#1

Wo ist Michael Rudolf?

in Hilfe und Anmerkungen zum Forum 03.06.2007 18:35
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte
Die „ganze Welt“ sucht derzeit nach einem Mädchen namens „Maddie“ – und sie findet es nicht. Das ist sehr, sehr traurig. – Ich (und nicht nur ich) suche nach meinem Gesinnungsfreund Michael Rudolf. Es scheint, als ob ihn der Erdboden verschluckt hätte. Wer weiß was?

Michael Rudolf

Dankbar für jeden Hinweis verbleibe ich Euer

Fritz-Franz

Bitte an den Betreiber dieses Forums: Möge er meine oben gestellte Frage nicht als Mißbrauch seines Forums werten.
zuletzt bearbeitet 03.06.2007 19:58 | nach oben springen

#2

Zielgruppensex

in Hilfe und Anmerkungen zum Forum 03.06.2007 22:06
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Dir zuliebe, Michael, habe ich einen Deiner letzten Texte redigiert, korrigiert und formatiert; d.h. in unserem gemeinsamen Sinne verändert und mit spärlichen Kommentaren versehen.

Zitat von Michael Rudolf
Damit sich nicht grundlegend etwas am „Qualitätsmanagement“ zwischen oben und unten ändere, haben Landesregierungen und Bund unter anderem auch Zeitschriften erfinden lassen, welche die Aktivitäten eines eventbezogenen journalistischen Nachwuchses bündeln und ihn nebenher kräftig üben lassen, wie man den Würgereiz der alltäglichen Erniedrigung zur hippen Trendsportart hochjuchtelt. Mittlerweile decken unter anderem fluter, spiesser, yaez, Infakt, JUSTmag, shekker so ziemlich das ganze Bundesgebiet inklusive Internet ab.

In diesen Regierungsfanzines lernt die Community allmonatlich, Sozialdarwinismus [welch ein Wort!] in schicke neue Rechtschreibung zu übersetzen. Als Gruppenziel mag ihr eine lebenslängliche Praktikantenkarriere in der schmierigen Gelecktheit von, sagen wir, Kulturradio-Moderatoren vorschweben, die mittlerweile fast überall als kritisches Bewußtsein durchgeht. Oberste Regel: Nur von dem faseln, was allen anderen eh schon zum Hals heraushängt. Mit dem Mut von mindestens zehn kleinstädtischen Werbeagenturen pinseln die Niedriglohnschreiber tapfer das herbei, was irgendeine jüngste Shell-Studie als „Visionen“ der „Jugend“ verklärt: nämlich zu 88 Prozent „toll aussehen“ und zu 82 Prozent „Karriere“.

„Die Leseransprache soll zielgruppengerecht, aber nicht anbiedernd sein … Junge Autoren und Mitarbeiter sorgen für Authentizität und Zielgruppennähe“, befindet yaez. Und zwar mit „flotten Texten, frischen Fotos und leckeren Anzeigenhäppchen“, ergänzt spiesser. Andersrum wird ein Heft draus: Erst Anzeige, dann die Zwischenräume voll machen! […] Mit hochaktuellen Top-Themen wie „Fußball – nur noch ein Geschäft?“ und „Döner – die türkische Antwort auf den Hamburger“. Im Online-Streichelzoo des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung namens shekker. das jugendmagazin! kann es mitunter richtig zur Sache gehen: „Zunächst geht es jedoch um die Frage: Welche Identität haben Jugendliche in Deutschland? Julia Schimpf und Erdal Sezer finden Antworten darauf. Wichtig ist am Ende das Lebensgefühl: Jung in Deutschland zu sein!“

Zu Wort kommen vor allem jene, die niemals was zu sagen haben werden und das auch nicht ausdrücken können: „JUSTmag bedient sich mit heilendem Selbstvertrauen bei Harald Schmidt, Benjamin von Stuckrad-Barre & Co.“ Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, meint für seinen fluter: „Politische Themen werden dabei vorzugsweise in einen alltäglich erlebbaren, gesellschaftlichen Kontext gestellt. Fluter kann von seiner Zielgruppe teilweise selbst mitgestaltet werden … Wir machen vieles im Bereich Guerilla-Marketing. Beispielsweise legen wir Postkarten aus, arbeiten mit Medienpartnerschaften und sind bei kleinen Events von Partnern präsent.“ Erlebbar, Events, Guerilla-Marketing, gesellschaftlicher Kontext, präsent sein: brav, Krüger, sitz!

Ob das Humankapital [Menschenmaterial – Einfügung von mir, F-F] beim steuermittelfinanzierten Zielgruppensex Schmuckwarze und Arschgeweih trägt oder schon mit integriertem Fotohandy auf die Welt kommt, hat sich ästhetisch als durchaus nebensächlich erwiesen. Der Übergang von der Ziel- zur Therapiegruppe ist ohnehin fließend.


Hier!

Wo auch immer Du bist, Michael, Du wirst von vielen vermißt.

Obschon losgerissen von Dir, grüße ich Dich

als Dein Dir immer verbundener Fritz-Franz

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#3

RE: Zielgruppensex

in Hilfe und Anmerkungen zum Forum 31.10.2007 20:34
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Nachtrag mit großer Verspätung (hatte diese Anfrage hier ganz vergessen).

Michael Rudolf, geboren 1961, ist freier Autor für Zeitungen, Zeitschriften und den Rundfunk. Zahlreiche Buchveröffentlichungen. Zuletzt u. a. „Morgenbillich“ (Münster 2003), „Der Pilsener Urknall“ (Leipzig 2004), „Die hundert besten Biere der Welt“ (Münster 2006) und „Stadt, Land, Russ’“ (Münster 2007; mit Kay Sokolowsky und F. W. Bernstein). Nahm sich 2007 das Leben.

Edition Tiamat

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