#16

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 12.04.2007 15:28
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Ich bin mit einem EU-Beitritt der Türkei zum derzeitigen Zeitpunkt auch nicht unbedingt glücklich, und zwar nicht aufgrund von Vorurteilen gegen türkische Menschen, sondern hauptsächlich aufgrund der Menschenrechtssituation in der Türkei. Dazu kommt ein ganzes Bündel wirtschaftlicher und geopolitischer Aspekte, das ich hier aber nicht weiter aufdröseln möchte.

Ungeklärt bzw. nicht eindeutig gelöst ist die Frage, wie eine Sprache eigentlich zu einer EU-Sprache wird. Dies scheint bisher der Politik der einzelnen Mitgliedsstaaten anheimgestellt zu sein, die in einigen Ländern mehr föderalistisch und in anderen mehr zentralistisch geregelt wird.

Daß dabei nicht unbedingt auf die Zahl tatsächlicher Sprecher einer Sprache abgestellt wird, macht die Sache auch nicht einfach. So gibt es mehr Sprecher des Katalanischen als etwa des Dänischen oder Finnischen, aber Katalanisch gilt eben nicht, anders als Dänisch und Finnisch, als Nationalsprache.

Ich hatte angedacht, daß man einer Sprache EU-Status zuerkennen soll, wenn die Zahl ihrer Sprecher einen bestimmten, mit allen Komplikationen der Festlegung behafteten Schwellenwert übersteigt. Sollten also etwa zehn Millionen Chinesen sich als EU-Bürger niederlassen, dann müßte man nach dieser meiner Logik auch über Mandarin oder Kantonesisch sprechen, zumindest wenn der Anspruch, die EU sei für die Bürger da, nicht nur eine substanzlose Seifenblase sein soll.

Also weg von nationalstaatlichen Sprachpolitiken hin zu einer realistischen Politik hinsichtlich der tatsächlichen Sprecherzahlen. Und selbst dadurch bliebe die Problematik der "kleinen" Minoritätensprachen immer noch außen vor.

Es ist die Quadratur des Kreises, der Versuch, allen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen oder es allen recht machen zu wollen: so typisch für das Wesen der EU. Und das spricht meiner Ansicht nach nicht gegen sie.
zuletzt bearbeitet 12.04.2007 22:49 | nach oben springen

#17

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 12.04.2007 15:54
von Frau Musterfrau • 33 Beiträge

So ein Schwellenwert könnte aber nur ein prozentualer sein, und dann wäre das System immer noch nicht gerecht. So gäbe es aufgrund der eingewanderten 10 Mio. Chinesen vielleicht eine EU-Sprache Chinesisch - obwohl China nicht in der EU ist - und Sprachen wie Maltesisch, Dänisch, Estnisch, Slowenisch usw. wären keine EU-Sprachen, obwohl die entsprechenden Länder EU-Mitglieder sind. Futuristisch gedacht könnte es dann dazu kommen, daß die EU-Sprachen irgendwann Chinesisch, Arabisch und Russisch sind, auch wenn keine dieser Sprachen eine EU-Nationalsprache ist.

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#18

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 12.04.2007 16:06
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Warum kein absoluter Schwellenwert, etwa festgemacht an der kleinsten EU-Nationalsprache?
Das wäre um die 400.000 (Maltesisch).

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#19

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 12.04.2007 16:24
von Erika Ciesla • 116 Beiträge
Eben, … Wennn!

Es ist aber derzeit nur der griechische Teil Zyperns in der EG, der wiederum unter einer türkischen Seeblockade leidet. In medias res, die Türkei will einerseits in die EG, verhält sich andererseits zu einem unserer Mitglieder aggressiv, und da frage ich mich doch: muß ich das verstehen?

Das „alte Europa“, wie neulich ein bekannter amerikanischer Präsident zu scherzen beliebte, hat gelernt, Hegemonisus und Expansionismus abzulegen und aus alten Erbfeinden wurden neue Freunde.

