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Berliner Morgenpost: Bei den "Stachelschweinen" wollten sie ihn nicht

in Deutsch in Medien und Literatur 09.02.2008 18:20
von AndyOSW • 631 Beiträge

Berliner Morgenpost: Bei den "Stachelschweinen" wollten sie ihn nicht

Zum 50. Bühnenjubiläum von Dieter Hallervorden

Von Ulrike Borowczyk



Er brach das Studium ab und bewarb sich einige Mal erfolglos. Doch letztendlich hatte Dieter Hallervorden meistens Glück. 50 Jahre steht er nun schon mit riesigem Erfolg auf der Bühne, grinsend und spaßend. Aber es gab über die Jahre auch Dinge, die ihn geärgert haben.

Seit nunmehr fünf Jahrzehnten wandelt Dieter Hallervorden als Kabarettist, Komiker und Schauspieler mit nahezu traumwandlerischer Sicherheit auf dem schmalen Grat zwischen Satire und Nonsens. Dabei hatte der gebürtige Dessauer ursprünglich einen ganz anderen beruflichen Weg eingeschlagen, studierte Romanistik, Publizistik und Theaterwissenschaften. Doch kurz vor dem Examen schmiss er alles hin und entschied sich stattdessen für eine Künstlerlaufbahn. Bereut hat er es nie. "Ich bin froh, dass ich damals den falschen Weg nicht einfach weitergetrottet bin, bloß weil das Ziel bereits in greifbarer Nähe war", weiß er heute.

Einfach war der Beginn seiner Karriere nicht. "Eher steil, schmal und mit allerlei Fallgruben versehen", erinnert sich Hallervorden. So ist er durch die erste Schauspieleignungsprüfung gerasselt. Mangels Begabung, sagte man ihm. Zudem wurde seine Bewerbung bei den "Stachelschweinen" abgelehnt.

"Klar war das damals nicht einfach zu verkraften. Zumal ich nicht zu den Leuten gehöre, die eine Riesenbugwelle an übertriebenem Selbstbewusstsein vor sich herschieben. Aber im Nachhinein betrachtet hatte ich in der Privatschauspielschule mit Marlise Ludwig die beste Lehrerin der Stadt. Und hätten mich die "Stachelschweine" genommen, hätte ich heute kein eigenes Theater, gäbe es nicht 'Die Wühlmäuse'", so der 71-Jährige. Aber schließlich lautet sein Motto auch: "Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen!"
Der 71-Jährige genießt seinen Unruhestand

Ein zurückgezogenes Rentner-Dasein kann sich Dieter Hallervorden nicht vorstellen. Dafür genießt er seinen Unruhestand viel zu sehr. Wie sein Programm "Stationen eines Komödianten" zum 50-jährigen Bühnenjubiläum, das am heutigen Freitag bei den Wühlmäusen Premiere feiert und alle Facetten des Künstlers in einer unterhaltsamen Werkschau vereint: Sketche, Filmeinspielungen, ein Hit-Potpourri und Szenen aus dem ersten satirischen Solo. Für den Kabarettisten eines seiner schönsten Erlebnisse. "Die Kritiker waren sich einig: "Hallervorden als Solist - ein Optimum des literarischen Kabaretts", frohlockt er heute noch.

Doch es gibt auch weniger gute Erinnerungen: "Dass mir der rbb nach 97 erfolgreichen Spott-Light-Sendungen ohne jede Erklärung den Stuhl vor die Tür stellte, obwohl diese Sendung auch in der x-ten Wiederholung noch Supereinschaltquoten erzielt."

Der Durchbruch kam Mitte der Siebziger mit der Slapstick-Serie "Nonstop Nonsens" und der Figur des tollpatschigen Didis. Dabei hatte sich Hallervorden vorher bereits in vielen Charakterrollen profiliert. Unter anderem als Gangsterboss Köhler in Wolfgang Menges "Millionenspiel". "Wohlmeinende Kritiker bescheinigen mir ja freundlicherweise eine gewisse Vielseitigkeit. Und die versuche ich auch auf der Bühne auszuleben. Komödiantisch wird's bei mir im Theater auf jeden Fall", witzelt er.

Hallervordens Liebe gehört aber dem Kabarett: "Ich bin und war immer ein politisch interessierter Mensch, der sich gern seine eigene Meinung bildet." Dafür gab es viele Kabarett-, Comedy- und Fernsehpreise.

Eine Trophäe fällt jedoch gänzlich aus diesem Rahmen. Dieter Hallervorden wurde zum Ehrenmitglied des Vereins Deutsche Sprache ernannt. "Da hat wohl in der Chefetage jemand beobachtet, wie pflegsam ich bei 'Hallervordens Spott-Light' mit meiner schönen Muttersprache umgegangen bin. Irgendwann brauchte ich mich nicht zu wundern, dass ich wegen dieses Verdienstes an einer Wand entlanggehen konnte, die mit einer Ehrenurkunde geschmückt war. So einfach ist das!"

Das Bühnenjubiläum wird geffeiert in den Wühlmäusen, Pommernallee 2-4, Charlottenburg, Tel.: 30 67 30 11. Premiere: 8. Februar, 20 Uhr.

Im Internet unter http://www.wuehlmaeuse.de/

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