#1

Zum Abschied

in F r e i s t i l 27.06.2007 17:57
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
An die Freunde der deutschen Sprache

Die Rechtschreibreform bewegte mich, mein Wort in Foren, wie in diesem hier, zu äußern. Was mußte ich deswegen nicht alles ertragen in den letzten zehn Jahren! Verleumdung, Rufmord und Verachtung. Nun gut. Zivilcourage ist nicht jedermanns Sache. Hinterhältigkeit und Feigheit sind heutzutage die am meisten ausgeübten Tugenden.

Der von mir hochverehrte Professor Dr. Theodor Ickler hat unlängst – wohl ohne es selbst zu bemerken – ein Schlußwort geschrieben, ein Schlußwort über jene unsägliche Sache, der jegliche Verachtung nicht minder gebührt als ihren Betreibern: ein Schlußwort über die ganz und gar verdammungswürdige deutsche Rechtschreibreform.

In Anbetracht der Kürze des menschlichen Lebens ist ein Jahrzehnt des aufrechten Kampfes gegen Dummheit, Niederträchtigkeit und Falschheit nicht nichts.

Diese Zeilen habe ich geschrieben zum Lob und Angedenken eines der größten Sprachkenners und Sprachkünstlers unserer Tage, im Gefühl, einen Verstorbenen zu betrauern, wohlwissend, daß er noch lebt, und daher glücklich. Ich werde mich künftig dem Metier zuwenden, welches ich zu beherrschen meine: der Photographie.

Ich grüße Euch alle herzlich

Euer Fritz-Franz

Angefügte Bilder:
Aufgrund eingeschränkter Benutzerrechte werden nur die Namen der Dateianhänge angezeigt Jetzt anmelden!
 Silbergraue Katze.jpg 
zuletzt bearbeitet 27.06.2007 18:38 | nach oben springen

#2

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 27.06.2007 19:26
von Andrew • 162 Beiträge

Fritz-Franz, du willst das Forum verlassen und dich nicht mehr mit dem Thema Sprache beschäftigen?

Das fände ich schade. Ich sehe keinen Grund für die RSR, aber die ist nun da und wichtiger, Sprache ist ein interessantes Thema und es gibt auch andere Aspekte, über die man diskutieren kann neben der RSR und Anglizismen. Ich kenne Professor Ickler nicht, kann aber verstehen, dass ein langer Kampf ohne Erfolg frustrierend ist, fände es aber gut, wenn du dich als einer der viel darüber weiß immernoch für Sprache interessieren würdest.


nach oben springen

#3

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 27.06.2007 20:11
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Lieber Andrew!

Es ist erstrebenswert, das kennenzulernen, was Professor Ickler gegen die Rechtschreibreform schrieb. Hinweise darauf findet einjeder im Internet, der zu suchen weiß.

Dein Fritz-Franz

nach oben springen

#4

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 27.06.2007 20:44
von Andrew • 162 Beiträge

Danke Fritz-Franz, ich werde mich informieren, aus zeittechnischen Gründen wahrscheinlich erst am Wochenende. Aber trotzdem wäre es schade, wenn du dich nicht mehr mit Sprache beschäftigst.

Grüße,
Andrew.

nach oben springen

#5

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 27.06.2007 20:56
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
nach oben springen

#6

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 27.06.2007 21:55
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Ja, geliebter Schamane, um jenes geht es; d.h. um das, was ich schon seit Jahren befürchtete: das Überhandnehmen der Niederträchtigkeit. Erst heute spricht Theodor Ickler von Feigheit. Doch lese bitte dieses.

Dies wird nun möglicherweise der längste Abschied meines Lebens.

Dein Dir innigst verbundener Fritz-Franz

nach oben springen

#7

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 27.06.2007 22:12
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Lieber Fritz-Franz, ich vermag dem Ganzen leider nicht zu folgen. Was hat die Professorenschaft in- oder exclusive Ickler an Furchtbarem verbrochen?

nach oben springen

#8

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 27.06.2007 22:35
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Das dachte ich mir, lieber Schamane. Ich muß von null an beginnen. Die vielen Professoren – was haben sie bisher getan? Nichts und wieder nichts. Schweigen und Verschweigen lautete ihr Motto. Bis dato.

Dein Fritz-Franz

nach oben springen

#9

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 27.06.2007 22:41
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Nee, schon klar. Die germanistische Professorenschaft hat die RSR mitgetragen bzw. nicht verhindert.
Und?

Wir sind das Volk.

