#16

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 02.01.2008 21:33
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge | 1013 Punkte

Lieber Fritz-Franz,

leider gebricht es mir am juristischen Sachverstand, um die Legalität des zensierenden Treibens im "Klartext" nach deutschem Vereins-, Verfassungs- und öffentlichen Recht substantiell beurteilen zu können. Auf der moralischen Ebene stimme ich mit Dir in der Bewertung dieser unseligen Erscheinung völlig überein. Das ist aber doch die alte Debatte Legalität versus Moralität. Nicht alles, was unter bestimmten Umständen legal ist, muß ethisch vertretbar sein. Auch der umgekehrte Fall findet sich quer durch die Weltgeschichte, und gerade den Deutschen sollten Beispiele für beide Konstellationen zuhauf einfallen.

So sehr ich das willkürliche und selbstherrliche Zensurgehabe der Herren Braun und Hahn auch verurteile, so neige ich trotzdem zu der Vermutung, daß diesen beiden und ihrem Verein, unter dessen Schutz und Schirm sie ihre Lizenz zum Löschen austoben dürfen, mit bestehenden rechtlichen Mitteln nur sehr schwer beizukommen wäre. Das ist kein Defätismus, sondern eine nüchterne Betrachtung der Sachlage. Das alles unter dem Vorbehalt meiner nicht sehr weitreichenden Rechtskenntnisse.

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Verdummen die Deutschen? Nicht mehr oder weniger als die Briten, da bin ich mir ziemlich sicher. Die können ihre Sprache auch nicht richtig schreiben.

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#17

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 02.01.2008 22:08
von AndyOSW • 631 Beiträge | 631 Punkte

Zur persönlichen Haftung von Vereinsgeschäftsführern bietet http://www.vereinsrecht.de folgendes Dokument an: http://www.socialnet.de/Domains/vereinsr...F_Haft_K_8a.pdf. Auch dort wird schon auf Seite 5 der §31 BGB herangezogen.

Was die verfassungsmäßigen Rechte der Meinungs- und Pressefreiheit betreffen, so lassen sich diese nur gegen Verfassungsorgane (verfassungs-)gerichtlich durchsetzen, nicht staatliche Körperschaften wie der VDS unterliegen dem Zivilrecht. Und wenn, wie in http://www.socialnet.de/Domains/vereinsr...F_Haft_K_8a.pdf ersichtlich, nur Unterorgane (Organmitglieder) zur Verantwortung zu ziehen sind, gilt es, dort einzuhaken.

Was nun wieder die Zivilklagen betrifft, bin ich da eher pessimistisch, da kein direktes Vertragsverhältnis mit einklagbaren Klauseln besteht. Aber solche Sachen wiederum wie Beleidigung, Diffamierung, Verächtlichmachung in der Öffentlichkeit, unerlaubte Veröffentlichung personenbezogener Daten, Ausspähen von Passworten, Lesen und Auswerten der internen Forenpost usw., das sind schon ernste Anschuldigungen, die sogar zu einer strafrechtlichen Verfolgung führen könnten. Das dürfte insgesamt aber sehr schwierig werden, da auch hier die Beweislast noch immer beim Kläger liegt. Eine Anzeige gegen Unbekannt (ich weiß nicht, wo der Braun oder der Hahn wohnt) hat wenig Aussicht auf Erfolg. Ob der VDS die Adressdaten ihrer Klartext-Administratoren herausrücken muss, entzieht sich meiner Kenntnis.

Zum Hausrecht der Klartextler ist zu sagen, dass verschiedene Gerichte Forenbetreibern in dieser Hinsicht Recht gegeben haben, als Beispiel sei der Fall Heise-Verlag angeführt: http://www.e-recht24.de/news/sonstige/410.html.

Aber: Gerichtsbeschlüsse hin oder her, ein Verein wie der VDS und sein Forum stehen im Lichte der Öffentlichkeit. Und das ist unsere Bühne. Der VDS steht mindestens zwei Mal im Jahr im Lichte der Online-Welt: bei der Überreichung des Kulturpreises Deutsche Sprache und bei der Kür des Sprachpanschers. Dann fällt der Verein der Allgemeinheit gegenüber wieder der Vergessenheit anheim. Das könnten wir ändern, auf unsere Art.

Auch wenn es eigentlich nicht die Aufgabe des Deutschen Sprachforums sein sollte, andere Sprachvereine an den Pranger zu stellen (jedes Mosaiksteinchen ist wichtig), so ist doch das Gebaren genau dieses VDS mehr als fragwürdig, vor allem die Praktiken in diesem Klartext-Forum.

Und genau dies muss öffentlich gemacht werden, durch Beiträge in diesem Forum, in anderen Foren, wo auch immer. Die große Schar gutwilliger Sprachpfleger darf nicht von diesem sektengleichen Apparat in Misskredit gezogen werden.

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#18

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 02.01.2008 22:25
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Lieber Schamane!

