#1

Geschlechte

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 21.07.2007 16:38
von Andrew • 162 Beiträge | 162 Punkte
Guten Tag. Ich hätte wieder mal einige Fragen.

Mich würde interessieren, warum bestimmte Substantive ein bestimmtes Geschlecht haben, insofern dass das in verschiedenen Fällen bekannt ist oder es weitere Quellen mit Informationen darüber gibt, denn viel darüber habe ich nicht gefunden.

Zum Beispiel, alle Wörter, die auf -ung, -heit und -keit enden, sind weiblich. Warum?

Warum heißt es der Hund und die Katze?
Warum die Sonne und der Mond und auf Französisch umgekehrt?

Warum sind "der Haus" oder "die Haus" falsch? Eher, als es das Wort Haus in der modernen Form, oder einer der modernen Form ähnlichen Form, erstmal gab, kam es irgendwie dazu, dass es das Haus heißt. Die Gründe für sowas würden mich interessieren.

Warum haben verschiedene Flüsse verschiedene Geschlechte? Auch eine Frage aus diesem "Sprachbereich".

Ich hoffe, ihr versteht, wie ich das meine. Es geht um die historischen Entwicklungen, die zu den Geschlechten der Substantive geführt haben, die heutzutage im Hochdeutschen richtig sind.
zuletzt bearbeitet 21.07.2007 16:40 | nach oben springen

#2

Geschlechter

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 22.07.2007 15:05
von Ute E. • 110 Beiträge | 110 Punkte

Lieber Andrew,

einige Antworten auf Deine diesbezüglichen Fragen hast Du ja schon im "Klartext"-Forum des VDS erhalten. Auf Deine Frage nach den Geschlechtern von Flüssen ("Warum haben verschiedene Flüsse verschiedene Geschlechte?") antwortete Dir dort ein Teilnahmer: "Flüsse sind regelmäßig weiblich, als grammatisch maskuliner Fluß fällt mir nur der Rhein ein, interessanterweise ist er auch im Französischen männlich." Diese Antwort wundert mich sehr, und ich hätte mich auch gerne dort zu Wort gemeldet, aber leider bin ich dort gesperrt worden, seit ich hier mitschreibe.

Schau Dir mal die Liste der längsten Flüsse der Erde an (Amazonas, Nil, Jangtse, Mississippi, Jenissei, Ob, Amur, Kongo, Mekong ...): da mußt Du schon lange suchen, bis Du mal einen Fluß weiblichen Geschlechts (Lena, Donau,...) findest. Bei den deutschen Flüssen ist allerdings das Verhältnis eher umgekehrt, da gehören die männlichen (Rhein, Main, Neckar) wohl klar zur Minderheit.

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#3

RE: Geschlechter

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 22.07.2007 17:01
von Andrew • 162 Beiträge | 162 Punkte

Danke Ute. Ja, hier kann man über die RSR und andere Themen diskutieren, ohne dass Beiträge gelöscht werden oder dass man gesperrt wird. Schade, dass der VDS in seinem Forum so handelt.

Also doch "der Thames" zum Beispiel?

Interessant wäre aber, warum ein Fluß das Geschlecht hat, das er/sie hat. Und warum die nicht alle ohne weiteres männlich sind weil es "der Fluß" heißt.

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#4

Von Geschlechtern und Schlechtigkeiten

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 22.07.2007 19:04
von Ute E. • 110 Beiträge | 110 Punkte

