#1

Den Autoren und ihren Rezensenten zugeeignet

in Deutsch in Medien und Literatur 12.12.2007 23:50
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Wer viel schreibt und, ohne viel dabei zu denken, das Unglück erfährt, einen einflußreichen Verleger zu finden, so daß seine Schriften als Buch gebunden und in bunter Aufmachung pünktlich zur nächsten Messe erscheinen, kann sich eines ganz und gar gewiß sein, nämlich rezensiert zu werden. Nun kenne ich viele Rezensionen, die ihrem kritisch besprochenen Gegenstand mindestens eines voraus haben: einen Gegenstand, und sei es auch nur einer, der zum Zwecke der Werbung aus der Luft gegriffen ist. Solche Lobhudeleien werden mitunter von Krämern gesammelt und wiederum als Buch veröffentlicht, z.B. unter dem Titel: „Den Manen Friedrich Nietzsches“. Ob darin ein Werk eines Autors als hohe Literatur gepriesen oder gleich dessen Gesamtwerk als Schundliteratur verdammt wird, tut nichts zur Sache – es ist einerlei. Gekauft, nicht gelesen soll es werden, das Gedruckte.

Nun erlaube ich mir, entgegen den althergebrachten Gepflogenheiten der Rechtschaffenheit, zu literaturwissenschaftlichen Zwecken ein sogenanntes ‚Vollzitat‘ aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, deren Rechtschreibung reformiert und Aufmachung der zeitgemäßen Mode, dem Lumpenlook, konform ist, anzuführen.

In Antwort auf:
Finale vorm BGH?

F.A.Z. und SZ verlieren im Streit um ihre Buchkritiken

11. Dezember 2007 – Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung haben vor dem Oberlandesgericht Frankfurt in zweiter Instanz einen Prozess gegen den Internetdienst Perlentaucher verloren. Das Gericht entschied, dass der Perlentaucher Buchkritiken der Zeitungen zusammenfassen und diese Zusammenfassungen verkaufen darf, auch wenn diese lediglich Originalzitate aus den Rezensionen aneinanderreihen. Das Gericht hat die Revision zum Bundesgerichtshof ausdrücklich zugelassen, bis dahin ist das Urteil nicht rechtskräftig (Az. 11 U 75/06 und 76/07).

Der Perlentaucher verkauft Literaturhinweise, die mit zum Teil umfangreichen wörtlichen Zitaten aus Zeitungsartikeln arbeiten. Er verkauft diese, die Rezensionen der Zeitungen verkürzenden Texte, an Onlinehändler wie buecher.de, wo sie auf Buchhandelsseiten erscheinen. Die Kläger sehen sich durch diesen Verkauf in ihrem Urheberrecht verletzt: der Perlentaucher verdiene mit ihren Kritiken Geld, Internetnutzer würden von der Lektüre der Originaltexte abgehalten. Das Frankfurter Oberlandesgericht urteilte der ersten Pressemeldung zufolge, die Zusammenfassungen könnten eine „eigene schöpferische Leistung“ enthalten, auch wenn der Originaltext in wesentlichen Gedanken mitgeteilt werde. Auch aus dem Marken- und Wettbewerbsrecht ergebe sich kein Anspruch auf Unterlassung.

Der Perlentaucher-Gründer Thierry Chervel sagte, er sehe sich auf ganzer Linie in seiner Rechtsauffassung bestärkt. Die Süddeutsche Zeitung teilte mit, man werde „Revision einlegen, wenn wir nach Prüfung der Begründung realistische Chancen sehen.“ Der Verlag dieser Zeitung erklärte, nach dem Verlauf des Berufungsverfahrens und insbesondere der mündlichen Verhandlung vor dem Oberlandesgericht sei das Urteil überraschend: „Das Urteil ist aus unserer Sicht falsch und stellt sich als eine Niederlage für alle Urheber – gerade auch für Journalisten – und Verwerter von Buchrezensionen dar.“ Man warte die Urteilsbegründung ab und prüfe dann die Revisionsaussichten; die Revision sei ausdrücklich zugelassen worden.


Hier nachzulesen im Original!

Den Satz: „Das Frankfurter Oberlandesgericht urteilte der ersten Pressemeldung zufolge, die Zusammenfassungen könnten eine ‚eigene schöpferische Leistung‘ enthalten, auch wenn der Originaltext in wesentlichen Gedanken mitgeteilt werde“ bitte ich nur im Hinblick auf den in ihm enthaltenen Ausdruck ‚eigene schöpferische Leistung‘ zu beachten und das Wörtchen ‚könnten‘ vorläufig zu mißachten. Wozu? Zur Demonstration meiner ‚eigenen schöpferischen Leistung‘. Vorab verrate ich folgendes: Ich benutze nun den Copernic Summarizer™, um eben diesen Beitrag bis hierher zusammenzufassen – ab jetzt.