Ich stimme Dir zu und teile Deine Meinung; d.h. ich helfe Dir tragen, was Dir wertvoll erscheint, solange ich kann, und hoffe, den einen lächerlich-leichten Drittel noch lange schultern zu können. Ich selbst verfüge nicht über die Mittel, gegen jenen unseligen Club der selbsternannten ‚Sprachbewahrer‘ vorzugehen. Daher muß ich sie ohnmächtig werken und wirken lassen. Das einzige, was mir möglich war, habe ich bereits getan: Sie angeklagt im Internet wegen ihrer ausgeübten Zensur. Was ich jenen Halunken bisher noch schuldig blieb, reiche ich Ihnen hiermit nach: meine abgrundtiefe Verachtung. Dich hingegen grüße ich freundlich.

Dein Fritz-Franz

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#19

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 02.01.2008 22:41
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge | 1013 Punkte
Zum Thema Hausrecht: (Den Artikel zum Heise-Urteil habe ich gelesen)

Diesem Urteil zufolge hat der Verein das virtuelle Hausrecht in seinem Forum. Inwieweit jedoch durch Registrieren im "Klartext" ein Vertrag mit bestimmten Handlungsregeln geschlossen wird, bleibt offen.

Wohl heißt es dort über der Themenübersicht:

Bitte beachten:
Wir möchten nationalistischen und fremdenfeindlichen Beiträgen keine Plattform bieten. Beachtenswert auch: Dies ist kein Rechtschreibforum.
Sachfremde Beiträge, politische Pamphlete sowie Werbung werden von uns entfernt. Für die einzelnen Beiträge sind allein die jeweiligen Autoren verantwortlich (siehe Haftungsausschluß).


Was aber fehlt, ist ein Passus der Art:

"Mit Ihrer Registrierung in diesem Forum, bzw. der Nutzung dieses Forums durch das Einstellen eigener Beiträge erklären Sie sich mit diesen Bedingungen einverstanden".

Ist nun ein Einverständnis in die unter "Bitte beachten:" aufgeführten Verhaltensregeln durch die tatsächliche Nutzung des Forums konkludent enthalten oder nicht? Falls nämlich nicht, ist diese Klausel zivilrechtlich null und nichtig, da kein Vertragsbestandteil.

(Lieber VDS, falls Sie sich dazu entschließen sollten, Ihre Forenpräambel gemäß meiner oben vorgeschlagenen Formulierung zu erweitern, erlaube ich mir, für meine Rechtsberatung einen Betrag von 5.000€ zu berechnen. Da kommse bei mir noch billig bei wech, frahngse ma ihrn Anwalt. Hahahihihähä...ich fand den gut.)
zuletzt bearbeitet 02.01.2008 22:43 | nach oben springen

#20

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 04.01.2008 19:20
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Zitat von Schamane
Was die Speicherung geschriebenen Wortes auf unabsehbare Zeit betrifft, so erfüllt mich die Vorstellung, daß all mein unerleuchtetes Geschreibsel einer uninteressierten Nachwelt erhalten bleiben könnte, mit Sorge. Aber mit keiner überragenden.


Um Dir den letzten Rest Deiner diesbezüglichen Sorgen zu nehmen, führe ich folgende Gedanken an:

Du äußerst Dich hier unter einem Pseudonym. Noch vor wenigen Jahren warf ich als einer, der unter seinem Klarnamen schrieb, Menschen, die sich anonym in Internetforen äußerten, Feigheit und mangelnde Zivilcourage vor. Diesen Vorwurf würde ich heute niemandem mehr machen. Es war mir eine Lehre fürs Leben, nachts, meiner Aufrichtigkeit wegen, von irgendwem angerufen zu werden, dessen einziges Bedürfnis darin bestand, mir mitzuteilen, daß ich ein Arschloch bin. Die emsigen Datensammler, deren prominentester der jetzige deutsche Bundesminister des Innern, Wolfgang Schäuble, ist, bekümmern mich weniger als die Zensoren allüberall. Ihnen gegenüber gilt es Paroli zu bieten, nicht anders, als wie zu Beginn der Aufklärung.

Gruß von Fritz-Franz

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#21

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 09.01.2008 22:08
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

„Im Streit um die Rechtschreibreform verhielt sich der Verein neutral“, steht am Schluß eines im Klartext-Forum des VDS veröffentlichten Beitrags zu lesen.

Da die wort- und wahrheitsscheuen Zensoren des Klartext-Forums des VDS es dank der Hilfe ihrer klugen Helfershelfer vermögen, Verweise auf ihre eigenen Dummheiten um- und abzulenken, führe ich die genaue Adresse buchstabengetreu an: http://www.vds-ev.de/forum/viewtopic.php?TopicID=3346

Neutral? Was kann das alles heißen? Wenn ein Volk (wie das deutsche ehemals) insgesamt „durchdreht“ und im Massenmord quasi sein Freizeitvergnügen findet, dann kommt dem Wort „Neutralität“ die Bedeutung „Angst“ zu. Wenn aber ein Verein sich über die kaum einzudämmende Anglizismenflut beklagt, selbst jedoch nichts zur Bereicherung der deutschen Sprache beizutragen vermag, als nationalistisches Geschwafel, dann ist er nicht neutral, sondern ganz einfach feige, dumm und dämlich.

