#31

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 18.02.2008 14:58
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Ein Blick zurück

Elf antiquarisch erstandene Duden-Bände zieren mein Schreibpult, seit mehr als drei Jahrzehnten schon. Sogar ein Duden-Atlas und ein Duden-Aussprachewörterbuch (beide Jg. 1962) stehen in der Reihe und gemahnen mich stets daran, beim Schreiben nicht nur auf die Rechtschreibung, sondern auch auf die Verwendung der jeweils treffenden Wörter zu achten. Konrad Dudens Geist begleitete mich also bis auf den heutigen Tag.

Um von allen richtig verstanden zu werden, muß man das, was man zu sagen hat, allgemeinverständlich sagen, bzw. schreiben, d.h. nach Regeln, die allen bekannt sind und die einjeder mit Leichtigkeit erlernen und befolgen kann. Zur Erreichung dieses hohen und hehren Ideals der Verständigung unter den Deutschsprechenden hat Konrad Duden einen großen Teil beigetragen. Deshalb erwähne ich seinen Namen ehrfurchtsvoll und in Dankbarkeit.

Im Jahre 1996 wurde Konrad Dudens Name von den schmutzigen Gesellen des Dudenverlags in den Dreck gezogen: Sie veröffentlichten im Zuge der schmierigen Rechtschreibreform den ‚Reformduden‘ – ein böswilliges Mach(t)werk, das eine solch große Sprachverwirrung stiftete, wie kaum je eines zuvor. Vielleicht wird eines Tages ein Sprachhistoriker auf das Losungswort jener politisch-ökonomisch begründeten Nacht- und Nebelaktion stoßen, die allgemein als ‚Rechtschreibreform‘ bekannt ist, aber eigentlich „Deformation der Rechtschreibung“ genannt werden sollte, um sie bei ihrem richtigen Namen zu nennen.

Im Jahre 2000 gaben diese geldgeilen Halunken abermals ein ‚Rechtschreibwörterbuch‘ heraus, das ganz eigentlich als Inventar ihrer Leichenfledderei gelesen werden kann. Altes Wohlbewährtes steht in ihm neben neuem Untauglichem. Das einzig Reguläre dieser Auflage war das Jahr ihrer Erscheinung, welches ein Schaltjahr war.

Anno 2004 wurden die Liebhaber der deutschen Sprache – nun an den Rhythmus der geschäftstüchtigen Sprachverhunzer gewöhnt – mit einem ‚politisch korrekten‘ ‚Rechtschreibwörterbuch‘ aus der kleinkarierten Stadt Mannheim beglückt. Nebst ‚Ziegelbrenner‘ stand z.B. auch ‚Ziegelbrennerin‘ darin zu lesen. Was mich heute noch wundert, ist, warum die Stadt Mannheim bis heute noch nicht zu Ehren der in ihr ansässigen Aktiengesellschaft namens Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus in Frau/Mannheim umgetauft wurde. – Die Verfasser der 23. Auflage jedenfalls hatten ihr schlechtes Gewissen bereits begraben und die bewährten traditionellen Schreibweisen in ihrem Volksverblödungswerk unterdrückt.

Die 24. Auflage des Machwerks datiert aus dem Jahre 2006, herausgebracht vermutlich unter dem Motto: „Profit geht vor Schaltjahr.“ – Inzwischen hatten sämtliche rechtschaffene Sprachwissenschaftler und Schriftsteller Deutschlands, Österreichs, Liechtensteins und der Schweiz die sogenannte ‚Rechtschreibreform‘ längst mißbilligt und ihren Namen auf ellenlange Listen gesetzt, um dadurch eine Ab- und Umkehr von diesem offensichtlichen Irrsinn zu bewirken. Doch leider ohne Erfolg. Denn die gesinnungslosen Politiker, die nach demselben wie die geldgierigen Verleger strebten, waren weder zu bändigen noch zur Besinnung zu bringen.

Der Schweizer Orthographischen Konferenz, der SOK, wünsche ich viel Erfolg in ihrem Bestreben, der aus Flachland Deutschland stammenden Dummschreibung Einhalt zu gebieten.

