#16

RE: Wahrnehmung – oder Lug und Trug?

in F r e i s t i l 14.10.2007 21:28
von Andrew • 162 Beiträge | 162 Punkte

In Antwort auf:
Als von Geburt an Englischsprechender bleibst Du oft an Zeilen kleben, welche in deutscher Sprache verfaßt worden sind. Dies ist nicht schlimm; denn solange Du dazu bereit bist, den Sinn oder Unsinn von Texten zu aufzuspüren, bist Du auf dem geraden Weg zum Verständnis.


Da hast du Recht, und um den Sinn oder Unsinn eines eher komplizierten und mir nicht bekannten Textes zu verstehen, muss ich manchmal an die Regeln der Sprache denken oder einen Satz grammatikalisch analysieren und dadurch länger als ein Mutterasprachler darüber nachdenken, um die Bedeutung der Sprache zu verstehen.

"Ich wusste, dass ist das Böse" ist nicht "falsch genug", dass ich den Ausdruck nicht oder falsch verstehe, aber der Fehler fällt mir auf. Mir fällt auch auf, dass "Ich wusste, dass das das Böse ist" meines Wissens besseres Hochdeutsch wäre. Oder vielleicht doch nicht, denn da haben wir aufeinenaderfolgend "dass/daß" und zwei Mal "das". Normalerweise wäre diese Form aber m.W. eher besser/gehobener, wenn es nicht um Umgangssprache geht, und in diesem spezifischen Fall, ja, wäre ich Muttersprachler, dann würde ich das Bescheid wissen. Andererseits, das ist ein Zitat, der Ausdruck soll in den Medien zwar richtig geschrieben werden, da stimme ich dir völlig zu, aber meiner Meinung nach nicht geändert werden, sondern, wenn nicht verständlich, dann erklärt werden.

Das Forum der Kieler Nachrichten wurde aber sicher nicht wegen deines Beitrags geschlossen? Gab es einen offiziellen Grund, oder war das Forum eines Tages einfach weg?

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#17

RE: Wahrnehmung – oder Lug und Trug?

in F r e i s t i l 15.10.2007 17:19
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Lieber Andrew!

Vorab schreibe ich Dir folgendes, um Dir meine Wertschätzung mitzuteilen: Dein Deutsch ist besser als dasjenige eines jeden Spiegel-Online-Schreiberlings. Zudem teile ich Dir zur Erinnerung mit, daß auch ich Deutsch als Fremdsprache spreche, denn Schwiizerdütsch ist meine Muttersprache. Ich verdolmetsche also während des Schreibens fortwährend meine Gedanken vom Schwiizerdütschen ins Deutsche. Hierzu eine kurze Anmerkung: Schwiizerdütsch (oder Schweizerdütsch) ist nicht zu verwechseln mit Schwyzerdütsch, dem Dialekt des Kantons Schwyz, am Fuße dessen Berge ich aufgewachsen bin.

Zum Forum der Kieler Nachrichten: Ein sogenannter „Hansani“ stellte an Sigmar Salzburg „Nur mal eine kleine Zwischenfrage“: „Liest eigentlich noch jemand deine Beiträge? Oder befindest Du dich hier in einem Monolog? Aber es ist doch schön, daß jeder sein Hobby findet“ – wobei er „deine“ klein, „Du“ aber groß schrieb. Daraufhin antwortete ich diesem Hansani:

Ich lese Sigmar Salzburgs Beiträge seit langem mit großer Anteilnahme, als einer, dem die Erhaltung der deutschen Sprache zur Herzensangelegenheit geworden ist. Ich bewundere seinen sprachlichen Sachverstand, welchen er hier humorvoll kundtut. Daß ihm dabei die „Deutsche Presse-Agentur“ als unerschöpfliche Fundgrube offenkundiger orthographischer Schnitzer zur Verfügung steht, gönne ich ihm ohne Neid. Denn die „Deutsche Presse-Agentur“ ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), was zwar nicht alles, aber schon viel besagt. Ihr Name lautet wörtlich und buchstabengetreu: „Deutsche Presse-Agentur GmbH“; ihr abgekürzter Name nicht „DPA“, sondern, in konsequenter Kleinschreibung: „dpa“. Diese meine Entgegnung zitierte Sigmar Salzburg. Von jenem Hansani wurde seither nichts mehr vernommen. Das Forum wurde nach meinem letzten Beitrag, der oben zu lesen steht, wie gesagt, geschlossen.

