)

in Sprachpolitik 27.04.2007 13:09
von Vertaler • 41 Beiträge

Die Unterscheidung macht der Kontext, für alle Bedeutungsvarianten vieler Komposita (oder eben nicht) reicht die Trennung alleine eh nicht aus. Ich kann mir fünf Bedeutungen von „groß( )schreiben“ vorstellen (1. Wert auf etwas legen, etwas 2. mit großem Anfangsbuchstaben/3. großer Schriftgröße schreiben, 4. das Wort „groß“ schreiben, 5. etwas so schreiben, daß es groß erscheint), aber nur drei Schreibweisen. Die richtige Bedeutung wird im Kontext klar, und wenn nicht, hat der Schreiber einen Fehler gemacht. Die Rechtschreibung unterstützt nur, sie ist nicht alleine dafür verantwortlich, daß ein Text verständlich ist. Das ist ja auch ganz normal, ansonsten könnte man ja gar nicht mündlich kommunizieren.

Neben dem schon genannten Wegfall des e in der ersten Person fällt mir noch spontan die stärkere Zusammenziehung von Präpositionen und Artikeln ein („mim“, „vorm“, „hinterm“, „inne“, „inner“, „mitter“ usw. – „Ich geh mim Hund inne Stadt“). Das hat sich aber vielleicht noch nicht weit genug ausgebreitet, um schon als Standard zu gelten.


--
Wichte sind wichtig.
nach oben springen

#15

RE: Der Kardinalfehler!

in Sprachpolitik 27.04.2007 14:01
von Merlot • 37 Beiträge
An Fritz-Franz: Darauf trinke ich gern mit, mein Lieber, bitte, bloss nur ein halbes Baecherlein! Tja du, war die Welt je "in Ordnung"?? Gerechter Gott, nein! Manchmal liebe ich halt ein schoen "ordentliches" Chaos. danke.-:) :)

Apropos Rechtschreibereform ist die sogenannte "Neue" Version noch weniger chaotisch?
Etwas zum Wiederkauen!
Merlot (meine Lieblingsdroge)
zuletzt bearbeitet 27.04.2007 14:02 | nach oben springen


Aktion Deutsche Sprache, Hannover | Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh. | Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt | Deutsch-Netz.de, Lippstadt | Deutsche Sprachwelt, Erlangen | Die Seiten für Rechtschreibung | Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V., Aschaffenburg | Institut für Deutsche Sprache, Mannheim | Neue Fruchtbringende Gesellschaft zu Köthen/Anhalt e.V. | Sprachkreis Deutsch, Bern | Sprachpflege.info, Erlangen | Stiftung Deutsche Sprache e.V., Berlin | Verein Deutsche Sprache e.V., Dortmund | Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V., Schwaig bei Nürnberg | Woxikon | www.wortpatenschaft.de
Besucher
1 Mitglied und 3 Gäste sind Online:
MarcusMed

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: MarcusMed
Forum Statistiken
Das Forum hat 644 Themen und 4743 Beiträge.

Heute war 1 Mitglied Online :
MarcusMed


Xobor Forum Software von Xobor