#1

Bierlaune

in Deutsch in Medien und Literatur 23.12.2007 20:24
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Spruch auf einer Motorhaube:

„PFLÜCK DIR EINS!
Edelweiss“

Ein mildes Bier muß das sein, ohne den Geschmack des scharfen ß …

Bei dooyoo steht zu lesen: ‚Edelweiss Weißbier‘.

Das Edelweiß steht unter Naturschutz. Darum pflück’ Dir keins!

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#2

RE: Bierlaune

in Deutsch in Medien und Literatur 24.12.2007 09:04
von AndyOSW • 631 Beiträge
Ich kann den Geschmack von Weiß- oder Weissbier :-) nicht einschätzen - ich fröne eher den Erzeugnissen der Winzerkunst. Aber ist die Schreibweise mit "ss" statt "ß" nicht eine "Anbiederung" an die Schweizer Schreibweise? Als Kompromiss bietet sich ja noch die Schreibweise "Weizenbier" an, so es denn ein solches ist.
zuletzt bearbeitet 24.12.2007 09:05 | nach oben springen

#3

RE: Bierlaune

in Deutsch in Medien und Literatur 26.12.2007 18:30
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
An Weinachten hättest Du Dir, lieber Andy, ausnahmsweise ein Bier gönnen dürfen, um auf das Deutsche Reinheitsgebot, welches die Leihen der Orthographie standartgemäss mißachten, anzustoßen.

Zu Deiner Frage, ob die Schreibweise mit ‚ss‘ statt ‚ß‘ nicht ‚eine Anbiederung‘ an die Schweizer Schreibweise sei, merke ich den diesbezüglich letzten Stand meiner Kenntnis an. Die folgenden Behauptungen habe bisher ich vernommen:

Das Eszett habe als Type bei den Schreibmaschinen gefehlt (so daß sich z.B. der Germanist und Schriftsteller Adolf Muschg genötigt sah, aus Liebe zur deutschen Typographie und Orthographie ein großes ‚B‘ zu tippen, um dadurch ein ‚Pseudo-ß‘ aufs Papier zu drucken). – Diese Behauptung ist zum Teil richtig. Aber weshalb war diese Type nicht vorhanden? Am mangelnden Können der Schweizer Schreibmaschinenhersteller, deren Schreibmaschinen national (‚Swissa‘) und international (‚Hermes‘) den allerbesten Ruf genossen, kann es nicht gelegen haben.

Das Eszett sei als überflüssig empfunden worden. Diese Behauptung habe ich mehrmals vernommen. Da sie jedoch niemals zureichend begründet wurde, halte ich sie für eine reine Vermutung. Denn bis vor der Rechtschreibreform von 1996 wurde in Büchern von Schweizer Verlagen (die doch auch, wenn nicht vorallem, auf Käufer in Deutschland, dem zehnfach größeren Buchmarkt, hofften) das Eszett gedruckt. – Von wem wurde es, das Eszett, als überflüssig empfunden? Diese Frage konnte mir bis heute noch niemand schlüssig beantworten.

Eine Anmerkung noch, speziell für Schweizer Pädagogen: War es gut, sinnvoll und richtig, Kinder, welche doch fürs ‚wirkliche Leben‘ lernen sollten, aus Schulbüchern lernen zu lassen, die sich orthographisch von sämtlichen andern im Handel erhältlichen und auch in Schulbibliotheken aufbewahrten Büchern unterschieden? – Daß dies schlecht, unsinnig und falsch war, haben die für den Verfall der deutschen Sprache Verantwortlichen inzwischen erkannt und daher eine Büchervernichtung veranlaßt, welche ohne historisches Beispiel ist.

Die Regeln des Eszetts, welche selbst die berühmten Sprachwissenschaftler Gebrüder Grimm nicht beherrschten, seien derart kompliziert, daß man deren Erlernung den Kindern nicht zumuten könne. – Wer dieses Märchen glaubt, ist ein einfältiger Tropf und ganz bestimmt weder ein Chinese noch ein Japaner.