Anmerkung: Als ich das Thema „Lichtblicke“ eröffnete, beabsichtigte ich, gelegentlich etwas Bedenkenswertes zu dem unermeßlich weiten Feld „Bild und Sprache“ zu veröffentlichen. Nun ist, nicht ohne meine Schuld, hier manches durcheinander geraten. Wer sich jedoch in einer vielfältigen, nach und nach gewachsenen Altstadt besser zurechtzufinden weiß, als in einer öden, einfältigen Plattenbausiedlung, dem wird es hier nicht an Anhaltspunkten fehlen, um den Notausgang zu finden.
zuletzt bearbeitet 18.02.2008 15:41 | nach oben springen

#32

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 18.02.2008 21:31
von AndyOSW • 631 Beiträge

Wo ist der Unterschied zwischen Duden (Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG in Mannheim) und Wahrig (Wissen Media Verlag GmbH, Gütersloh / München - einem Anhängsel der Bertelsmann Group)? Sie drucken beide Nachschlagewerke. Sie drucken beide, was amtliche Rechtschreibung ist. Ich persönlich sehe keinen Unterschied, ob es im Duden oder im Wahrig in neuer Rechtschreibung steht. Oder in alter. Oder in "politisch korrekter" Schreibung.

Sollen Duden und Wahrig nun nach zwölf Jahren in Boykott gehen zur derzeit gültigen Rechtschreibung?

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#33

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 20.02.2008 12:37
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Ich kenne eine Frau, die ihrem Sohn den vorletzten und den letzten Rechtschreibduden gekauft hat, von ihrem geringen Lohn. Sie ist eben der Meinung, daß ihr Sohn die beste Schulbildung und stets das neueste Schulmaterial erhalten soll. Ist das nicht rührend? Ich selbst kaufte als Stellvertreter eines Großhändlers gleich 5 Exemplare des Rechtschreibdudens, drei zum Gebrauch im Geschäft und je einen für ihn und für mich zur Verwendung daheim. Das war idiotisch.
zuletzt bearbeitet 20.02.2008 13:12 | nach oben springen

#34

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 20.02.2008 14:38
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Was Pack und Pack miteinander verbindet, heißt Pakt. Oder Konsens. Oder Nonsens. Je nach dem. Kennzeichen des herrschenden Lumpenpacks ist das ihm innewohnende und fortwährend ungeniert zum Ausdruck gebrachte Bestreben, das selbständige Denken, Reden und Schreiben der ‚gewöhnlichen Menschen‘ zu behindern oder gar zu verhindern (zum Beispiel durch die Herausgabe mutwillig veränderter, sodann geschäftstüchtig als ‚revidierte‘, ‚reformierte‘ oder ‚aktualisierte‘, stets jedoch in den höchsten Tönen des Selbstlobes angepriesene Neuauflagen ‚verbindlicher‘ Rechtschreibwörterbücher).

Daß ‚der Duden‘ und ‚der Wahrig‘, diese beiden inzwischen zu Gartenzwergen geschrumpften Größen der deutschen Sprache, einander vielfach widersprechen, wurde bereits gewissenhaft untersucht und freimütig dargelegt. Suche und finde diese Untersuchung, wer sie suchen und finden mag.

Wäre die Rechtschreibreform nur für Beamte verbindlich gewesen, dann hätte ich nicht einen einzigen Gedanken an sie verschwendet und keine einzige Zeile über sie geschrieben. Allein ihr wesentlicher Bestandteil, nämlich die zur Selbstbereicherung ihrer Initiatoren beabsichtigte Verarmung und geistige Behinderung unserer Kinder, regte mich an und auf, als sprachlicher Laie das Wort gegen sie zu erheben, da lange Zeit keines Sprachkünstlers Wort zu vernehmen war.

Nebenbei gesagt: Was für deutsche Beamte gilt, gilt für mich als Schweizer Bürger nicht. An der Rechtschreibreform, diesem deutschen Unwesen, kann ich nicht genesen. Als Privatmann oder Privatmensch oder, ganz einfach: als Simplicissimus habe ich mich nicht nach der Rechtschreibreform zu richten; darf aber dennoch fragen, was für ein Recht das ist, gemäß welchem Kinder entgegen dem Sinne ihrer Eltern unterrichtet werden müssen? Ein himmelschreiendes Unrecht ist das, sage ich simpel und einfach.

