#1

„Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 08.12.2007 19:10
von AndyOSW • 631 Beiträge

Aus dem Kundenmagazin "plus" der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG):

„Bin ich (k)ein Berliner?“

Warum ausgerechnet der „Berliner“ bei uns „Pfannkuchen“ heißt

Viele Namen für das Gleiche – In Hessen nennt man ihn Kräppel, die Schwaben sagen Küchli, in Österreich heißt er Krapfen, doch meistens geht er als „Berliner“ über die Ladentheke. Ausgerechnet in Berlin ist der „Berliner“ aber nicht als solcher erhältlich. Bei uns kauft man sich einen (Berliner) Pfannkuchen! Silvester haben die Pfannkuchen-Bäcker Hochkonjunktur. plus_12 besuchte eine Berliner Backstube und wollte wissen, woher das beliebte Fettgebäck stammt.

Ob es nun die unglücklich verliebte Köchin war, die versehentlich den Kuchenteig in heißes Fett geworfen hat, oder ein Regiment-Feldbäcker, der sich – mangels Ofen – mit einem heißen Kessel Fett behelfen musste, bleibt die Frage. Dass ausgerechnet die Berliner den Berliner „Pfannkuchen“ nennen, ist insofern verwunderlich, als sie nämlich insgeheim
der Meinung sind, das Gebäck selbst erfunden zu haben. Denn ein Berliner Zuckerbäcker soll im 18. Jahrhundert zum ersten Mal ein rundes Hefefettgebäck hergestellt haben. Doch die österreichische Küche beansprucht hier ältere Rechte. In der Bäckerei der Cäcilie Krapfen buk man schon 60 Jahre früher die „Cili-Kugel“, die später „Krapfen“ genannt werden sollte.

Egal – das runde Fettgebäck mit und ohne Füllung ist in Berlin bis heute heiß geliebt, vor allem an drei Tagen im Jahr: Rosenmontag, am 11. 11. und Silvester.

Dann muss auch in der Backstube von Karl-Friedrich Lehmann jeder seiner 100 Mitarbeiter ran – ohne Ausnahme. Selbst der Chef eilt zwischen Teigtopf und Backofen hin und her. Helles Weizenmehl, Hefe dazu, dann die warme Milch – nun muss die Knetmaschine ganze Arbeit leisten, bis die Masse leicht und cremig ist. „Gleich nach Weihnachten beginnen wir, die Pfannkuchen-Teiglinge vorzubereiten, sonst würden wir den Bedarf nicht abdecken können“, erklärt der Konditormeister. Der Hunger auf „Berliner“ in Berlin und Brandenburg ist groß. An die 40.000 Pfannkuchen verlassen Silvester den Handwerksbetrieb in Hessenwinkel. Dagegen ist die Produktion von 1000 Stück an „normalen“ Tagen eher bescheiden.

Gebacken, in diesem Fall „gebrutzelt“, wird allerdings erst in der Nacht vor Silvester. Dann geht es in der Backstube heiß her, wenn die rund geformten Teigstücke in das heiße Ölbad wandern. Ursprünglich wurde Schweineschmalz verwendet, heute in der Regel Pflanzenöl. Bis es soweit ist, haben die Lehmannschen Teiglinge Zeit zum Gehen. „Wir verwenden
auf gar keinen Fall gefrorene Teiglinge“, sagt Karl-Friedrich Lehmann, „denn die schmecken trocken.“ Er muss es wissen: Seit seiner Kindheit ist der Bäckersohn mit der Kunst des Backens vertraut. Seine eigene Back-GmbH eröffnete er kurz nach der Wende und versorgt die Kuchentheken in Karstadt-Filialen, Krankenhäusern, Kantinen mit Nachschub.

Alle Hände werden gebraucht, wenn der duftenden Kugel die (richtige) Füllung verabreicht wird. Und da gibt es mittlerweile viele: Pflaumenmus, Nougat, Vanillecreme, Pudding oder Eierlikör „Der Klassiker ist aber Kirschkonfitüre“, weiß Konditormeister Lehmann. Berüchtigt als Partywitz ist die gemeine Senffüllung, die sich manchmal unter einen von vielen Pfannkuchen mischt.

Doch warum heißt denn nun der „Berliner“ in Berlin nicht „Berliner“? Achselzucken auch bei Konditormeister Lehmann. Überlieferungen zufolge soll die Zubereitung der Teigstücke in einer Pfanne eine einfache und schnelle Art gewesen sein, die hungrigen Mägen zu füllen. Aus dieser Zubereitung soll der „Berliner Pfannkuchen“ seinen Namen haben. Und da man sich sowieso in Berlin befand, ließen die Berliner die Herkunftsbezeichnung einfach weg. Na also: das Schlemmen kann beginnen! Aber sachte, denn 100 Gramm des Gebäcks haben leicht über 500 Kalorien und 13 Gramm Fett. Und gute Vorsätze für das neue Jahr haben meistens eine ebenso kurze Haltbarkeitsdauer wie ein frischer Pfannkuchen.

