#46

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 14.04.2007 18:59
von Merlot • 37 Beiträge


Hallo, Erika!
Daran wichtig? Wieso denn? Hast du nie von einem PC- oder einem Anbieter-Fehler gehoert?

Wofuer der Beitritt der Tuerkei, zusaetzlich die Einfuehrung des Tuerkischen in die EU, noetig waere, liegt bloss am strategischen Knotenpunkt dieses Landes, u.a. seiner geopolitischen Lage, nochmal, als "Bruecke" zwischen Europa und dem Naheosten.

Merlot

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#47

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 15.04.2007 12:11
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

In Antwort auf:
"Bruecke" zwischen Europa und dem Naheosten.

Ich will das nicht ausschließen, glaube aber, daß es dafür noch viel zu früh ist.

Europa ist, nachdem es viele Jahrhunderte miteinander im Krieg lag, ein Hort des Friedens geworden. Gottseidank! Ich erinnere nur mal an Frankreich, mit dem wir heute in inniger Freundschaft verbunden sind. Noch für unsere Eltern war das stets der »Erbfeind«, den es, koste es was es wolle, zu schlagen gilt. Und umgekehrt.

Der nahe Osten ist genau das Gegenteil von Europa. Hier wurden die Kriege eingestellt, und wie ich hoffen will, ein für allemal. Dort werden Kriege geschürt. Das paßt nicht zusammen, und auch eine »Brücke« dorthin will ich lieber nicht haben.

Natürlich kann sich das auch ändern, und ich hoffe, das tut es, aber just im Augenblick habe ich ein ganz dummes Gefühl bei dem Gedanken, eine EG-Außengrenze unmittelbar an diesem Hexenkessel zu haben.

Sie haben das Stichwort »geopolitischen Lage« genannt. Richtig, die USA zögen daraus einen Nutzen, wenn die Türkei noch näher als bisher (Nato) an den Westen gebunden wäre, aber nicht die Amis selbst, sondern wir bezahlten dafür die Rechnung!

Servus!
Erika Ciesla

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#48

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 15.04.2007 18:36
von Merlot • 37 Beiträge


Schoen, Erika. Der springende Punkt bei diesem Argument sei die Kosten und wer sie blechen will, stimmt's? Als Amerikaner, obwohl ich unter keinen Umstaenden im Namen der jetzigen Regierung sprechen kann (vor allem, weil ich die Denkrichtung unseres Praesidenten auf keiner Weise vertrete!!), sei fuer viele US-Mitbuerger die Tuerkei so eine Art "Ausgleichspunkt", ein wesentlicher Verhandlungspartner im Terrorkrieg, von deren EU-Beitritt, sowohl den Europaeern als auch den Amerikanern nur zugunsten sein koenne, doch schon aufgrund ihrer Lage.

Kurz, die Verbindung Europas/Deutschlands mit der Tuerkei ist historisch, bzw. politisch, so eng, dass zumindest innerhalb der naechsten Jahre die EU keine andere Wahl haette, als die Tuerkei beitreten zu lassen.


Merlot

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#49

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 16.04.2007 10:48
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
In Antwort auf:
Kurz, die Verbindung Europas/Deutschlands mit der Tuerkei ist historisch, bzw. politisch, so eng, dass zumindest innerhalb der naechsten Jahre die EU keine andere Wahl haette, als die Tuerkei beitreten zu lassen.


Diese Wahl hat die EU aber durchaus, oder wer trifft diese Entscheidung an ihrer Stelle?

Und das Entscheidungskriterium wird, wie in so vielem, in erster Linie ökonomischer Natur sein. Insbesondere die Osttürkei ist wirtschaftlich und infrastrukturell derart zurück, daß der hier abzusehende Subventionsbedarf sich in einem Umfang bewegen würden, der den Rahmen der Möglichkeiten weit überschreitet.

Es wäre sinnvoller und viel mehr im wirtschaftlichen Interesse der "alten" EU-Länder, in die neuen EU-Länder im Osten Europas zu investieren, als Milliarden über Milliarden am westlichen Ende Asiens versickern zu lassen. (Es ist schon genug anderswo versickert.)
zuletzt bearbeitet 16.04.2007 10:53 | nach oben springen

#50

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 16.04.2007 17:20
von Merlot • 37 Beiträge


Osteuropa ist doch ein anderes Kapitel. Ja, sicherlich hätte es eher Sinne, z.B. in Rumänien, Moldawien usw. zu inverstieren. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Türkei sind allerdings vielversprechender wegen u.a. des Fleisses der Arbeitskräfte und des Fremdenverkehrs mit Deutschland.