Meine Antwort auf die originelle Frage, ob ‚der Duden‘ und ‚der Wahrig‘ nun nach zwölf Jahren in Boykott zur derzeit gültigen Rechtschreibung gehen sollen, beantworte ich wie folgt: Die Hand, die sich selbst bei der Hand nimmt, möchte ich gerne sehen und photographieren. Dann wären meine finanziellen Probleme auf einen Schlag gelöst. Ungeachtet dessen finde ich den Ausdruck „derzeit gültig“ wert, in Marmorstein gemeißelt zu werden, am besten in Versalien, damit er ewig-gültig erscheint.

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#35

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 01.03.2008 22:35
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Es gibt ja Leute, die wissen alles ganz genau. Auf diese Leute hatte ich während Jahrzehnten mein Vertrauen gesetzt: Am meisten auf die Dudenbande. Auf den Gedanken, in deren Werken, den ‚Dudenbänden‘, nach Fehlern zu suchen, bin ich während der Zeit vor der RSR nicht gekommen. Die mir heiligen Dudenbände sah ich überall in den Bücherregalen stehn; in den Sekretariaten von Architekten, in den Bureaus von Generalbauunternehmern, Gewerkschaftlern, Baustoffhändlern und angehenden Innenarchitektinnen. Ohne es beweisen zu können, sage ich aus dem Gedächtnis: ‚Der Duden‘ stand bei mir und meinen sämtlichen Bekannten und Verwandten stets im höchsten Ansehen.

Nun stelle ich gleich noch eine Behauptung auf, ohne in der Lage zu sein, sie zu begründen: Vor der RSR hatten wir die beste Rechtschreibung aller Zeiten. Wenn ich bei der Lektüre einer Zeitung oder eines Buches auf einen Rechtschreibfehler stieß – was nur sehr selten vorkam – dann rief ich jedesmal aus: „Ei, sieh’ mal da!“ – und ich dachte, wenn es mit dem Photographieren eines Tages nicht mehr klappt, dann bewerbe ich mich unbekümmert als Redaktor bei der Regionalzeitung – oder gleich als Lektor beim Bibliographischen Institut zu Mannheim.

Seit der RSR ist beim Lesen mancher Texte nur noch schwer zu erraten, ob der Schreiber das, was er geschrieben hat, überhaupt bedacht hat. „Er hatte es wohl bedacht“, könnte man vermuten; ob er es jedoch wohlbedachte, ist und bleibt wohl ewig unergründlich verborgen.

Der ehrbare Konrad Duden strebte die Vereinheitlichung der deutschen Schreibung zur Erreichung des allgemeinen Verständnisses an; seine Apostel jedoch streuten die Saat der Verwirrung und Zwietracht aus. Diesen Sprach- und Sinnverderbern galt mein Kampf. Und diesen Kampf gebe ich nun auf, als besiegter Gewinner.

An die Moderatoren, Administratoren und Zensoren dieses Forums: Laßt bitte diese Zeilen stehn und wartet die Klagen der Mutigen ab! Verwehrt nicht den Verbrechern die Möglichkeit, sich selbst als Verbrecher anzuklagen.

Der vorherige Absatz dieses Textes hat nichts mit diesem Forum zu tun – d.h. doch! Sein Duplikat steht im Forum des VRS in Auslieferungshaft. Mein darüberstehender Beitrag wurde in jenem Forum kommentarlos gelöscht.

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#36

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 01.03.2008 23:24
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Der sogenannte ‚Reformduden', der von mir und manchen andern so genannt wird, sprach seinem Vorgänger, dem sogenannten ‚Einheitsduden', Hohn. Denn was ehemals galt, galt plötzlich nicht mehr. Einfach so wurde plötzlich alles kompliziert. Ob unten oder oben, hinten oder vorne - unvermittelt erschien alles einerlei oder vielerlei, jedenfalls keines Gedankens mehr wert zu sein. Ob etwas groß oder Klein zu schreiben sei, zu sammen oder auseinander, war von nun an bis in alle Ewigkeit geregelt oder nicht.