Und wenn man zurückblickt, wie viele Kriege allein Deutschland in in einer Zeit erlebte (1870/71, 1914/18, 1939/45), die durchaus innerhalb der Spanne nur eines Menschenlebens lagen, kann man erst ermessen, wie glücklich wir eigentlich sein müßten, daß zumindest hier in Europa der Krieg keine „Tugend“ mehr ist.

Ich habe nichts gegen die Türken an und für sich, aber ich habe zweifel, daß die Türkei schon so weit ist wie wir. Ihr Verhalten gegen Zypern (siehe oben) macht mich mißtrauisch und wie sie (noch immer!) im Osten des Landes mit den Kurden umspringen, schreckt mich ab.

Ich habe in einem früheren Beitrag bereits zwei Gründe genannt, warum die Türkei derzeit noch nicht europafähig ist, und was ich bisher hier las, macht diese Liste nur länger.

Türkisch wird selbstverständlich eine europäische Sprache, wenn die Türkei Mitglied der EG wird, das aber will ich erst sehen!

Grüßchen!
Erika Ciesla
zuletzt bearbeitet 12.04.2007 17:29 | nach oben springen

#20

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 12.04.2007 16:27
von Frau Musterfrau • 33 Beiträge
In Antwort auf:
Warum kein absoluter Schwellenwert, etwa festgemacht an der kleinsten EU-Nationalsprache? Das wäre um die 400.000 (Maltesisch).



Das wäre denkbar. Ich kenne mich mit den ganzen Minderheitensprachen nicht aus, aber dann käme sicher ein ganzer Schwung an neuen EU-Sprachen dazu. Ob das noch praktikabel (und bezahlbar - ich denke an die ganze EU-Bürokratie) ist?
zuletzt bearbeitet 12.04.2007 16:29 | nach oben springen

#21

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 12.04.2007 16:43
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Das Problem sehe ich ja auch, Frau Musterfrau.
Die Kosten der Vielfalt, wenn man so will.

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#22

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 12.04.2007 17:08
von Ute E. • 110 Beiträge

Zusätzlich zur Vielfalt der Kosten.

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#23

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 12.04.2007 19:23
von Merlot • 37 Beiträge
Bosnien-Herzegowina und Albanien sind teils christliche Länder, also zum Stellenwert dieser zwei zur EU-Mitgliedschaft Beantragenden hänge weder von deren Glauben noch von deren Politik ab, denn jeder Staat lässt sich von Innen reformieren.

Schau mal auf die Deutschen. Vor knapp sechzig Jahren wer hätte sich damals überhaupt vorstellen können, vielleicht auch wollen, dass sie einen Zukunftssprung weiter in der Mitgliedschaft der UNO,NATO bzw. EU voll mit einbezogen worden wären?! Es ist ihnen jedoch mühevoll gelungen und darauf können sie stolz sein.

Die Zeiten ändern sich, dazu die Politik eines Landes. Wo die jetzige Türkei in zehn, sogar fünf, Jahren stehen wird, weiss kein Mensch zu sagen.

Merlot
zuletzt bearbeitet 12.04.2007 20:21 | nach oben springen

#24

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 12.04.2007 22:30
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Ute E. schrieb:

In Antwort auf:
Zusätzlich zur Vielfalt der Kosten.


Sie meinten sicherlich Posten?

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#25

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 12.04.2007 22:32
von Der fröhliche Hai
Die Türkei liegt nicht in Europa! Die Europäische Union hat genügend wirklich europäische Beitrittsländer zu versorgen. Also bereits erfolgte und noch zu erfolgende. Gruppe eins. Polen, Rumänien, Bulgarien. Gruppe zwei Ukraine, Weissrußland, Moldawien, Rußland (Hier bekanntes Georaphisches Problem)

Ich werde mich hier auch nicht politisch korrekt äußern, so in dem Sinne: na sollen sie erst mal ihre Frauen ordentlich behandeln (d.h. nicht gleich die Mädchen mit 12 Jahren dem 42jährigen Nachbarn verheiraten, doch, doch das kommt vor!!!) dann werden wir schon sehen, nein. Ich sage klar und fest und jedem überkorrekten Schlechtgewissen-Deutschen ins Gesicht, wir brauchen nicht noch mehr Türken, wir haben bereits über Bedarf. Wenn Sie nämlich in arabischen oder türkischen Kreisen verkehren, dann hören sie teilweise ganz unverhohlen: " Na was wollt ihr denn, auf Grund unserer Vermehrungsate (Türkische Frau durchschnittlich 4,2 Kinder - Deutsche Frau 1,7 Kinder) fällt das hier sowieso über kurz oder lang in islamische Hände. Glauben Sie nicht? Ist aber so. Mehrfach aus verschiedensten Quellen gehört. Ist Ihnen das schon zu rechts? Armes Deutschland!

