#1

Konkrete Poesie

in F r e i s t i l 09.05.2007 17:31
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Eugen Gomringer, „der Begründer der konkreten Poesie“, heißt es, „las Märchen.“ – Ein Schwarzweißdenker, ein Polarisierer, könnte sich nun fragen, was für welche? Und: Was ist das Gegenteil der „konkreten Poesie“? Die indifferente? oder sonst etwas? Ein Mittelding? Ein zu verköstigender Zwitter? Brutale Prosa?

An dieser Stelle steht weder ein Verweis, noch ein Hinweis, sondern bloß eine Ermunterung: Sucht selbst danach, wenn ihr wollt, um der „konkreten Poesie“ teilhaftig zu werden.

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#2

Konkretisierung

in F r e i s t i l 10.05.2007 00:29
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Ein Beispiel der „konkreten Poesie“ könnte* folgendes, beim flüchtigen Lesen (d.h. hier „inspiriert auf direktem Wege“, also, wie ein Faustschlag an die nachdenkliche Stirn erfolgt) entstandene sein:

Bundesbandenchef
Bundesbahnchef
Bundesbankchef

* Von solchen Erwägungen, welche bis zu Behauptungen gesteigert, aber dann doch nicht bewiesen und darum wieder (als Makulatur) mit unbekümmerter Gelassenheit fallen gelassen werden, um alsdann einem neuen Lug und Trug Platz zu machen, leben die verlogenen Anwälte (die Verleger) der Literaten (der Schmutz- und Schmierfinken) seit Gutenbergs Zeiten sehr gut.

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#3

Noch konkreter

in F r e i s t i l 10.05.2007 02:28
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Damit es der Letzte begreift: Seitdem wir wissen, daß Tiere sprechen können, wurden Menschen mit Gegenständen erschlagen; leider in Wirklichkeit mehr, als in der Einbildung. Dieses geschieht auch heute noch, und zwar mit äußerster Gewalt, tagtäglich vermittelst des Schlagzeugs namens „Zeitung“, dem Knüppel der „konkreten Poesie“. Auch hierzu ein Beispiel:

Das Kokain bedauert das Heroin und trauert. Warum? Weil es, das wankelmütige Heroin, nicht sichergestellt werden konnte. Das Heroin liegt, totgeschlagen und umgefallen, am Boden.

Auf solche Einfälle komme ich beim Lesen der Lesefrüchte meines Sprachfreundes Günter Schmickler:

In Antwort auf:
25 Tonnen Kokain in Kolumbien sicher gestellt


Wer jetzt noch zweifelt, der soll meinetwegen an der „konkreten Poesie“ der Journalisten verzweifeln. Zuvor jedoch gebe ich ihm zu bedenken, daß Lichtenberg den Inhalt der Zeitungen als „Sagen der Zeit“ bezeichnete und Schopenhauer die wohl treffendste Übersetzung der Berufsbezeichnung der Lügner von Berufung lieferte: Journalisten sind Tagelöhner.

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#4

RE: Konkrete Poesie

in F r e i s t i l 17.05.2007 19:31
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Auf der Google-Suche nach konkreter Poesie stieß ich auf die Seite Anatol Knoteks aus Wien.
Hier sind, wie ich finde, einige hervorragende Stücke konkreter Poesie.
Seht selbst:

http://www.anatol.cc/032-06-wischen.htm

Unbedingt auch die "Wortspiele" ansehen. Animierte konkrete Poesie. Wirklich beeindruckend.

http://www.anatol.cc/031-Wortspiele.htm

---
In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
zuletzt bearbeitet 17.05.2007 19:35 | nach oben springen

#5

RE: Noch konkreter

in F r e i s t i l 17.05.2007 23:29
von gnomus • 62 Beiträge

Jetzt hätte ich vor Lachen doch fast meinen Schluck Bier aus dem Mund versprüht: "Sicher gestellt", einfach köstlich. Man stelle sich vor, das Kokain wäre vielleicht nicht ganz sicher gestellt worden. Bestand gar Fluchtgefahr?