Das Eszett sei ein ‚Krüppelbuchstabe‘. – Die wißbegierige Tante Google findet diesen Ausdruck z.Z. noch nicht, da sie vor lauter Tratschen das Indizieren vergessen hat. Dafür steht mir der aufmerksame Copernic Agent zu Diensten: Krüppelbuchstabe! – Die im Wort ‚Krüppelbuchstabe‘ enthaltenen Ligaturen ‚ch‘ und ‚st‘ hat der Wortschöpfer geflissentlich übersehen. Wenn er wüßte, wieviel es noch auszumerzen gibt …

u.s.w. u.s.f.

in birra sanitas

Fritz-Franz
zuletzt bearbeitet 27.12.2007 18:15 | nach oben springen

#4

RE: Bierlaune

in Deutsch in Medien und Literatur 27.12.2007 06:28
von AndyOSW • 631 Beiträge

Zu seligen DOS-Zeiten (sei es MS-DOS oder PC-DOS) war das "ß" im Standardzeichensatz vorhanden, aber wie sah das aus! Die "Macher" des Zeichensatzes brachten kein richtiges "ß" auf den Bildschirm, sondern ein kleines "Beta", dazu noch halb kursiv. Vielleicht war das einer der Gründe der hochgeschätzten Schweizer, es dann lieber ganz wegzulassen?

Mittlerweile gibt es zwar kaum noch Gründe, auf Windows-PCs ein DOS-Fenster zu öffnen, empfehle es aber spaßeshalber einmal: das "ß" hat sich im Windows-Fenster kaum geändert, es ist ein kleines "Beta". Nur im nativen DOS-Modus (Alt+Enter in der DOS-Eingabeaufforderung) ist das "ß" ein "ß".

Ich empfehle bei dieser Gelegenheit immer den Umstieg auf alternative und freie Betriebssysteme - bei Linux hatte ich noch nie Probleme mit dem "ß". Mit dem Apfel-Mac habe ich weniger Erfahrung.

In vino veritas - glaubt Andy

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#5

RE: Bierlaune

in Deutsch in Medien und Literatur 27.12.2007 13:25
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Wann genau – und vorallem weshalb – in der Schweiz die Umstellung vom Eszett auf die Doppelbuchstaben ss erfolgte, dürfte eigentlich leicht herauszufinden sein, wenn man Zugang zu einem Zeitungsarchiv hätte. Man müßte, vermute ich, jene Zeit untersuchen, als die Umstellung von Fraktur auf Antiqua erfolgte und nach dem ersten „dass“ Ausschau halten. Vielleicht interessiert sich ein junger Schriftforscher dafür.

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#6

RE: Eszett

in Deutsch in Medien und Literatur 27.12.2007 14:29
von AndyOSW • 631 Beiträge
Habe hier mal einen Text extrahiert, der, da sehr satirisch überspitzt dargestellt, nicht so ernst genommen werden sollte. Aber der Vollständigkeit halber sei er erwähnt:

Die Abschaffung des Eszett

Über einen entbehrlichen Buchstaben

aus: Dieter E. Zimmer: «Abschaffung des Eszett» (Rowohlt, 1997)