Auch stört mich in der Sache des Türkeibeitritts daß die USA ein sehr großes geostrategisches Interesse daran hegen, daß die Türkei in die EU kommt. Da passiert gerade in den letzten Tagen wieder so einiges hinter den Kulissen. Wann lernt die EU endlich auf eigenen Beinen zu sehen, wann leistet sich die EU eine eigene Armee? Warum braucht in Europa jedes Land eine eigene Luftwaffe, eine eigene Marine und ein eigenes Heer? Warum haben die Ameikaner imme noch Truppen in Europa? Warum ist der Oberbefehlshaber der Natostreitkräfte in Europa ein US-Amerikaner? Warum nehmen frisch hinzgekommene Beitritsländer wie Polen oder Tschechische Republik gerne die EU-Subventionsmillionen damit die ach so arme Infrastruktur aufgebaut wird und deutsche Firmen leichter "gegen Osten machen können"? Gleichzeitig aber gestatten Sie den US-Amerikanern Foltergefängnisse zu errichten und US-Raketen und Radaranlagen aufzustellen? Warum verteidigt sich Amerika nicht bei sich, sondern in
Europa? Warum fangen die USA überall Kriege an? Warum ist die Türkei zufällig Natopartner und wird von den US-Amerikanern gebraucht um Flugzeuge von dort starten zu können und einen verlässlichen Partner nahe divesen Krisenherden zu haben? Könnte es sein, daß die Türkei dafür Gegenleistungen erwartet?

War Ihnen das jetzt politisch genug oder reicht es erst mal, lieber Fritz-Franz?
zuletzt bearbeitet 12.04.2007 22:34 | nach oben springen

#26

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 13.04.2007 13:43
von Merlot • 37 Beiträge

Apropos Themen: Frauenbehandlung, Folter, BSP(Bruttosozialprodukt), waere dann, meine Frage zum zweiten Mal schon, die Tuerkei beitrittsbereit, wenn sie ernsthaft versucht, sich zu demokratisieren und wirtschaftlich konkurrenzfaehig zu machen? Oder sind die Vorurteile gegen die Tuerkei als Beitrittsland lediglich aufgrund ihrer suennimuslimischen Bevoelkerung? Oder sowohl als auch?

Die Argumente die im Forum formuliert wurden, sind stichhaltige, die Fuer und die Gegen. Schliesslich faellt allerdings eine rein praktische statt einer ideologischen Entscheidung aus Bruessel: Die Geburtsrate Europas sinkt. Faktum. Der Beitritt der Tuerkei ermoeglicht diesem kinderarmen Kontinent einen Bevoelkerungszuwachs, der aeusserst noetig sei. Sobald die Tuerkei die Beitritts-Kriterien trifft, wird Europa immer noch in der Lage sein, mit Asien, Russland, und Amerika konkurrenzfaehig zu werden?
Merlot

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#27

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 13.04.2007 13:49
von Der fröhliche Hai

Wir leben in der EUROPÄISCHEN Union! Die Türkei ist aber nicht europäisch.

Warum wollen Sie unbedingt die Türkei dabeihaben, aber nicht z.B. Marokko?

Warum ist ein Bevölkerungszuwachs unbedingt nötig?

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#28

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 13.04.2007 15:22
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

Weil die Türkei zum Beispiel unheimlich viel gegen den Drogenhandel nach Europa unternimmt.

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#29

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 13.04.2007 15:37
von Der fröhliche Hai
Weil die Türkei viel gegen den Drogenhandel unternimmt muß die Türkei in die EU?