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#6

RE: Konkretisierung

in F r e i s t i l 17.05.2007 23:44
von gnomus • 62 Beiträge

In Antwort auf:
Bundesbandenchef
Bundesbahnchef
Bundesbankchef


Hallo Fritz-Franz,
Du willst mich wohl damit aus der Konserve locken? ;-)
Es ist Dir doch sicher bekannt, daß ich nicht über meinen Konzern und den Vorstand lästern darf. Das könnte eine Abmahnung oder noch schlimmeres zur Folge haben. Also muß ich jetzt ganz empört sagen, daß es sich bei diesen Wortspielereien um eine Verleumdungskampagne der übelsten Art handelt. Oder so ähnlich sollte ich wohl sagen müssen.

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#7

An Gnomus

in F r e i s t i l 18.05.2007 00:50
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

(als Wiedergutmachung):

WORTVERSCHIEBUNG
VWORTERSCHIEBUNG
VEWORTRSCHIEBUNG
VERWORTSCHIEBUNG
VERSWORTCHIEBUNG
VERSCWORTHIEBUNG
VERSCHWORTIEBUNG
VERSCHIWORTEBUNG
VERSCHIEWORTBUNG
VERSCHIEBWORTUNG
VERSCHIEBUWORTNG
VERSCHIEBUNWORTG
VERSCHIEBUNGWORT

Geschrieben während einer

BAHNFAHRT
FBAHNAHRT
FABAHNHRT
FAHBAHNRT
FAHRBAHNT
FAHRTBAHN

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#8

RE: An Gnomus

in F r e i s t i l 18.05.2007 01:08
von gnomus • 62 Beiträge

Dazu könnte ich erstmal sagen:
Mir wird vom alledem so dumm,
als ging ein Mühlrad mir im Kopf herum.
Ist, glaub ich, aus "Faust, der Tragödie erster Teil".
Daß ich auf Wortspielereiungen stehe, weißt Du sicherlich. Sehr schön deswegen Dein "FAHRTBAHN".

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#9

RE: An Gnomus

in F r e i s t i l 20.05.2007 13:33
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Hier etwas Romantisches:


Trichter

GEFÜHLSREDUZIERUNG
EFÜHLSREDUZIERUN
FÜHLSREDUZIERUN
ÜHLSREDUZIERU
HLSREDUZIERU
LSREDUZIER
SREDUZIE
REDUZI
EDUZ
DU
DU
DU
DU
DU


---
In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
zuletzt bearbeitet 20.05.2007 13:35 | nach oben springen

#10

Eingetrichtertes

in F r e i s t i l 20.05.2007 19:10
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Mehr als hundert Millionen deutschsprechende Menschen soll es angeblich geben. Gut, daß hier nicht alle schreiben, schlecht, weil viele nicht.

Wir wissen also: Eugen Gomringer ist der Begründer der „konkreten Poesie“. Wundervoll! Sein Geburtsdatum: 1925.

Im Anhang ein Gedicht von Christian Morgenstern (Geburtsdatum: 1871):

Zur Weiterbildung empfehle ich die Lektüre seines Gedichtes mit dem Titel: „Fisches Nachtgesang“, und bei dieser Gelegenheit ein Bruchstück Meinung gegen einen Brocken Wissen einzutauschen.
Angefügte Bilder:
Aufgrund eingeschränkter Benutzerrechte werden nur die Namen der Dateianhänge angezeigt Jetzt anmelden!
 Die Trichter.gif 
zuletzt bearbeitet 20.05.2007 19:17 | nach oben springen

#11

RE: Eingetrichtertes

in F r e i s t i l 20.05.2007 21:04
von gnomus • 62 Beiträge

In Antwort auf:
Im Anhang ein Gedicht von Christian Morgenstern (Geburtsdatum: 1871):

Zur Weiterbildung empfehle ich die Lektüre seines Gedichtes mit dem Titel: „Fisches Nachtgesang“, und bei dieser Gelegenheit ein Bruchstück Meinung gegen einen Brocken Wissen einzutauschen.