Dies alles gehört ebenfalls zu dem von mir angesprochenen Thema „Wahrnehmung – oder Lug und Trug.“ Akira Kurosawas Film „Rashomon“ (1950), der von nichts anderem handelt, gilt als mein bestes Lehrstück.

Wieviele Prozesse wurden geführt, an deren Ende ein falsches Urteil stand? Wieviele Gedichte wurden gelobt, die barer Unsinn sind? Wievieler Wörter Sinn wurde vereinnahmt? Wie manches sinnvolle Wort bis zur Sinnlosigkeit uminterpretiert? Wer denkt an all die Ismen, die vor lauter Uminterpretationen ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben und somit zur allgemeinen Verwirrung beitragen? Ich dachte, hier, zur allgemeinen Erheiterung, etwas beizutragen, nicht mehr und nicht weniger.

Gruß von Fritz-Franz

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#18

RE: Wahrnehmung – oder Lug und Trug?

in F r e i s t i l 15.10.2007 20:25
von Andrew • 162 Beiträge | 162 Punkte
Lieber Fritz-Franz,

In Antwort auf:
Dein Deutsch ist besser als dasjenige eines jeden Spiegel-Online-Schreiberlings.


Danke!

Zum Forum der Kieler Nachrichten kann ich leider nicht viel sagen. Auch in dem, was du in deinem letzten Beitrag geschrieben hast, erkenne ich nämlich keinen Grund zur Schließung eines Forums und ich glaube, da müsste ich mehr über dieses Forum wissen. Mir fällt da aber ein, dass dieses Forum einer Firma (dem Herausgeber der Zeitung) gehört. Es geht also um Gewinne der Firma, wie bei allen Firmen. Ich lege viel Wert auf öffentlich-rechtlichen Sendern und informiere mich fast auschließlich durch diese. Andererseits kann es sein, dass es Zensur in einem Forum eines öff.-rechtlichen Senders gibt und natürlich gibt es auch sehr gute Zeitschriften, die im privaten Besitz sind.

In Antwort auf:
...– wobei er „deine“ klein, „Du“ aber groß schrieb.


Soweit ich mich daran erinnere, habe ich "du, ihr, deine" usw. als klein geschrieben gelernt, außer (damlas gemäß der alten rechtschreibung) in einem Brief, in dem man einer Person direkt schreibt, dann heißt es "Du" aber "er" und "sie", was sonst mit "du" übereinstimmt. Aber da bin ich mir nicht mehr sicher, ich bin mir auch nicht ganz sicher, was die neue Rechtschreibung hier verlangt. Gern passe ich mich an, falls meine "du, deine, ihr" usw. als unhöflich rüberkommen oder gemäß den Regeln falsch sind. Wichtig wäre aber, dass die Sache konsequent ist, nicht mal "deine" und dann "Du".

Warum die Abkürzung dpa sein sollte, wäre interessant zu wissen. Nach meinem Verständnis der Regeln der Schriftsprache, müsste es eben DPA schreiben.

In Antwort auf:
Ich dachte, hier, zur allgemeinen Erheiterung, etwas beizutragen, nicht mehr und nicht weniger.


Dafür bin ich auch dankbar, und ich höre hiermit auf, Fragen in diesem Faden zu stellen, dafür kann ich auch einen neuen erstellen. Eigentlich fing es an, weil ich den Zweck des Zitats mit "Verständnis" falsch verstanden habe, und danke, dass ich den Ausdruck inzwischen völlig und richtig verstehe.
zuletzt bearbeitet 15.10.2007 20:27 | nach oben springen

#19

RE: Wahrnehmung – oder Lug und Trug?

in F r e i s t i l 30.10.2007 00:16
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

„Die Kunst der Interpretation“ – diesen Titel nannte ich bereits. Seltsam, daß keiner von den Millionen im Internet Schreibenden sich davon angesprochen fühlt.

Kunstfertigkeit
Kriegskunst

Dies sind nur zwei Wörter, oder nicht?

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#20

RE: Wahrnehmung – oder Lug und Trug?

in F r e i s t i l 30.10.2007 00:59
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge | 1013 Punkte
Zitat von Fritz-Franz
„Die Kunst der Interpretation“ – diesen Titel nannte ich bereits. Seltsam, daß keiner von den Millionen im Internet Schreibenden sich davon angesprochen fühlt.
Kunstfertigkeit
Kriegskunst
Dies sind nur zwei Wörter, oder nicht?