Merlot

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#51

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 19.04.2007 23:30
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Lieber Hai,

auch wenn unter den derzeitigen Bedingungen selbst nicht allzu scharf auf einen EU-Beitritt der Türkei bin:

Nach derselben Logik hätte man Deutschland nach den Ereignissen von Rostock und Solingen mit Schimpf und Schande aus der EU ausschließen müssen. Wir wollen nicht den Fehler begehen, die Irrationalität und die Übergriffe von Radikalisierten mit der Haltung der Bevölkerung eines ganzen Landes gleichzusetzen. Nicht bei uns und nicht bei anderen.


---
In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
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#52

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 20.04.2007 13:30
von Merlot • 37 Beiträge

".......Christen sind in der Tuerkei nicht wohl gelitten."

Juden doch, lieber Hai, und zwar viel besser im Laufe der Jahrhunderte als in Europa.
Tatsache ist, Juden bilden nur einen kleinen Bruchteil der Bevoelkerung, z.B. in Deutschland, noch einen geringeren in der Tuerkei, also werden sie die politische Denkrichtung beider Laender kaum beeinfluessen koennen. Staatsbuerger aber sind sie, haben dazu Gleichberechtigung, inkl. des Wahlrechts, auch in einem muslimischen Land, wie der Tuerkei!
Merlot

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#53

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 25.04.2007 23:22
von Merlot • 37 Beiträge
Schamane,

noch etwas was vielleicht ja auch gegen die EU-Mitgliedschaft der Türkei spräche, wäre ihre stetige Ableugnung des Armenier-Massakers rund um den Anfang des letzten Jahrhunderts. Ihre "Schoah" haben sie bis zum heutigen Tag, sogar im Schulunterricht, offiziell totschweigen lassen, Deutschland und den Deutschen gegenüber! Der amtierende Staatsminister Herr Gül sei sehr muslimisch in seiner Denkweise, dazu sehr für die anti-westlichen Randgruppen, die der "gebrechlichen" türkischen Demokratie bedrohen.

Stolpersteine auf dem langen Beitrittsweg?
Merlot
zuletzt bearbeitet 25.04.2007 23:55 | nach oben springen

#54

RE: Türkisch als EU Amtssprache ?

in Sprachpolitik 26.04.2007 14:44
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Merlot: Das sind sicherlich Steine im Weg zur EU-Mitgliedschaft.

Nun zur Geopolitik für Amateure (mich). Die Türkei hat eine Außengrenze mit Armenien, Syrien, dem Iran, dem Irak. Diese Grenzgebiete sind mehrheitlich von Kurden bewohnt. Wenn wir die Lage im Irak betrachten, so zeigt sich, daß im kurdischen Norden des Landes die größte politische Stabilität herrscht. Zum ersten Mal in der Geschichte verfügt das kurdische Volk über einen weitgehend autonomen Herrschaftsraum und zeigt auch gleich die vielversprechendsten Ansätze beim Wiederaufbau der Region. Das daraus erstarkende kurdische Selbstbewußtsein wird notwendig über die türkische Grenze gehen. Wie gedenkt Ankara, sich dazu zu verhalten? Hier sehe ich einen Interessenskonflikt zwischen US- und türkischen Interessen heraufziehen: politische Stabilisierung der Region gegen die türkische Dominanz in der mehrheitlich von Kurden bewohnten Osttürkei.

Des weiteren: Die Türkei kontrolliert die Oberläufe von Euphrat und Tigris und somit die Wasserversorgung Syriens und des Iraks. Auch hier besteht gewaltiges Konfliktpotential um die Verteilung lebensnotwendiger Ressourcen, in dem auch die kurdische Frage wieder ihr Haupt erhebt.

Daß man deshalb in Europa zögerlich ist, sich diese Konfliktpotentiale durch die Aufnahme der Türkei vor die Tür oder sogar ins Haus zu holen, dürfte nachvollziehbar sein.

Für die USA dagegen ist die Türkei ein geostrategisch perfekt positionierter Flugzeugträger in den Nahen Osten, der für die unabsehbare Entwicklung im Iran noch von größter strategischer Bedeutung werden könnte. Nur, welchen Nutzen hätte die EU davon?


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In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
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