Meine "Galgenlieder" sind leider verschwunden :-( Meine Ex versichert, daß sie sie nicht mitgenommen hat.

Aber dafür hier noch ein "funnel":

Oh, please do not kiss me!
Oh, please do not kiss!
Oh, please do not!
Oh, please do!
Oh, please!
Oh!
!


Gesehen vor etwa 30 Jahren auf einem T-shirt. Ob nun "O" oder "Oh" und mit oder ohne Komma, bin ich mir aber nicht sicher.

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#12

Mißwahl

in F r e i s t i l 27.06.2007 10:23
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Miß Nord
Miß Nordost
Miß Ost
Miß Südost
Miß Süd
Miß Südwest
Miß West
Miß Nordwest

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#13

Angst und Furcht GmbH

in F r e i s t i l 07.07.2007 22:28
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Bundeswehr im Inland (ja, wo denn sonst, als in Feindesland?)
Rasterfahndung (der Kleinkarierten)
Großer Lauschangriff (Horcht auf, ihr Schwerhörigen! Oder: „Schweigt stille, plaudert nicht“)
Online-Durchsuchung (Denn: Wer suchet, der findet stets etwas nicht)
Biometrie (Gott und der Wissenschaft sei Dank, in dieser Reihenfolge)
Telephonüberwachung („Ich Dich auch … also dann, bis morgen …“)
Kronzeugenregelung (Vertraue den Verrätern und begünstige sie!)
Flughafendaten (wie, wer, was, wo, wann und warum? Ein Kreuzworträtsel.)
Abschuß von Privatflugzeugen (Postulat: Verwirkliche das Virtuelle!)
Vorratsdatenspeicherung (Eichhörnchen-Philosophie als Lehre)
Schäublemanie (ein geiles Videospiel? Nein: Brutale Realität.)
zuletzt bearbeitet 07.07.2007 22:34 | nach oben springen

#14

Forderungen

in F r e i s t i l 07.07.2007 22:43
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Geschwindigkeitsbegrenzungen für Rollstuhlfahrer.

Diese fünf Forderungen stelle ich hier und heute. Zu meinem Schutz.

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#15

Konkrete Poesie

in F r e i s t i l 10.07.2007 22:27
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Nun folgt ein Stück konkreter Prosa (danach etwas Poesie)

Die Leser in diesem Forum wissen, daß ich mich längst verabschiedet habe – und sie stellen womöglich mit Entsetzen fest, daß ich hier noch immer schreibe. Ja, scheiden tut weh; mir selbst nicht minder als andern.

Aber was hat denn dieser Herr Wolfgang Schäuble mit der Sprache zu tun? Soviel wie Angela Merkel. Beide verschlagen mir die Sprache. Angela Merkel meinte: „Ich will einen Innenminister, der sich mit diesen neuen Bedrohungen auseinandersetzt. Denkverbote helfen nicht weiter.“

Darum also denke ich frank und frei. Es komme einer und erkläre mir, wie man wem das Denken verbieten könnte – ach ja, dadurch, indem man ihn ermordet. Ich sehe Güterzüge gen Süden fahren … Nun aber, liebe Freunde, heute ist Schluß für mich. Ich erwarte sehnsüchtig eine neue moderne Camera. Empfanget als Abschiedsgeschenk ein Gedicht von mir, ein Beispiel konkreter Poesie.

Wo die Lüge
Steht in Ehren,
Wo das Trübe
Vor dem Hehren
Wird geadelt,
Wo die Wahrheit
Und die Klarheit
Wird getadelt,
Lebt, wer ehrlich,
Sehr beschwerlich -
Ja: gefährlich!

Euer Fritz-Franz
zuletzt bearbeitet 10.07.2007 22:31 | nach oben springen


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