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat getagt, steht in der Zeitung. Bei jener
Tagung sei über die Rechtschreibreform und das Eszett geredet worden. Ein Antrag
auf seine Eliminierung sei durchgefallen. Drohte die denn? Auch jene Expertenkommission,
die über die Rechtschreibreform nachgrübelte, hatte sich doch
für seinen Erhalt ausgesprochen. Einer der Versammelten habe gewarnt: In der
Schweiz, wo es das Eszett nicht gibt, sei er einmal der Überschrift Busse für
Walesa begegnet, und ein schauderhaftes Mißverständnis habe gedroht. Auch
eine Sprachwissenschaftlerin habe gewarnt: Wo alle anderen Staaten ihre Sonderzeichen
mit Klauen und Zähnen verteidigen, dürften sich die Deutschen doch
nicht «um ein Stück Kulturgut bringen lassen». Und diese Betrachtungsweise
habe schließlich obsiegt.
Aber so eine lebhafte Debatte bringt einen auf Ideen. Normalerweise hätte
ich mich, wo es nun schon einmal da ist, ohne Murren mit dem Eszett abgefunden,
so wie mit dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Aber ein Kulturgut,
auratisch? Mit Klauen und Zähnen? Das schreit geradezu nach Widerspruch.
Darum unterbreite ich hier den mit mir selbst abgestimmten Vorschlag: Ja,
schaffen wir das Eszett ab! Jedesmal, wenn ich an dem Laden ÜBERGRÖßEN FÜR
HERREN vorbeikomme, stört es mich. Es ist Unfug.
Aber das könne man so nun wirklich nicht sagen? Also gut. Versuche man
doch einmal, einem wohlwollenden Ausländer, Zertifikat «Deutsch als Fremdsprache
» in der Tasche, klarzumachen, warum das Eszett ein unverzichtbares
Kulturgut ist.
Er: Sicher finden Sie es sehr schön, so als Buchstabe.
Sie: Naja, schön? Es war eben einmal eine Ligatur, zwei zusammengewachsene
Drucktypen — Schönheit kann man von so etwas nicht verlangen.
Er: Ligaturen gibt es in der Typographie überall, ft oder ck zum Beispiel. Aber
überall lassen sie sich ohne weiteres wieder auseinandernehmen. Wo gibt es
denn das, daß man so eine Ligatur zu einem eigenen Buchstaben ernennt? Das ft
ist im Deutschen doch auch kein eigener Buchstabe geworden. Warum so inkonsequent?
Sie: In der Sprache geht es nie konsequent zu. Da waltet schließlich nicht die
Logik, sondern der Zufall.
Er: Übrigens, welche beiden Buchstaben sind denn da eigentlich liiert? Ein l
und ein B? Es läßt sich gar nicht erkennen. Aßtraum.
Sie: Die Brezel dahinten soll ein Zett vorstellen, das allerdings etwas verrutscht
ist. Der lange senkrechte Strich vorne ist ein Es. Darum heißt es ja Es-
Zett.
Er: So ein Es habe ich aber noch nie gesehen.
Sie: Das ist das gute alte deutsche Es. Es gab nämlich einmal zwei Es in der
deutschen Schrift, ein schmales langes und ein kleines rundes.
Er: Die Deutschen haben früher zwei Sorten von Es gesprochen?
Sie: Gesprochen nicht. Geschrieben.
Er: War das eine Strafe nach einem verlorenen Krieg? Oder bloß Unentschiedenheit?
Sie: Reichtum, Fülle, Luxus war es.
Er: Jetzt ist das lange Es aber eingespart.
Sie: Es kam in den alten deutschen Schriften vor, Gotisch, Schwabacher, Fraktur,
die nun schon lange so gut wie nicht mehr geschrieben und gedruckt werden.
Als alles noch mit der Hand geschrieben wurde, war das lange s leichter. Es
war ursprünglich einfach ein mächtig in die Länge gestrecktes rundes s, das den
Schreibern die Mühe dieser beiden schwierigen Rundbögen abnahm. Zur Zeit
Karls des Großen haben sie es immer lang geschrieben. Erst später dann auch
rund.
Er: Und wie war später die Regel? Wann mußte das lange genommen werden
und wann das runde?
Sie: Das war gar nicht so einfach. Am Silbenanfang das lange. Wenn es doppelt
war auch. Vor einem t oder ch oder hinter einem p am Silbenanfang dito.
Am Wortende oder vor einer Wortfuge das runde. Manchmal konnte man es
auch schreiben, wie man wollte. Die Regeln gingen über einige Seiten.
Er: Das Eszett ist also einer von diesen gelben Öltanks: Ich bin zwei Öltanks.
Es sagt einem: Ich bin zwei Buchstaben. So wurde es dann ja sicher auch gesprochen:
die Stras-Ze.
Sie: Es wurde nur als einer gesprochen. Genaugenommen wurde der zweite
niemals gesprochen, aber dafür wird der erste seit langem nicht mehr geschrieben.
Gesprochen wird es, als wäre der erste Buchstabe doppelt, der, den es
nicht mehr gibt. Klar?
Er: Wieso dann aber z, wenn ein zweites s gemeint war? Warum sz und nicht
ss?
Sie: Das muß wohl ein Irrtum gewesen sein.
Er: Und warum existiert das Eszett nur klein?
Sie: Weil der Laut, für den es steht, nie am Wortanfang vorkommt. Es heißt
eben Salat und nicht ßalat.
Er: Ach so, ein Sprechfehler. Die Deutschen können ein stimmloses Es am
Wortanfang nicht aussprechen. Darum haben sie unser schönes inßalata zu Salat
gemacht.
Sie: Das können wir sehr wohl, wenn wir wollen. Denken Sie an die Szene.
Oder das Szepter. Oder an ein Szintigramm.
Er: Da schreiben Sie das Eszett also nicht als ein eigentümliches Zeichen,