Prosit Neujahr!

Bernd Wegner

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#2

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 11.12.2007 22:12
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Bei unz anne Ruhr heißtatt Dingen Balina. Fannekuchen ham wa auch, abba die sint flach.

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#3

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 11.12.2007 22:17
von AndyOSW • 631 Beiträge

Die flachen Dinger heißen bei uns je nach Rezept Eierkuchen oder Kartoffelpuffer.

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#4

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 14.12.2007 23:22
von Andrew • 162 Beiträge

Haben die Kartoffelpuffer Kartoffel drin? Dann wären sie wieder etwas anderes?

Ich kenne Berliner und Pfannkuchen, hätte aber nicht gewußt, die gleiche Sache gemeint werden könnte.

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#5

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 14.12.2007 23:35
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Kartoffelpuffer heißen auf Englisch "potato pancakes" und werden auch Reibekuchen oder Reibeplätzchen genannt.
Es sind flache Scheiben aus einem Teig aus geriebenen Kartoffeln, Eiern, Mehl, Milch, etc., die in Fett gebraten werden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kartoffelpuffer
zuletzt bearbeitet 14.12.2007 23:38 | nach oben springen

#6

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 14.12.2007 23:58
von Andrew • 162 Beiträge

Danke. Also die Wörter Eierkuchen und Kartoffelpuffer werden in Berlin auch zu Unterscheidung zwischen Pfannkuchen allgemein und Berliner allgemein verwendet, sozusagen.

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#7

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 15.12.2007 00:32
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Nicht ganz...

Eierkuchen sind flach und fladenförmig und werden in der Pfanne gebraten. Es gibt sie in süß oder deftig, je nachdem, ob man dem Teig Zucker zusetzt oder nicht. Die unterschiedlichsten Beläge und Füllungen sind möglich, wobei dem Geschmack keine Grenzen gesetzt sind. Englisch "pancakes", auch die französischen Crêpes gehören in diese Kategorie.

Meine Mutter pflegte Apfelscheiben in die süßen Eierkuchen zu schneiden oder sie nicht zu dick mit Marmelade zu bestreichen. Ich habe später die Variante mit daumendick Nutella eingeführt. (Mutter war nicht beeindruckt.)

Was der Berliner "Pfannkuchen" nennt, entspricht weitestgehend dem angelsächsischen "jam doughnut". Im Rest Deutschlands versteht man unter Pfannkuchen dasselbe wie Eierkuchen, also flache Rührteigfladen. Und Kartoffelpuffer werden, wie gesagt, mit geriebenen Kartoffeln gemacht.

Verwirrend, ich weiß.

Versuch einer Systematik:

Hochdeutsch - Berlin - Ruhrgebiet - Englisch

Eierkuchen/Pfannkuchen - Eierkuchen - "Fannekuchen" - pancake in den Varianten süß und herzhaft
Berliner Pfannkuchen - Pfannkuchen - Berliner - doughnut
Reibekuchen - Kartoffelpuffer - Kartoffelpuffer - potato pancake


Jetzt klar? :-)
zuletzt bearbeitet 15.12.2007 00:33 | nach oben springen

#8

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 15.12.2007 19:07
von Andrew • 162 Beiträge

Ja, danke, das ist nun klar. Aber eben, das kann verwirrend sein wenn amn daran denkt, wie viele "-kuchen" es überhaupt gibt.

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#9

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 15.12.2007 23:40
von AndyOSW • 631 Beiträge

Hauptsache, es schmeckt.

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#10

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 22.12.2007 21:37
von Frau Musterfrau • 33 Beiträge

In Antwort auf:
Versuch einer Systematik:

Hochdeutsch - Berlin - Ruhrgebiet - Englisch - Bairisch

Eierkuchen/Pfannkuchen - Eierkuchen - "Fannekuchen" - pancake - Pfannakuacha
Berliner Pfannkuchen - Pfannkuchen - Berliner - doughnut - Krapfen
Reibekuchen - Kartoffelpuffer - Kartoffelpuffer - potato pancake - Reiberdatschi




Bin gespannt auf noch mehr Varianten.

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#11

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 23.12.2007 11:30
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Bin weder Bäcker noch Berliner,
Nicht ganz gebacken sowieso,
Und dennoch, wie Berliner Bäcker,
Meines Lebens ziemlich froh.

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#12

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 26.12.2007 17:43
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Zitat von Frau Musterfrau
[quote]Versuch einer Systematik:

Reibekuchen - Kartoffelpuffer - Kartoffelpuffer - potato pancake - Reiberdatschi



Und ich dachte, Reiberdatschi sei Carolins Häuschen auf dem Lande.
zuletzt bearbeitet 27.12.2007 22:11 | nach oben springen

#13

RE: „Bin ich (k)ein Berliner?“

in F r e i s t i l 27.12.2007 00:59
von Frau Musterfrau • 33 Beiträge
Sofern es einstöckig ist und ein Flachdach hat.
zuletzt bearbeitet 27.12.2007 01:00 | nach oben springen


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