Woher stammt Ihre Information? Kann sie es nicht mehr, wenn sie kein Mitglied der EU wird?

Geht es nur ums Geld? Dann kann sie schon mal zu sparen anfangen, indem sie keine unnötigen Staudämme baut die Kulturlandschaft überflutet und ihren stromabwärts gelegenen Nachbarn das Wasser abwürgt, bzw. diese von der Gnade Ankaras abhängig macht.

Ja ja, die zukünftigen Kriege werden um's Wasser geführt. Auch haben die Araber mehr als genug von der türkischen Herrschaft. Grüße von Lawrence.....




PS: auch Marokko arbeitet sehr eng mit Spanien zusammen, wenn es um Schleusungen von Flüchtlingen geht. Soll Marokko auch in die EU? Das ganze Mittelmeer? Ein neues römisches Reich?


Auch interessiert sich die Türkei einen Dreck um Minderheiten. Würden die Türken in Deutschland so behandelt wie die Christen in der Türkei, mei was wäre das für ein Geschrei über die böden, bösen Deutschen......

Gucke hier: http://www.moschee-schluechtern.de/chris...i_faz011214.htm

Aber keine Angst Conti, das ist natürlich alles nur schlimme, demagogische Anti-Türkische Hetze, gelle?
zuletzt bearbeitet 13.04.2007 15:48 | nach oben springen

#30

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 13.04.2007 15:38
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

In Antwort auf:
Warum wollen Sie unbedingt die Türkei dabeihaben, aber nicht z.B. Marokko?

Eben! Dann schon lieber Israel, der einzige Staat in der ganzen Region der a) eine halbwegs vernünftige Demokratie hat und der b) offensichtich europäisch geprägt ist (sie haben 2000 Jahre bei uns und mit uns gelebt (bis wir ihnen an den Kragen wollten), das hinterläßt halt Spuren).

Auch religiös ist Israel kein Problem. Die meisten Israeli sind Juden, gehören als einer Konfession an, die a priori keinen Missionsauftrag hat, also auch keinem was tut.

Gut, mit Israel bekämen wir merkwürdige Nachbarn, die kriegen wir mit der Türkei aber auch. Das einzige was für die Türkei spricht, ist das kleine Grundstück jenseits des Bosporus, wo die Türkei tatsächlich mit einem Fitzelchen Land nach Europa hineinragt.

ich glaube aber, daß das alles nur Vorwände sind, daß es eigentlich um etwas völlig anderes geht. Der große Nutznier eines EU-Beitritts der Türkei sind nämlich weder die EU noch die Türkei, sondern: die USA! Die Türkei als Bundesstaat der USA aufnehmen willen sie nicht, die wissen schon warum. Und müssen sie auch nicht. Wenn es ihnen gelingt, uns die Türkei unterzujubeln, genießt die USA alle Vorteile der türkischen Westanbindung (z.B. Aufmarschgebiet für US-Truppen, et cetera), ohne selbst irgend ein Risiko einzugehen. Und ganz nebenbei wird auch noch die europäische Ökonomie zugunsten der eigenen solchen geschädigt, denn die daniederliegende Ost-Türkei auf Europaniveau anzuheben wird eine Aufgabe sein, die uns für das übrige Weltgeschehen weitgehend paralysiert.

Nur mal zum Nachdenken: Der Euro ist heute schon wichtiger als der Dollar, welcher nur aus alter Gewohnheit noch als Weltwährung gehandelt wird. Die Amis würden alles tun, das wieder rückgängig zu machen; sie würden notfalls dafür sogar Kriege führen.

Servus!
Erika Ciesla

Und weil es gerade so schön ist, just während ich diese Zeilen schreibe steht der Dollar auf unter 74 Cent (genau: 0,7384 ?). Wer sich das mal genauer angucken will, der klicke hier: (Dollar/Euro-Kurs)

Und noch einen kleinen Arschtritt hinterher: wenn der Dollar unter 52 Cent fällt, dann haben wir vorüber wir vor Jahren schon gewitzelt haben: die D-Mark-Parität.

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