#1

Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 03.12.2007 20:45
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
„Soundsoviele Touristen besuchten im Jahre 2005 Basel.“ Wer würde sich beim Lesen dieses Satzes aufregen? Die politisch Pseudokorrekten. Sogleich würden sie ausrufend fragen: „Und die Touristinnen – zählen sie nicht?! sind sie nicht auch erwähnenswert?!“ Das nächste Wort, das der Verfasser des Satzes zu hören bekäme, wäre wahrscheinlich ‚Diskriminierung!‘

Ich habe dieses Thema eröffnet, um den Grundstock zu einer Sammlung von Beispielen der politischen Pseudokorrektheit zu legen.

Auf der Internetseite des ‚Standort-Marketings Basel‘ heißt es: „Im Sinne einer übergeordneten Imagewerbung richten sich die Kommunikationsaktivitäten des Standort-Marketing Basel selbstverständlich auch an die Touristinnen und Touristen, für alle anderen touristischen Marketingaktivitäten zeichnet jedoch Basel Tourismus verantwortlich.“

Wer, so vermute ich, von ‚Touristinnen und Touristen‘ spricht, wo seit des Aufkommens des Tourismus mit dem Wort ‚Touristen‘ stets auch ‚Touristinnen‘ gemeint waren, möchte damit wohl seine politische Korrektheit beweisen und Zeugnis seines Differenzierungsvermögens ablegen, welches seinem tief empfundenen politischen Gerechtigkeitssinn entspringt.

Selten geschieht es, daß sich politisch Pseudokorrekte derart offensichtlich selbst widerlegen und sich in den Ruch der Verlogenheit bringen, wie dort manifestiert ist, wo das folgende Zitat im Zusammenhang zu nachzulesen ist: „Ein weiterer Schwerpunkt im Kommunikationsbereich stellt das offizelle Internetportal http://www.basel.ch dar. Diese Internetseite informiert in Deutsch, Englisch und Französisch umfassend über den Lebens- und Wohnort sowie Forschungs- und Wirtschaftsstandort Basel.“ Diese vom Großen Rat jährlich mit 500.000 Franken alimentierten Sauberleute bringen es doch fertig, die italienisch und rätoromanisch sprechenden Schweizer Bürger ungeniert zu diskriminieren.
zuletzt bearbeitet 03.12.2007 23:56 | nach oben springen

#2

RE: Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 03.12.2007 21:23
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Und die italienisch und rätoromanisch sprechenden Bürgerinnen gleich mit.

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#3

RE: Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 03.12.2007 23:49
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Wenn ich Dich nicht hätte,
Guter Schaman –
Jede Wette:
Schlimm wär’ ich dran.

Fritz-Franz
zuletzt bearbeitet 03.12.2007 23:50 | nach oben springen

#4

RE: Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 04.12.2007 00:34
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

SWISSNESS

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#5

RE: Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 04.12.2007 00:43
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Schönes Bild! Vor allem, wenn man das Original gesehen hat.

Ansonsten...

Lieber Fritz-Franz,
Dein Geistesblitz: ganz
hervorragend,
vielsagend.
Voll Witz, voll Glanz.

...au weia, grottige Syntax, vom Rhythmus ganz zu schweigen. Na egal.
zuletzt bearbeitet 04.12.2007 00:52 | nach oben springen

#6

RE: Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 04.12.2007 01:32
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Obschon einander ferne
Und also nicht intim
Tun wir doch Gutes gerne
Anonym im Team.
zuletzt bearbeitet 04.12.2007 01:37 | nach oben springen

#7

RE: Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 04.12.2007 19:35
von Andrew • 162 Beiträge
Ich stimme dir beim "-innen"-Thema zu, habe aber mal meine Meinung und meine Fragen darüber im Forum geschrieben und sehe hier deshalb davon ab. Wie ich an anderer Stelle auch gesagt habe, es stimmt auch, dass Italienisch und Romansch als Landessprachen wichtiger sind als Englisch. In Ordnung wäre aber auch, wenn Teile der Seite nur auf Deutsch erscheinen würden, mit der Begründung, dass Basel deutschsprachig ist, obwohl wichtige Informationen schon in allen Landessprachen veröffentlicht werden sollten.

In Antwort auf:
Auf der Internetseite des ‚Standort-Marketings Basel‘ heißt es: „Im Sinne einer übergeordneten Imagewerbung richten sich die Kommunikationsaktivitäten des Standort-Marketing Basel selbstverständlich auch an die Touristinnen und Touristen, für alle anderen touristischen Marketingaktivitäten zeichnet jedoch Basel Tourismus verantwortlich.“


Ich frage mich, warum es da "Marketing" und nicht "Vermarktung" heißt.
zuletzt bearbeitet 04.12.2007 19:43 | nach oben springen

#8

RE: Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 04.12.2007 20:35
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

"Vermarktung" klingt so übel profitheischend, schachernd und krämerselig.
"Marketing" dagegen, das ist weltläufig, elegant, kosmopolitisch und global.

Obwohl es nichts anderes heißt als Vermarktung.

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#9

RE: Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 04.12.2007 23:52
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Alle politisch korrekten Frauen, die z.B. Baumann, Portmann oder Lieberherr heißen, sollten um ihrer politischen Korrektheit willen ihren Familiennamen schleunigst ändern, was ohne große Schwierigkeiten zu bewerkstelligen wäre, auch bei einem Familiennamen wie Herrmann: Sklavin hieße die humorvolle, Frauweib die politisch korrekte Umwandlung. Zudem sollten sie in ihrem Bemühen um Gerechtigkeit und Gleichberechtigung ihren Söhnen zu jedem männlichen Vornamen noch einen weiblichen geben: Carl Maria von Weberin oder Rainer Maria Rilkea.

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#10

RE: Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 07.12.2007 00:17
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Ja, hat was.

Ich empfehle auch die Lektüre von

- "Die Erwählte" von Thomas Frau
- "Lothar in Weimar" von Johanna Wolfgang von Goethe
- "Emil Galotti" von Göttinhold Ephraim Lessing

und nicht zu vergessen die Exponenten Schweizer Literatur:

- "Femina Faber" von Maxine Frisch
- "Der Besuch des alten Herren" und "Die PhysikerInnen" von Friederieke Anorektikerinnenmatt.

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#11

RE: Politische Pseudokorrektheit

in Sprachpolitik 07.12.2007 01:24
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Kinderlied

Der, die, das …
Ein Zwitter, was ist das?
Ein Zwitter ist die Mitte,
Das Mittelmaß.

Der, die, das …
Was ist das Mittelmaß?
Das Mittelmaß ist Sitte
Und nichts als das.

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