Wir schreiben alt, Professoren hin, Kultusminister her.
Das ist unsere Entscheidung.

Kein Grund, die Brocken zu schmeißen!
zuletzt bearbeitet 27.06.2007 22:45 | nach oben springen

#10

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 28.06.2007 20:25
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

Das stimmt. Es gibt weiß Gott Schlimmeres als die RSR. Jeder darf und durfte schon immer schreiben, wie er will, außer in der Schule.
Auch wenn es ärgerlich ist, daß die Debatte mit diesem Ergebnis beendet wird, gibt es viele reformunabhängige Fehler in der Medien- und Produktwelt, die unbekämpft scheinen: Kompositafehler.

"7 Kräuter Essig", "Berufs-Schule", etc.

Und dabei ist die Regel, wann man einen Bindestrich bei Substantiven setzt so einfach und eine große Lesehilfe für der richtigen Betonung des Kompositums.



Contravaniloquentiam in foro obscuro a. d. XV. Kalendas Maias mortuus est.
nach oben springen

#11

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 28.06.2007 21:33
von AndyOSW • 631 Beiträge
Lieber Fritz-Franz!

Aufgeben gilt nicht - dazu haben wir hier schon zu viel erreicht! Wenn ein paar Professoren ignorant sind, verdienen sie auch nur Ignoranz.

Ich habe mal zwei kluge Leute befragt, sie antworteten mir im Geiste:

Erst wenn du aufgegeben hast, bist du besiegt. Ex-Königin Juliana der Niederlande

Nur die Sache ist verloren, die man selbst aufgibt. Gotthold Ephraim Lessing

Beste Grüße auch an die Silberkatze von meiner Liese :-)
zuletzt bearbeitet 28.06.2007 21:34 | nach oben springen

#12

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 28.06.2007 21:44
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Das meine ich auch. Sicher kann man sich über die indifferente Haltung der geballten Germanistenschaft zur RSR zu Recht ärgern. Ich hätte mir auch gewünscht, daß es von kompetenter Seite mehr intellektuellen und publizistischen Widerstand gegen das unsägliche Flickwerk RSR gegeben hätte. Es war nicht so, von Th. Ickler mit und ohne Liste einmal abgesehen. Das quittiere ich mit Mißfallen und Enttäuschung, aber nicht mit Aufgeben. Der Fall ist noch lange nicht erledigt. Es wird noch viel Wasser den Fluß hinunterfließen über diese RSR, die vom Sprachvolk abgelehnt wird. Das Sprachvolk, also wir, wird hierzu durchaus noch das eine oder andere Wort zu sprechen bzw. schreiben haben, und in zehn, zwanzig Jahren mag sich die Lage sehr verändern. Das Pendel kann durchaus noch umschwingen.

Darauf hinzuwirken, durch konsequentes Benutzen der alten RS und durch konstante und konsequente Kritik an dem halbgebackenen Neuschreib, der uns da aufgedonnert werden soll, das ist unser aller Aufgabe. Der Kampf ist noch lange nicht verloren! Wir brauchen jeden "altschreibenden" Mann, und ganz besonders brauchen wir Dich, Fritz-Franz!

Ihr Schamane

PS: Bild vom Kater kommt.

PPS: Im Eifer des Gefechts habe ich Fritz-Franz gesiezt. Entschuldigung!
zuletzt bearbeitet 30.06.2007 22:17 | nach oben springen

#13

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 28.06.2007 21:56
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Hier isser (der Kater):

Chumley, 10 Jahre alt, vermittelt durch die Norfolk Cat Rescue.
Treu wie Gold, anhänglich, verschmust und sehr sangesfreudig.
Angefügte Bilder:
Aufgrund eingeschränkter Benutzerrechte werden nur die Namen der Dateianhänge angezeigt Jetzt anmelden!
 30062006.jpg 
zuletzt bearbeitet 30.06.2007 22:17 | nach oben springen

#14

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 02.07.2007 15:35
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Freunde, ich danke Euch für die Katzenbilder! Ihr wißt ja, ich bin nicht nur ein Katzennarr, sondern ein Narr in jeder Hinsicht. Denn ich lasse mich, wie Millionen deutsche Bücher- und Zeitungsleser, Tag für Tag zum Narren halten. Ich hoffe, Ihr habt das wohl verstanden und, wenn ja, auch wohlverstanden.

