#1

Groß- und Kleinschreibung.

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 15.03.2007 22:17
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Obwohl ich mich in der deutschen Rechtschreibung (soll heißen, der alten) einigermaßen sicher fühle, muß ich mich zu meiner Schande, wenn es um die Groß- oder Kleinschreibung von Adjektiven geht, oft aufs Raten verlegen.

Ein Beispiel:

*Es bleibt alles beim alten.
*Es bleibt alles beim Alten.

Weiteres Beispiel:

*Das ist Sache jedes einzelnen.
*Das ist Sache jedes Einzelnen.

Was ist in beiden Fällen nach alter Rechtschreibung richtig?
Wer kennt die Regeln und kann Klarheit schaffen?

Vielen Dank.

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#2

RE: Groß- und Kleinschreibung.

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 16.03.2007 07:54
von Ute E. • 110 Beiträge

In Antwort auf:
Was ist in beiden Fällen nach alter Rechtschreibung richtig?


Richtig: Es bleibt alles beim alten.
Regel (Teil von R65): Adjektive und Partizipien, die in festen Verbindungen (mit Verben) stehen, werden klein geschrieben, auch wenn sie der Form nach substantiviert sind.
"Es bleibt alles beim Alten" gibt es nach alter Rechtschreibung aber auch, z. B. wenn die die gerade Geschiedene berichtet, wie das Gericht über das Vermögen entschieden hat.

Richtig: Das ist Sache jedes einzelnen (nach R66).



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#3

RE: Groß- und Kleinschreibung.

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 16.03.2007 11:19
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Vielen Dank, Ute.

Es bleibt alles beim Alten = der Alte behält alles.
Da schluckt die Reform wieder schöne Nuancen...

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#4

RE: Groß- und Kleinschreibung.

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 16.03.2007 20:05
von Bastian • 42 Beiträge

Eine recht einfache Regel lautet: im Zweifelsfall schreibe klein. Das ist natürlich nur eine Faustregel.

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#5

RE: Groß- und Kleinschreibung.

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 16.03.2007 23:18
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Bastian: ich erinnere mich noch, wie ich vor der Rechtschreibreform einmal im Duden an die 50 Paragraphen zur Groß- und Kleinschreibung durchlas. In Erinnerung blieb mir nur dieses:

Im Zweifelsfall schreibe man klein.

Nächste Frage:

"Dabei kann nichts G/gescheites herauskommen."

Wie ist es hier? Mein Gefühl sagt hier: großschreiben.

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#6

RE: Groß- und Kleinschreibung.

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 17.03.2007 01:03
von Ute E. • 110 Beiträge

In Antwort auf:
"Dabei kann nichts G/gescheites herauskommen."

Das ist - so komisch das klingen mag - nur eine Sache der Zusammen-/Getrenntschreibung, denn

- nach alter Rechtschreibung ist es groß zu schreiben.
- nach neuer Rechtschreibung ist es großzuschreiben.

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#7

RE: Groß- und Kleinschreibung.

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 17.03.2007 01:07
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Ist das nicht genau umgekehrt, und nach der neuen Rechtschreibung muß nun alles auseinandergeschrieben werden?

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#8

RE: Groß- und Kleinschreibung.

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 17.03.2007 11:00
von Ute E. • 110 Beiträge

In Antwort auf:
Ist das nicht genau umgekehrt, und nach der neuen Rechtschreibung muß nun alles auseinandergeschrieben werden?
Alles nicht, lieber Schamane, z. B. eben auch dieses "großschreiben" nicht. In alter Rechtschreibung gilt die Getrenntschreibung, die Zusammenschreibung hingegen nur bei der übertragenen Bedeutung: "Meinungsfreiheit wird hier im Forum großgeschrieben."

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#9

RE: Etwas zur Ablenkung und Aufmunterung

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 17.03.2007 11:18
von Ute E. • 110 Beiträge

In Antwort auf:
Denn mir Schwyzer kännet keini Regle zum Rede und Schriibe. Mir sind zügellos. Mir redet und schriibet ganz eifach so, wies üs passt, das heisst: so, wie mir wönd, um enand z’verstah. Und mir säget, was mir wönd, öps öüm passt oder nöd, damit mer öüm nur richtig verschtaht. Grad usegseit: Mir liebet üsri Muetersprach vo ganzem Härze. Mir sind Demokrate, b’haftet mit allne mögliche Verrucktheite.

Habe alles verstanden, lieber Fritz-Franz, auch ohne die freundliche Verdolmetschung; hätte ich das alles aber nur gesprochen gehört und nicht lesen können, wär' ich mir dessen nicht so sicher gewesen.
Bei all den positiven Eigenschaften der Schweizer (Wertschätzung der Muttersprache, der Demokratie ...) verstehe ich allerdings um so weniger, daß die Schweizer sich die Rechtschreibreform mit ihren ganzen Unausgegorenheiten und Widersprüchen so einfach haben von den Deutschen überstülpen lassen. Immerhin kommen nach wie vor ernsthafte und kritische Einwände gerade aus Ihrem Lande.

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#10

RE: Groß- und Kleinschreibung.

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 19.03.2007 11:53
von "Rechercheur"

Einem Rechercheur ist nichts zu schwör. Einfach fragen!

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#11

RE: Etwas zur Ablenkung und Aufmunterung

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 18.04.2007 20:43
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

Zitat von Ute E.
In Antwort auf:
Denn mir Schwyzer kännet keini Regle zum Rede und Schriibe. Mir sind zügellos. Mir redet und schriibet ganz eifach so, wies üs passt, das heisst: so, wie mir wönd, um enand z’verstah. Und mir säget, was mir wönd, öps öüm passt oder nöd, damit mer öüm nur richtig verschtaht. Grad usegseit: Mir liebet üsri Muetersprach vo ganzem Härze. Mir sind Demokrate, b’haftet mit allne mögliche Verrucktheite.

Habe alles verstanden, lieber Fritz-Franz, auch ohne die freundliche Verdolmetschung; hätte ich das alles aber nur gesprochen gehört und nicht lesen können, wär' ich mir dessen nicht so sicher gewesen.
Bei all den positiven Eigenschaften der Schweizer (Wertschätzung der Muttersprache, der Demokratie ...) verstehe ich allerdings um so weniger, daß die Schweizer sich die Rechtschreibreform mit ihren ganzen Unausgegorenheiten und Widersprüchen so einfach haben von den Deutschen überstülpen lassen. Immerhin kommen nach wie vor ernsthafte und kritische Einwände gerade aus Ihrem Lande.


Naja, die Schweizer haben eigentlich mehr als die deutsche Rechtschreibreform. Sie haben das "ß" völlig abgeschafft. Und um ein Haar hätten wir uns vergangenes Jahr mit einer "Fussballweltmeisterschaft" beschäftigen müssen. Warum das endgültig nicht so umgesetzt worden ist, weiß ich nicht.

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#12

RE: Etwas zur Ablenkung und Aufmunterung

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 18.04.2007 23:16
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Das wäre zumindest konsequenter und für die Schüler einfacher gewesen als das jetzige Chaos mit ß, ss, langem und kurzen Vokal usw. Hier wurde nichts vereinfacht. Es wurden nur sinnlos die Regeln verschoben.

Da hätte man durchaus über den Bodensee reiten sollen, nach Süden.


---
In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
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