In Antwort auf:
Ja, hier kann man über die RSR und andere Themen diskutieren, ohne dass Beiträge gelöscht werden oder dass man gesperrt wird.
Das sollte eigentlich für jedes Sprachforum eine Selbstverständlichkeit sein. Um die RSR ging's aber in meinem Fall mit Sicherheit nicht. Ich nehme an, daß der Grund darin lag, daß ich das Thema Datensicherheit angeschnitten habe - und danach sogar noch nachgehakt habe. Außerdem habe ich bei verschwundenen Beiträgen, Zensierungen und Falschdarstellungen öfters mal nachgehakt - und das scheint man nicht zu mögen.
In Antwort auf:
Schade, dass der VDS in seinem Forum so handelt.
Es ist ja nicht der VDS, der so handelt. Die meisten im VDS wissen über das Geschehen im "Klartext" überhaupt nichts, sie bekommen davon nichts mit. Auch ist das Thema RSR im VDS überhaupt nicht tabu, wie man meinen könnte, wenn man den "Klartext" liest. In der VDS-Vereinszeitung "sprachnachrichten" ist schon oft darüber geschrieben und diskutiert worden, und dort ist auch die Entscheidung für den ausschließlichen Gebrauch der alten RS unmißverständlich begründet worden.
In Antwort auf:
Also doch "der Thames" zum Beispiel?
Nein, das wäre ohnehin nicht deutsch. Richtig ist nur: die Themse.
In Antwort auf:
Interessant wäre aber, warum ein Fluß das Geschlecht hat, das er/sie hat.
Das sehe ich auch so, aber mit dieser Ungewißheit müssen auch die deutschen Muttersprachler leben. Bei unserem Rhein könnte ich mir nichts anderes vorstellen als das männliche Geschlecht, denn man spricht (und singt!) eigentlich nur vom "Vater Rhein". Und daß der männlich ist, braucht man nicht weiter zu erklären.

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#5

RE: Von Geschlechtern und Schlechtigkeiten

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 22.07.2007 21:31
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge | 1013 Punkte

Andrew,

Ich fürchte, Du suchst nach einer Logik, wo gar keine existiert. Zwar lassen sich mitunter einige Artikel etymologisch auf auf das Geschlecht von Herkunftswörtern zurückführen, Beispiel "der Rhein", von lat. "Rhenus, m". Das geht aber schon bei der Donau wieder schief, denn die war für die Römer auch maskulin, "Danubius".

Du mußt einfach akzeptieren, daß die deutschen Artikel einer ähnlichen Willkür folgen wie die englische Rechtschreibung. :-) Die muß man auswendig lernen, es führt leider kein Weg daran vorbei.

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#6

RE: Von Geschlechtern und Schlechtigkeiten

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 23.07.2007 17:47
von AndyOSW • 631 Beiträge | 631 Punkte
Beim Zwiebelfisch ging es auch schon mal darum, hier das Zitat:

Warum ist der Rhein männlich und die Elbe weiblich?


Von Bastian Sick

Wie kommt es, dass einige Flüsse weiblich sind und andere männlich? Wonach richtet sich das Geschlecht bei den deutschen Flüssen? Und wie sieht es mit den französischen Flüssen aus? Leser stellen Fragen, der Zwiebelfisch gibt Antwort.

Kann nur männlich sein: Der gute alte Vater Rhein
Frage eines Lesers: Unlängst entbrannte in meinem Freundeskreis eine Diskussion über die Geschlechtlichkeit von Flüssen, und ich bügelte etwas vorschnell die Teilnehmer mit profundem Halbwissen ab: große Flüsse seien männlich (der Rhein, der Main, der Mississippi), kleine Flüsse weiblich (die Lahn, die Ruhr, die Mosel).

Vorschnell, wie gesagt, denn alsbald war man bei der Hand mit Donau und Elbe, die nicht gerade als klein bezeichnet werden können, wohl aber weiblichen Geschlechts sind.

Mit den amerikanischen Flüssen hat man es leichter, denn sie sind meistens mit dem männlichen Zusatz Rio oder River versehen, sodass sich die Frage nach dem Geschlecht gar nicht erst stellt. Bei den Franzosen hingegen scheinen alle Flüsse weiblich zu sein: die Seine, die Loire, die Garonne, die Marne, die Rhone. Wie hält es denn nun der Deutsche?

Antwort des Zwiebelfischs: Das Geschlecht von Flüssen lässt sich leider nicht nach Regeln bestimmen. Jeder Flussname hat seine eigene Geschichte, und deren Ursprung liegt meistens im Nebel frühester Zeiten verborgen und ist oft nur mühsam zu rekonstruieren. Unsere deutschen Flüsse haben ihre Namen von den Germanen, den Slawen und den Römern erhalten. Manche Namen sind auch keltischen oder griechischen Ursprungs. Eines haben sie (fast) alle gemein: Ob sie nun Alster, Aller, Iller, Inn, Werra, Naab, Main oder Leine heißen - der Name geht meistens auf ein altes Wort für Fluss, Sumpf, Bach oder Au zurück.