Worauf willst Du damit hinaus, Fritz-Franz?
Daß Können/Kunst/Fertigkeit auch zerstörerisch angewendet werden kann?
Oder Emil Staiger?
zuletzt bearbeitet 30.10.2007 01:03 | nach oben springen

#21

RE: Wahrnehmung – oder Lug und Trug?

in F r e i s t i l 30.10.2007 02:11
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Lieber Schamane!

Emil Staiger war meines Erachtens (hier könnte bereits einer meiner Irrtümer begraben sein) einer der größten Interpreten, die jemals gelebt und geschrieben haben. Seiner Einfühlsamkeit verdanke ich viel. Mein Dank fällt auf sein Grab.

Was mich heute beschäftigt, sind die mannigfaltigen Möglichkeiten des sprachlichen Ausdrucks. Dieser Satz steht so geschrieben. Zum Verständnis von Gedichten ist nicht nur historische Kenntnis vonnöten, sondern auch sprachliche, d.h. etymologische etc. Ich habe das vielbesprochene Wort „Kunst“ genannt, als Beispiel der sprachlichen Verwirrung, welche überall herrscht. Man spricht von „Kunsthandwerk“, „hoher Kunst“ und dergleichen, ohne eine begriffliche Übereinkunft zu erreichen. Ich hätte auch das Wort „Liebe“ nennen können.

Meine Frage war (wenn auch nicht so gestellt), ob solche sprachlichen „Unstimmigkeiten“ dem Lug und Trug nicht Tür und Tor öffnen könnten. Nehmen wir ein anderes Wort, z.B. eines aus dem verworrenen Sprachgebrauch der Politik: sozial.

christlich-sozial
sozialistisch
sozialliberal
nationalsozialistisch
etc.

Wer versteht was darunter? – Oder das Wort „sozial“ in Kombination mit den Wörtern „demokratisch“ und „christlich“? Die ellenlange Liste kannst Du Dir wohl vorstellen.

Mit einem Satz: Wer kann einen Interpreten als Lügner oder Irren entlarven?

Dein Fritz-Franz

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#22

RE: Wahrnehmung – oder Lug und Trug?

in F r e i s t i l 02.11.2007 19:49
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Beispiel einer (Fehl)interpretation.

Firma X stellt das von ihr erfundene, patentierte, bewährte und beliebte Produkt Y her. Nach Ablauf des Patents bietet Firma N dieses Produkt unter dem Namen M günstiger an. Zwei Menschen, A und B, führen folgendes Gespräch:

A: Ich kaufe nur Originalprodukte.
B: Warum?
A: Aus Solidarität zur innovativen Firma X. Ich hasse Nachahmer.
B: Alle Achtung!

Firma X kaufte die Firma N und stellt das Produkt namens Y zusätzlich unter dem Namen M her.

Also: Die Kenntnis der Historia (hier: der Geschichte der Firmen X und N) ist vonnöten, um das zu verstehen, worin man irrt. In diesem Fall schmilzt die „Solidarität“ wie Eis am hellichten Mittag und mit ihr die Achtung vor ihr, jetzt, wo man es weiß.

Anmerkung: Firma N könnte auch eine neugegründete Firma der Firma X sein, zur Erlangung des Monopols.

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#23

RE: Wahrnehmung – oder Lug und Trug?

in F r e i s t i l 08.02.2008 02:27
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Der Interpretationsmöglichkeiten sind viele.

Auf einer Grabtafel steht:

„Er hat gekämpft und verloren.
Seinen Gewinn nahm er mit ins Grab.“

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#24

RE: Wahrnehmung – oder Lug und Trug?

in F r e i s t i l 08.02.2008 03:06
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Da ich jede Woche mindestens einen Haßbrief erhalte, nur weil ich ehemals unter meinem Klarnamen schrieb, was ich zu sagen hatte, führe ich die folgende (von mir kurz kommentierte) Zeile ohne Quellenangabe an. Sie stammt von Rudolf Wassermann und lautet wie folgt:

„… neben dem Rechtsweg auch die Möglichkeiten der Volksgesetzgebung zur Abwehr der Rechtschreibreform zu nutzen …“

Darüber bitte ich alle Menschen angestrengt nachzudenken.

„Wer ist Rudolf Wassermann?“ könnte z.B. eine Frage lauten, und: „Was alles hat er gesagt und geschrieben?“ eine andere. Hat er jemals eine seiner Äußerungen widerrufen?

„… neben dem Rechtsweg auch die Möglichkeiten der Volksgesetzgebung zur Abwehr der Rechtschreibreform zu nutzen …“

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