sondern als zwei Buchstaben, von denen der zweite aber eigentlich gar kein Zett
meint, sondern ein zweites Es. Ein großes Eszett könnten Sie also doch gut gebrauchen.
Ss wird ja offenbar grundsätzlich nie geschrieben. Es ist doch wirklich
ein Manko, wenn man in einer Schrift nicht klarmachen kann, daß der Es-Laut
am Silbenanfang stimmlos gesprochen werden will. Wenn der Duden erklärt, wie
man Scylla zu sprechen hat, muß er ßzüla schreiben. Wenn schon ß, dann sollten
Sie der Kulturgutkonferenz der Länder die Vergrößerung des Eszett zur Majuskel
vorschlagen.
Sie: Die sähe ja noch scheußlicher aus. Außerdem würde die Umstellung Milliarden
kosten.
Er: Aber irgendeinen Sinn muß das gute Stück doch haben oder einmal gehabt
haben. Ich nehme an, das Eszett steht oder stand für einen ganz besonderen
Laut, der sich mit keinem Buchstaben des normalen Alphabets wiedergeben
läßt. Die anderen europäischen Sprachen haben zwar alle ihre eigenen diakritischen
Zeichen, allerlei Häkchen und Striche, das å und ç und è und ñ und ø
und so weiter, wie das Deutsche seine Umlaute hat, aber sie haben keine Extrabuchstaben
wie das ß. Sogar die Engländer haben ihre praktische alte Dornrune
Þ aufgegeben und schreiben ihren gefürchteten Lispellaut th. Das ß war wohl ein
ganz spezieller Laut, so deutsch, daß ein Außländer dießeß feine Lißpeln gar
nicht hört?
Sie: Ach was. Der Laut, für den das Eszett steht, ist überhaupt nichts Besonderes.
Einfach ein stimmloses Es. Normalerweise schreiben wir es doppelt, ss,
um es vom stimmhaften s zu unterscheiden.
Er: Und warum nicht immer?
Sie: Ja, warum eigentlich nicht? Ah, ich hab’s. Das Eszett bedeutet gar nicht,
daß hier ein besonderer Laut gesprochen wird. Es heißt einfach: der Vokal davor
wird lang gesprochen. Es ist sozusagen ein uneigentlicher Buchstabe, der gar
nicht sich selber meint, sondern einen anderen. Die Masse, aber die Maße. Sonst
würde man Sätze wie tu Busse! ja völlig falsch verstehen. Oder Busse & Bahnen.
Er: Und warum schreibt ihr dann du haßt und du hast, zweimal kurzes a,
aber nie du hasst, wie beide eigentlich geschrieben werden müßten?
Sie: Eine Zusatzregel. Weil vor einem Konsonant ein ss immer zu einem ß
wird. Aber nach der Rechtschreibreform wird das einfacher. Dann schreibt man
wirklich du hasst.
Er: Und nicht mehr du hast?
Sie: Doch, das auch noch.
Er: Und warum das?
Sie: Wir reformieren doch nicht die Inkonsequenz weg.
Er: Bei der Rechtschreibreform streicht ihr es nicht ganz, weil das eigentliche
Kulturgut die Inkonsequenz ist und das ß nur ein Symbol dafür?
Sie: Wenn Sie es unbedingt so auslegen wollen, bitte sehr.
Er: Sonst tastet ihr ausländische Wörter fast nie an. Ausgerechnet bei der
Miss aber versagt euer Respekt. Aus ihr macht ihr eine Miß.
Sie: Wegen des kurzen i wahrscheinlich, aber das ist ein Fehler. Der Duden
empfiehlt es nicht.
Er: Ihr schreibt aber auch der Haß und der Spaß — beide Male Eszett, obwohl
das a einmal kurz und einmal lang ist und kein Konsonant folgt. Oder der Sproß,
aber die Sprosse, beide Male kurz, aber einmal ß, einmal ss.
Sie: Noch eine Zusatzregel: Am Wortende steht nie ss, sondern immer ß.
Nach einem kurzen Vokal wird es künftig auch dort zu ss. Hass und Sproß. geschrieben
wird.
Er: Wieso heißt es dann nicht dass Gass und der Greiß?
Sie: Hm.
Er: Ja, warum?
Sie: Credo quia absurdum!
Er: Dann fasse ich zusammen. Das deutsche Eszett ist ein nicht gerade schöner
Buchstabe, den es groß leider nicht gibt, obwohl es ihn geben sollte, und
der eigentlich zwei Buchstaben ist, von denen aber der zweite nie gesprochen
wurde und der erste nicht mehr geschrieben wird und der eigentlich gar kein
Buchstabe für irgendeinen besonderen deutschen Laut ist, sondern das Dehnungszeichen
für den davor, welcher aber manchmal auch ohne ß dahinter gedehnt
wird und manchmal auch mit ihm nicht, und im übrigen wird er jetzt
manchmal wegreformiert, manchmal aber auch nicht. Alles klar.
Die Schweiz, wie gesagt, kommt ganz ohne das Eszett aus, und sie leidet
darob nicht Mangel. Und wir? PC-Schreiber ärgern sich schon lange mit dem ß
herum, das sie manchmal als großes B, mal als griechisches β, mal als Pesetazeichen
Pt überrascht. Bei der E-Mail, in der sich meist kein ß verwenden läßt, da
man nicht weiß, in welcher Gestalt es den Empfänger erreicht, steht man jedes
mal wieder vor der Entscheidungsfrage: Strasse oder Strasze? Keiner weiß, wo er
das ß im Telefonbuch und in ähnlichen Listen suchen soll. Und den Fremden
stürzt es unweigerlich in Zweifel. Manchmal bekommt man eine Ahnung seiner
Ratlosigkeit, wenn ein Brief mit den Anschrift «Fa. HeiBenbüttel MeiBen FaBstra-
Be» trotzdem eintrifft.
Verteidigen wir also dieses Kulturgut nicht mit unseren Klauen und Zähnen.
Bringen wir es Europa dar. Man setze ein Zeichen! Man setze zwei Zeichen, und
zwar ss!
zuletzt bearbeitet 27.12.2007 14:30 | nach oben springen

