#1

Aktion "Lebendiges Deutsch"

in Aktivitäten zur Sprachpflege 05.09.2007 18:50
von AndyOSW • 631 Beiträge

Jetzt ist es raus:

Ein „Blockbuster“ ist ein „Straßenfeger“. Unter den 655 Vorschlägen für das Suchwort des Monats August wurde dieser am häufigsten genannt. Gut gefielen der Jury auch „Kassenschlager“ und „Knüller“. (Quelle Aktion "Lebendiges Deutsch").

Natürlich hat uns die Medienindustrie (Kino, Fernsehen, DVD-Verleih) immer wieder mit "Blockbustern" versorgt. Aber normal gebildete Deutsche sollten doch eigentlich wissen, dass dieser Begriff einen "Straßenfeger" bezeichnet. Außer natürlich die Kollegen der Aktion "Lebendiges Deutsch" - die stellen sich erst einmal dumm und suchen in ihrem Aktionismus einen Ersatz dafür, der eigentlich schon da ist. Wieder einmal eine Chance vertan, ein deutsches Wort für ein Fremdwort zu kreieren.

Aber ich will nicht ungerecht sein. Immerhin hat uns die "Aktion" den deutschen Begriff "Straßenfeger" wieder in Erinnerung gebracht, nun muss er nur noch verwendet werden. Sonst sehe ich in Sat.1 wieder nur "Blockbuster" (wenn ich einen Fernseher hätte).

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#2

RE: Aktion "Lebendiges Deutsch"

in Aktivitäten zur Sprachpflege 05.09.2007 22:24
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Einmal abgesehen davon, daß es sich beim "Blockbuster" um einen weiteren komplett überflüssigen Anglizismus handelt, stören mich an der Verwendung dieses Begriffes auch die folgenden Punkte:

a) Oftmals produziert die amerikanische Filmindustrie ihre Streifen unter extrem hohen Kosten bis zu dreistelligen Millionenbeträgen, die dann wieder hereingeholt werden müssen. Zur Abfederung und Minimierung dieses beträchtlichen wirtschaftlichen Risikos wird dann noch lange vor Drehschluß eine gewaltige Marketingmaschine angeworfen, welche den noch zu erscheinenden Film schon im Vorhinein zum "Blockbuster" erklärt und sozusagen als "Blockbuster ex ante" in allen Medien breitwalzt. Dadurch soll eine selbsterfüllende Prophezeiung geschaffen werden: wenn genug potentielle Kinogänger davon ausgehen, daß ein bestimmter Film sich als "Blockbuster" erweisen wird, dann werden auch genug Leute in die Vorstellung laufen und so die "Blockbuster"-Prophezeiung in wirtschaftliche Realität verwandeln. Dies kann aber auch gewaltig nach hinten losgehen wie im Fall von Kevin Costners "Waterworld", der 200 Mio Dollar in den Sand gesetzt hat. Ein Restrisiko bleibt immer. Und dann wird es peinlich.

b) Deutsche Fernsehsender haben den Hang, ihrem in der Regel nicht überkritischen Publikum auch die peinlichsten Schinken ihrer Spielfilmprogramme als "Blockbuster" anzukündigen, selbst dann, wenn der so beworbene Spielfilm an den Kinokassen ein Mißerfolg war oder es seinerzeit nicht einmal auf die Leinwand geschafft hat und stattdessen direkt in die Video- bzw DVD-Vermarktung ging. (Ich konnte mir den "Flop" so gerade eben noch verkneifen.) Man kann schließlich kaum öffentlich eingestehen, daß man auch die zweit- und drittklassigen Filme aus den für teures Geld teils noch von Leo Kirch erworbenen Paketen irgendwann auch verwerten muß. Hier in die Blockbuster-Trompete zu tuten ist meiner Ansicht nach ein ziemlich erbärmlicher Versuch, ein paar Quotenpunkte herauszuquälen.

Also: nicht alles, was man uns als "Blockbuster" anzudrehen versucht, wird auch einer oder ist jemals einmal einer gewesen. Der Begriff ist auch mittlerweile durch inflationäre Verwendung so abgenutzt, daß er seine Zugkraft verliert. Und das ist dann auch nur eine weitere, typische, sich ewig wiederholende Erscheinung der gesamten Bewußtseinsindustrie.
zuletzt bearbeitet 05.09.2007 22:48 | nach oben springen

#3

RE: Aktion "Lebendiges Deutsch"

in Aktivitäten zur Sprachpflege 06.09.2007 19:27
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Ein „Blockbuster“ ist also ein Straßenfeger, oder wird für einen solchen gehalten, von wem auch immer. Aber davon abgesehen: Wer wirft die Abfälle auf die Straße? Und hoppla! – schon sind wir stolpernd beim „Littering“ angekommen, d.h. bei der Literatur.

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