B. Eversberg schreibt: „Gegen die verbreitete Annahme, jeder müsse reformiert schreiben, muß etwas getan werden. Das Absurde der Situation ist überhaupt nicht ins öffentliche Bewußtsein gedrungen: sie bedeutet ja nichts anderes als ‚Non vitae sed scholae‘¹. Es hätte direkt nach dem Urteil in Karlsruhe einen Aufschrei der Lehrer- und Elternschaft geben müssen.“

Hätte – hatte es aber nicht. Leider. Denn Duckmäusertum und Kriecherei, Obrigkeitsgläubigkeit und Gesinnungslumperei heißen die Eigenschaften der Mehrheit. Diese Eigenschaften der sich unbedacht willig Fügenden erspart den Verfügenden die Mühe, sie sich gefügig zu machen. Die Regierenden hinken darum sogar hinter dem vorauseilenden Gehorsam der Regierten her.

Zur Geschichte der RSR:

Zitat von Deutschland kehrt zurück
„Die sogenannte Rechtschreibreform²“

Dieses Buch ist ein Standardwerk zur Rechtschreibreform. Zu einem Zeitpunkt, als noch kaum jemandem Details bekannt waren, beweist Professor Ickler sein tiefes Verständnis der Reform und ihrer Auswirkungen auf die deutsche Sprache. Wer in der Sache mitreden will, muß dieses Buch gelesen haben. (857,9 KB)

Wir danken Herrn Ickler und seinem Verlag für die Erlaubnis, den vollständigen Text seines Buches an dieser Stelle veröffentlichen zu dürfen.


Euer Fritz-Franz

¹ CVL: Bitte übersetze mir das, damit dieser Satz auch in mein Bewußtsein dringen kann.
² Wäre für unsere Nachkommen zu speichern, wie überhaupt alles dortige.
zuletzt bearbeitet 02.07.2007 16:38 | nach oben springen

#15

RE: Zum Abschied

in F r e i s t i l 02.07.2007 18:13
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Zitat von Karin Pfeiffer-Stolz
Die Interpretationshoheit für Begriffe liegt bei den Mächtigen. Der Rat und seine Auftraggeber definieren, was unter „Usus“ zu verstehen sei. Mit der Realität hat das nichts zu tun. Zweckideologische Betrachtungsweisen dominieren.

Dies alles sieht etwas düster aus – aber die Sprache wehrt sich heftig. Sie stellt sich immer irgendwo quer und verspießt sich, und nichts und niemand kann das hindern. Sprache gehört dem Volk, und alle Versuche, sie diesem zu stehlen, werden auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt sein. Irgendwann verlieren die Mächten die Freude an diesem vergeblichen Spiel.

Laßt uns optimistisch in die Zukunft blicken! Und in die Schweiz!


Dies wäre ein gar schönes (Schluß)wort zum heutigen Tag, wenn es ganz und gar wahr wäre. „Die Sprache wehrt sich heftig“ – wirklich? Wenn dem nur so wäre! Die Sprecher und Schreiber sollten sich wehren, sich allesamt aufbäumen gegen die einschläfernde Macht der Mächtigen, deren Macht allein auf der Müdigkeit und Ermattung ihrer Ergebenen beruht.

„Die Schweiz“, höre bzw. lese ich – sollte ich deswegen guter Hoffnung sein? Die Schweizer kennen doch nur noch das „S“ und das „s“. Dort, wo im Deutschen ein „ß“ stehen sollte, wie in Millionen und Abermillionen Büchern gedruckt, schreiben sie „ss“. Und vom „ſ“ haben sie kaum noch Kenntnis.

Damit es doch endlich einjeder begreift: Die ganze Typographie ist im Arsch.
zuletzt bearbeitet 02.07.2007 18:15 | nach oben springen


Aktion Deutsche Sprache, Hannover | Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh. | Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt | Deutsch-Netz.de, Lippstadt | Deutsche Sprachwelt, Erlangen | Die Seiten für Rechtschreibung | Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V., Aschaffenburg | Institut für Deutsche Sprache, Mannheim | Neue Fruchtbringende Gesellschaft zu Köthen/Anhalt e.V. | Sprachkreis Deutsch, Bern | Sprachpflege.info, Erlangen | Stiftung Deutsche Sprache e.V., Berlin | Verein Deutsche Sprache e.V., Dortmund | Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V., Schwaig bei Nürnberg | Woxikon | www.wortpatenschaft.de
Besucher
1 Mitglied und 4 Gäste sind Online:
MarcusMed

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: MarcusMed
Forum Statistiken
Das Forum hat 644 Themen und 4743 Beiträge.

Heute war 1 Mitglied Online :
MarcusMed


Xobor Forum Software von Xobor