#7

RE: Eszett

in Deutsch in Medien und Literatur 28.12.2007 19:57
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Ich weiß nicht, zum wievielten Mal ich es wiederhole: Wer die alte deutsche Schreibschrift, d.i. die Sütterlinschrift und deren vorherige Varianten nicht beherrscht, ist als Historiker verloren. Er tappt wie ein Blinder im Dunkeln. Die wirklich interessanten historischen Kenntnisse sind nicht allein durch die Lektüre von gedruckten Büchern zu erlangen; auch das Studium der handschriftlich verfaßten Akten ist zu deren Erlangung vonnöten.

Ach, wem mute ich heutzutage die Unterscheidung der vier Buchstaben S, s, ſ und ß im Kontext eines Textes zu! Den Blödsinnigen? Ganz gewiß nicht. Die heutige Jugend ist z.B. imstande, mit Leichtigkeit dutzende Befehle von mehr oder weniger sinnvollen Computerspielen zu erlernen (nebst den Namen und Vornamen ihrer unzähligen Idole). Allein durch das Lesen von in Frakturschrift gesetzten Büchern lernte ich die Anwendung dieser vier unterschiedlichen Buchstaben kennen und sinnvoll anzuwenden. Wenn mich heute jemand nach der Regel fragt, gemäß welcher ‚ss‘ oder ‚ß‘ zu schreiben sei, dann sage ich ihm: Ein ‚ß‘ steht immer dann, wenn man es nach den Regeln der Silbentrennung nicht als „-s-s-“ trennen kann. Nun aber beginnen die Schwierigkeiten. Seitdem die Computerei und mit ihr der sogenannte Fließtext den Schriftgebrauch (vorallem im Internet) beherrscht, ist die Kenntnis der Regeln der Wort-Trennung beinahe gänzlich verlorengegangen. Die Einführung und allgemeine Anerkennung des Fließtextes bezeichne ich daher als den Todeszeitpunkt der Typographie. Mit Wehmut sehe ich auf eines der vielen unnützen Werke meines Lebens zurück: auf die zu 99 Prozent funktionierende Silbentrennungsdatei, welche ich mit meinen deutschen Sprachfreunden für das Textprogramm Signum! in nächtelanger mühevoller Arbeit erstellte.

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#8

RE: Eszett

in Deutsch in Medien und Literatur 29.12.2007 05:35
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Soeben gelesen¹: „Wenn man das ß nur als das ansieht, was es ist, nämlich ein untrennbares ss, dann lösen sich plötzlich alle Probleme in Luft auf.“

¹und zwar dort!

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