In Antwort auf:
Wer viel schreibt und, ohne dabei viel zu denken, das Unglück erfährt, einen einflußreichen Verleger zu finden, so daß seine Schriften als Buch gebunden und in bunter Aufmachung pünktlich zur nächsten Messe erscheinen, kann sich eines ganz und gar gewiß sein, nämlich rezensiert zu werden.

Nun kenne ich viele Rezensionen, die ihrem kritisch besprochenen Gegenstand mindestens eines voraus haben: einen Gegenstand, und sei es auch nur einer, der zum Zwecke der Werbung aus der Luft gegriffen ist.

Solche Lobhudeleien werden mitunter von Krämern gesammelt und wiederum als Buch veröffentlicht, z.B. unter dem Titel: ‚Den Manen Friedrich Nietzsches‘.

Ob darin ein Werk eines Autors als hohe Literatur gepriesen oder gleich dessen Gesamtwerk als Schundliteratur verdammt wird, tut nichts zur Sache – es ist einerlei.

Nun erlaube ich mir, entgegen den Gepflogenheiten, zu literaturwissenschaftlichen Zwecken ein sogenanntes Vollzitat aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung anzuführen.

11. Dezember 2007 Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung haben vor dem Oberlandesgericht Frankfurt in zweiter Instanz einen Prozess gegen den Internetdienst Perlentaucher verloren.

Das Gericht entschied, dass der Perlentaucher Buchkritiken der Zeitungen zusammenfassen und diese Zusammenfassungen verkaufen darf, auch wenn diese lediglich Originalzitate aus den Rezensionen aneinanderreihen.

Der Perlentaucher verkauft Literaturhinweise, die mit zum Teil umfangreichen wörtlichen Zitaten aus Zeitungsartikeln arbeiten.

Das Frankfurter Oberlandesgericht urteilte der ersten Pressemeldung zufolge, die Zusammenfassungen könnten ‚eine eigene schöpferische Leistung‘ enthalten, auch wenn der Originaltext in wesentlichen Gedanken mitgeteilt werde.

Auch aus dem Marken- und Wettbewerbsrecht ergebe sich kein Anspruch auf Unterlassung.

Die Süddeutsche Zeitung teilte mit, man werde Revision einlegen, wenn wir nach Prüfung der Begründung realistische Chancen sehen.


Die Länge der Zusammenfassung habe ich auf 250 Wörter begrenzt. Der durch den Copernic Summarizer™ in Gang gebrachte Automatismus der Zusammenfassung beanspruchte ca. eine Sekunde meiner Lebenszeit. Die Umwandlung der Anführungszeichen und Gedankenstriche, wie auch die kursive Darstellung der Eigennamen, bewerkstelligte ich in ca. drei Minuten Handarbeit: Welch ein Luxus ist dies heutzutage!

Es gibt viele Rezensenten, die auf Kosten der Autoren leben, deren Werke sie rezensieren, und es gibt nicht wenige Autoren, die ihren Ruhm und ihr Einkommen eben diesen Rezensenten zu verdanken haben.

Euer Fritz-Franz

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#2

RE: Den Autoren und ihren Rezensenten zugeeignet

in Deutsch in Medien und Literatur 13.12.2007 16:34
von AndyOSW • 631 Beiträge

Ich selbst lese keine Rezensionen, da in solchen mir manchmal vorgekaut wird, wie ich was zu verstehen habe. Auch wenn es der Rezensent vielleicht anders als der Autor selbst versteht.

Ich leiste mir den Luxus und nehme mir die Zeit, den Autoren selbst zu Worte kommen zu lassen - in seinem Werk. Das ist mir hundert- nein tausendmal mehr Genuss als das Gefühl, der gleichen Meinung wie ein Rezensent zu sein.

Andererseits gestehe ich der Rezension als solcher die Privilegien einer eigenen Literaturgattung zu.

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#3

RE: Den Autoren und ihren Rezensenten zugeeignet

in Deutsch in Medien und Literatur 13.12.2007 21:33
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Wenn ich meine Bücherregale betrachte und mir überlege, auf wieviele Sachbücher ich durch Rezensionen aufmerksam gemacht worden bin, dann muß ich gestehen: auf beinahe alle.

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#4

RE: Den Autoren und ihren Rezensenten zugeeignet

in Deutsch in Medien und Literatur 14.12.2007 06:26
von AndyOSW • 631 Beiträge
Bei Sachbüchern würde ich auch Ausnahmen machen, da ist die Rezeption des Inhalts eine andere als bei Belletristik.

Bei Sachbüchern halte ich Rezensionen sogar für sehr sinnvoll, vor allem wenn es um neue Wissensgebiete (neu für mich) geht und das Werk von einem (mir) unbekannten Autoren verfasst wurde. Sollte das Werk (also eigentlich der Autor) meinen Erwartungen entsprechen, werde ich immer wieder auf ihn (den Autoren) zurückgreifen.
zuletzt bearbeitet 14.12.2007 06:27 | nach oben springen


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