Über diese 21. Auflage des ‚Dudens' fiel nun berechtigter Spott herab, so daß schon bald die 22. Auflage erfolgte, welche die ihren Müttern in Dankbarkeit verbundenen Sprachkenner jedoch mächtig erzürnte - so sehr, daß umgehend eine 23. Auflage gezeugt und geboren werden mußte, um das Überleben der Mannheimer Kopfgeburtenklinik zu sichern. Nun endlich konnte man Reformiertes beinahe wieder katholisch lesen.

Hier hätte die Geschichte zuende sein können, wenn die Gier nach Geld von den Aktionären des Dudenverlags als Laster empfunden worden wäre. Doch ihrer Tugend hatten die sprachlich Unbedarften die 24. Auflage des Dudens zu verdanken. Diese nenne ich die ökumenisch-ökonomische. Kindgerecht kunterbunt gestaltet, wie sie ist, läßt sie Jung und Alt zuversichtlich auf die 25. Auflage hoffen.

Den Obrigkeitsgläubigen ins Stammbuch geschrieben: Blickt nach unten, damit ihr seht, daß ihr in der Scheiße steht.

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#37

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 01.03.2008 23:50
von AndyOSW • 631 Beiträge

Und der Wahrig aus dem Hause Bertelsmann druckt dieselben Rechtschreibregeln aus der Feder des Rechtschreibrats (nicht der Dudenredaktion).

Der Duden ist ein Wörterbuch und hat nicht die Rechtschreibreform erfunden. Ist nur meine unmaßgebliche und persönliche Meinung.

Sonst müsste die Sekte namens Verein Deutsche Sprache e.V. auch für die Anglizismen verantwortlich gemacht werden, die sie in ihrem sogenannten "Anglizismen-Index" Gewinn bringend abdrucken.

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#38

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 02.03.2008 14:59
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
„Der Duden ist ein Wörterbuch und hat nicht die Rechtschreibreform erfunden.“ Diesen Satz wir sollen lassen stahn.

Ein Revolver schießt nicht von selbst.

Wäre ich ein einflußreicher Teilhaber der Ravensburger AG, dann würde ich die Produktion eines Brettspiels veranlassen, dessen Regeln durch Würfeln alle Schaltjahre aufs neue bestimmt werden sollten. Der Name des Spiels könnte auf gut Deutsch „Who Owns Whom“ lauten.

Man betrachte die Internetseite des Dudenverlags: Dort steht ein Text von Frau Dr. Kerstin Güthert, der Geschäftsführerin des Rates für deutsche Rechtschreibung zu lesen.

Wer ist Frau Dr. Kerstin Güthert? Nähere Angaben darüber sind hier zu erfahren.

„Wer, wann, und warum mit wem?“ wäre noch ein Namensvorschlag für ein Spiel, das auf der Landkarte Italiens gespielt werden könnte. Dessen einzige Regel würde ‚Umerta‘ lauten. Auf der Internetseite des Rates für deutsche Rechtschreibung wird die Anzahl der Mitglieder mit 39 angegeben. Außer dem Namen der obengenannten Frau ist dort nur noch der Name des Vorsitzenden zu erfahren: Staatsminister a.D. Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair. Seine Handlanger wirken im Dunkeln, quasi als verdeckte Ermittler ihrer eigenen Familienangelegenheiten.

Vielleicht liest hier heimlich ein ratloser Student der Germanistik mit, der krampfhaft nach einem Thema für seine Abschlußarbeit sucht. Ihm hätte ich eines vorzuschlagen: „Der Duden“ (klingt zwar etwas kindisch – „der du den“). Anfangen könnte er mit einem beliebigen Namen, der in irgendeinem Telephonbuch gedruckt zu lesen steht. Z.B.: Sitta, Horst, Prof. Dr. – na und? Aha! Er war Mitglied der ehemaligen Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung, einer der Verfasser des Schülerdudens Grammatik. Und schon purzeln die Namen herunter: Gallman, Peter, Prof. Dr. (sitzt als Dudenautor im Rat für deutsche Rechtschreibung etc. etc. So spannend kann Germanistik sein, wenn man sie ökonomisch zu nutzen weiß …
zuletzt bearbeitet 02.03.2008 15:02 | nach oben springen

#39

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 02.03.2008 18:35
von AndyOSW • 631 Beiträge