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#22

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 09.01.2008 23:24
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Die Sprachbewahrer in Ehren, jedoch nicht sämtliche. Den nationalistisch Gesinnten unter ihnen führe ich ein Wort Karl Jaspers zu Gemüte:

„Das Nationale innerhalb Europas behauptet sich mit Recht nur noch als eigene Lebensform, überlieferte Anschauung, als Sprache, Geist und Erziehung. Als Machtprinzip eines Staates aber hat es nicht nur sein Recht verloren, sondern wird zum Widersacher der abendländischen Einheit. Staatsgrenzen sollten ohnehin in Europa immer mehr zu Grenzen von europäischen Verwaltungsbezirken werden. Schon gibt es bedeutende ‚Europäer‘ als einzelne Persönlichkeiten. Aber sie haben im Denken, nicht im Handeln gewirkt. Noch dürfen wir auf Persönlichkeiten (zumal in kleineren Staaten) unsere Hoffnungen setzen. In den größeren europäischen Staaten scheint der alte Nationalismus noch unverwüstlich: Zuerst die eigene Nation als dieser Staat, erst ihre besonderen Interessen, erst ihre Weltstellung, die zu erfüllen jede für ihre Aufgabe hält, dann erst Europa.“

„Die Atombombe und die Zukunft des Menschen“, R. Piper & Co. Verlag, München 1958

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#23

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 09.01.2008 23:57
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge | 1013 Punkte

Ein Visionär, der Seinesgleichen sucht. Vieles hier Prophezeite ist eingetreten, und nicht nur durch das Schengener Abkommen, den Binnenmarkt mit gemeinsamer Währung, die Euregios oder den Karlspreis.

Und auch der Nationalismus hält sich unverwüstlich, aber leider nicht nur in den großen europäischen Ländern.

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#24

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 10.01.2008 03:04
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Lieber Schamane!

Wem der Eintopf behagt, der bedanke sich bei seinem einfältigen Koch.

Wir forderten ohne Unterlaß das Stimmrecht für die Frauen – und sie erhielten es. Wir kämpften unerbittlich für einen Kanton Jura – und erkämpften ihn. Nun wünsche ich den Basken, welche eine der ältesten Sprachen Europas sprechen, ihre Selbständigkeit, den fernen Palästinensern fruchtbares Land und Gedeihen, den Israeliten einen Ort der Ruhe und Einkehr und allen Menschen auf der Erde Frieden. Dies ist mein Bekenntnis. Mehr habe ich nicht zu sagen.

Fritz-Franz

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#25

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 11.01.2008 19:27
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

„Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein: hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen. Daher wird man z.B. unter fünfzig Engländern kaum mehr als einen finden, welcher mit einstimmt, wenn man von der stupiden und degradierenden Bigotterie seiner Nation mit gebührender Verachtung spricht: der eine aber pflegte ein Mann von Kopf zu sein. – Die Deutschen sind frei von Nationalstolz und legen hierdurch einen Beweis der ihnen angerühmten Ehrlichkeit ab; vom Gegenteil aber die unter ihnen, welche einen solchen vergeben und lächerlicherweise affektieren; wie dies zumeist die »deutschen Brüder« tun, die dem Volke schmeicheln, um es zu verführen. Es heißt zwar, die Deutschen hätten das Pulver erfunden: ich kann jedoch dieser Meinung nicht beitreten. Und Lichtenberg fragte: warum gibt sich nicht leicht jemand, der es nicht ist, für einen Deutschen aus, sondern gemeiniglich, wenn er sich für etwas ausgeben will, für einen Franzosen oder Engländer?« – Übrigens überwiegt die Individualität bei weitem die Nationalität, und in einem gegebenen Menschen verdient jene tausendmal mehr Berücksichtigung als diese. Dem Nationalcharakter wird, ehe er von der Menge redet, nie viel gutes ehrlicherweise nachzurühmen sein. Vielmehr erscheint nur die menschliche Beschränktheit, Verkehrtheit und Schlechtigkeit in jedem Lande in einer anderen Form und diese nennt man den Nationalcharakter. – Jede Nation spottet über die andere, und alle haben recht.“

Arthur Schopenhauer: „Aphorismen zu Lebensweisheit“

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#26

RE: Anklage

in Aktivitäten zur Sprachpflege 13.01.2008 03:30
von Fritz-Franz • 675 Beiträge | 675 Punkte

Das Märchen vom VDS

Großmutter Tipp-Ex begann zu lesen. Ihre Enkelin Space und ihr Enkel Backspace hörten ihr aufmerksam zu. „Purge“, so begann sie, „der Rüppel, sprach zur schönen Delete: ‚Ich lösche dich!‘ Delete, bereits schon ziemlich verblaßt, erwiderte ihm darauf: ‚Ich dich auch.‘ So radierten sie einander gegenseitig aus. – Gute Nacht, ihr lieben Kinderlein, und schlaft gut! Morgen singe ich euch Frank Zappas Lied ‚Weasels Ripped My Flesh‘.“

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