Jeder denkt entzückt dasselbe: Oh wie schön ist Mutter Elbe!
So geht der Rhein auf das altgermanische Wort reinos zurück, welches "großer Fluss" bedeutet. Die Endung -os zeigt an, dass der Rhein schon bei den alten Germanen männlichen Geschlechts war. Die Elbe hat ihren Ursprung im lateinischen Wort albia, das weiblich ist und für "helles Wasser" steht.

Die Donau ist sprachlich verwandt mit dem russischen Don, beide Namen gehen auf das indogermanische Wort danu zurück, das "fließendes Gewässer" bedeutet. Bei den Römern war die Donau noch männlich (Danuvius), bei den Germanen wurde sie durch Verschmelzung mit der Endung -owe, -ouwe (Aue, Fluss) weiblich. Maas und Mosel waren bereits im Lateinischen weiblich (Mosa und Mosella) und blieben es auch im Deutschen. Der Neckar wurde vermutlich aufgrund seines stürmischen Laufs als männlich empfunden, der Name geht zurück auf das ureuropäische Wort "nik", das "losstürmen" bedeutet. Jedenfalls hatte man ihm bereits in vorchristlichen Zeiten die männliche Endsilbe "-ros" verpasst: Nikros wurde über Nicarus und Neccarus zu Necker und schließlich Neckar.

Die französischen Flüsse sind übrigens keineswegs alle weiblich, weder im Deutschen noch im Französischen. Die Rhone zum Beispiel heißt auf Französisch "le Rhône". Und unser "Vater Rhein", der ja streckenweise auch ein französischer Fluss ist, ist auch im Französischen männlichen Geschlechts: le Rhin.

Wer auf einen ihm unbekannten deutschen Flussnamen stößt und folglich nicht weiß, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Namen handelt, der wird sich vermutlich für den weiblichen Artikel entscheiden. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er damit richtig liegt. Denn es gibt erheblich mehr weibliche als männliche Flüsse in Deutschland. Von 72 deutschen Flüssen mit einer Länge von mehr als hundert Kilometern* sind lediglich acht männlich, nämlich der Rhein, der Main, der Inn, der Neckar, der Lech, der Kocher, der Regen und der Rhin.

*Angaben nach Wikipedia
zuletzt bearbeitet 23.07.2007 17:48 | nach oben springen

#7

RE: Geschlechte

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 24.07.2007 20:55
von Andrew • 162 Beiträge | 162 Punkte

Ute,

das wäre dann ein Fall für die Amtsinhaber des VDS, also dass die den Moderatoren mitteilen, dass man auch das Thema RSR diskutieren dürfte. Das ist eigentlich wieder ein anderes Thema, ich persönlich finde aber, dass die RSR ein wichtiges Thema für die deutsche Sprache ist.

Schamane,

ja, ich werde das Geschlecht eines Flusses durch den Namen nicht wissen, außer vielleicht wenn der Name auch ein Menschenname ist.
Wenn es allgemein um das Geschlecht eines Substantives geht, die wenigen Regeln und "Hinweise" kenne ich weitgehend. Soweit ich mich erinnere gibt es zum Beispiel kein Wort, das auf -nis endet und männlich ist. Die sind oft sachlich, vor allem wenn die Sammelbegriffe sind, die mit Ge- anfangen, aber dafür sind auch viele weiblich. Nur männlich sollte man da nicht raten.

Mich interessiert eher, falls Informationen eben überhaupt (noch) bekannt sind, wie es dazu kam.

Wenn man über Hunde redet, sagt man in der Regel erstmal "der Hund" obwohl es das Wort "die Hündin" gibt.
Aber wenn man über Katzen redet, sagt man in der Regel erstmal "die Katze" obwohl es das Wort "der Kater" gibt.
Das ist nur ein Beispiel, aber so in etwa meine ich es. Andererseits, ja, auch sowas ist sicher sehr oft "einfach so" ;)


Danke für den Artikel AndyOSW, das erklärt vieles, was mit Flüssen zu tun hat.

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