Ich nehme an, was Du über den Duden, die Dudenredaktion und die Verquickung mit dem Rechtschreibrat gesagt hast, lässt sich auch auf sein Bertelsmann-Gegenstück in Gestalt des Wahrigs sagen. Ich habe mal eine kleine Leseprobe eines FAZ-Feuilleton vom 20. Juli 2006 extrahiert (der komplette Text ist hier zu lesen):

Zitat von FAZ
In Gestalt des Wahrig liegt das erste Wörterbuch vor, das die Revision auf den deutschen Wortschatz anwendet (Wahrig: "Die deutsche Rechtschreibung". Herausgegeben von der Wahrig-Redaktion. Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2006. 1216 S., geb., 14,95 [Euro]). Die Wahrig-Redaktion ist im Rat für deutsche Rechtschreibung vertreten, hat die amtlichen Regeln mitverfaßt und wurde bei ihrer Arbeit durch die Geschäftsführerin des Rates unterstützt. Man nimmt daher von vornherein an, daß die neuesten Regeln zuverlässig umgesetzt sind. Das amtliche Wörterverzeichnis wurde von einer selbsternannten Redaktionsgruppe aus Ratsmitgliedern angefertigt, der Rat als ganzer hat es nicht mehr gesehen, bevor die Kultusminister es ohne weitere Diskussion billigten. Die Wörterbuchverfasser lassen sich außerdem von einer inoffiziellen "Handreichung" leiten, die von derselben Gruppe am Rechtschreibrat vorbei angefertigt wurde und äußerst folgenreiche Ausführungsbestimmungen enthält. Auch für die meisten Ratsmitglieder dürfte teilweise neu sein, was aus jenen Vorlagen folgt, die sie seinerzeit pauschal beschlossen hatten.

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#40

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 03.03.2008 14:35
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Daß nicht nur der Duden, sondern auch der Wahrig, der in gewissen Kreisen das höhere Ansehen genoß, die RSR vorantrieb, bestreite ich nicht. Für viele Verlage war die RSR ein Geschenk des Himmels. Viele ‚nützliche‘ Ratgeberchen und Helferlein in Buchform konnten gedruckt, verlegt und verkauft werden. Gewandte und geschäftstüchtige ‚Sprachlehrer‘ boten ‚Schreibseminare‘ an (simple Kurse für damals lumpige 3'000 Franken pro Tag). Und welcher fortschrittliche, aufgeschlossene Chef hätte nicht großen Wert darauf gelegt, daß sich seine Geschäftskorrespondenz stets auf dem allerneuesten Stand der Sprachwissenschaft befindet! Deshalb schickte er seine Sachbearbeiterinnen nur allzu gerne in solch vielversprechende Kurse. Außerdem wußte er ja, daß Auslagen für berufliche Weiterbildung ohnehin bei der Abfassung der Steuererklärung in Abzug gebracht werden können.

Ganz besonders ergreifend fand ich die Krokodilstränen eines Verlegers, der sich darüber beklagte, nun so und so viele Exemplare eines Schulbuches einstampfen zu müssen. Die Heuchelei unter Geschäftsleuten kann gar nicht anders als drollig sein. Wer würde nicht gerne etliche Tausend Bücher einstampfen, wenn er danach zehnmal so viele neu auflegen und mit (staatlicher) Sicherheit verkaufen könnte? Wie heißt es noch immer? Lagerware ist totes Kapital, das von den Zinsen aufgefressen wird. Das weiß doch jeder Kaufmann und Konkursverwalter. In diesem Zusammenhang scheint mir noch erwähnenswert zu sein, daß das Wort ‚Abschreibung‘ unter Geschäftsleuten eines der beliebtesten ist. Ohne Witz.

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#41

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 05.03.2008 01:19
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Erkannt und ergründet wurde es schon längst, das ökonomische Fundament der RSR. Die RSR, dieses Konstrukt geldgeiler Sprachverderber, wurde schon längst als das erkannt, was es ist: Ein Konstrukt geldgeiler Sprachverderber, die ganz und gar verrückt sind. Warum habe ich von der Dudenbande noch keine Klage am Hals? Darum: Weil sie zur Zeit noch damit beschäftigt ist, sich aus den Trümmern ihrer Ideologie, die ganz und gar verlogen ist, zu befreien.

Modernes Antiquariat.
zuletzt bearbeitet 05.03.2008 01:56 | nach oben springen

#42

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 06.03.2008 04:08
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Grundsatzänderung der Dudenredaktion

Anstatt dem Volk aufs Maul zu schauen, gilt ab sofort: Dem Volk aufs Maul zu hauen, d.h. ihm die Fresse einzuschlagen.

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#43

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 08.03.2008 18:07
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
Z.Z. beschäftige ich mich den Zeitgenossen Hölderlins und lese deren Briefe an ihn; soweit sie mir zugänglich sind, als Faksimile oder als wortgetreu gedruckte Abschriften. Da lese ich nun Wörter wie seyn, statt sein, verlohren, statt verloren, Thränen, statt Tränen, mahlen, stat malen, Verboth, statt Verbot, Hauß, statt Haus, Thüre, statt Türe usw. Jeder, der alte Handschriften zu lesen und zu verstehen versucht, weiß von den großen Schwierigkeiten zu berichten, die ihm allein schon daraus entstehen, daß keine Handschrift der andern gleicht und daß dasselbe Wort im selben Texte in unterschiedlicher Schreibweise geschrieben stehen kann.

Konrad Dudens Verdienst war es, eine Vereinheitlichung der Schreibweise anzustreben, zum Zwecke der allgemeinen Verständigung. Dies wollte ich den Sinn- und Sprachverderbern, die sich seines Namens bemächtigten, noch gesagt haben. Mehr als diese Feststellung ist von mir nicht zu erwarten.
zuletzt bearbeitet 08.03.2008 23:16 | nach oben springen

#44

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 09.03.2008 00:09
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Wie von mir bereits zugegeben, bin ich der allein Schuldige, daß von dem im Titel Verheißenen ins Unabsehbare abgerückt wurde. Nichts als Dunkelheit herrscht nun meinetwegen in dieser Grube. So will ich sie also erhellen, dadurch, indem ich eine verspätete Todesanzeige aufgebe.

Der Informatiker und Philosoph Joseph Weizenbaum ist vor drei Tagen gestorben. Diesen liebenswürdigen Hellseher vermag ich nicht anders zu würdigen, als dadurch, indem ich einen von Michael Haller moderierten Dialog* auszugsweise wiedergebe, den er mit dem Physiker Klaus Haefner führte.

Michael Haller: Führt die Befreiung von Routinearbeiten wirklich zu mehr kreativen Tätigkeiten? Soweit beobachtbar, wird das Freizeitverhalten zunehmend passiv und das Freizeitangebot zum Surrogat. Wenn am Sonntag das TV-Programm nichts bietet und die Sonne scheint, fährt die Großstadtfamilie in den Freizeitpark, um auf einer künstlichen Wildwasserbahn in einem vollautomatisch gesteuerten Plastikkanu zu sitzen und Popcorn zu knabbern.

Klaus Haefner: Das wird beim Photographieren sehr deutlich. Eine gute manuelle Kamera überläßt die gesamte Bedienung dem, der sie bedient. Wer ein gutes Photo machen will, muß sich mit den Lichtverhältnissen, der Schärfentiefe und so weiter beschäftigen. Was wird aber derzeit [1990] massenhaft gekauft? Die vollautomatische Kamera, bei der man nur noch abzudrücken braucht. Inzwischen bietet ein japanischer Kamerahersteller einen Apparat mit eingebauten Bildmotiven an. Der Homo oeconomicus beginnt den Homo ludens zu verdrängen.

Joseph Weizenbaum: Ich erinnere mich an die Rastplätze in den großen Nationalparks in Kalifornien. Auf den Plätzen vor den Sehenswürdigkeiten sind Schilder von Kodak angebracht, auf denen steht sinngemäß: „Von hier aus photographieren mit Blende 11 und 1/250 Belichtungszeit.“

*Weizenbaum contra Haefner – Sind Computer die besseren Menschen?, Hrsg. Michael Haller, Pendo-Verlag Zürich, 1990, ISBN 3 85842 252 5.

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#45

RE: Lichtblicke

in F r e i s t i l 09.03.2008 00:13
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

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