#1

Heute in der Süddeutschen Zeitung.......

in F r e i s t i l 20.03.2007 11:40
von Der fröhliche Hai

CDU-Politiker gegen Denglisch

Ruf ein Fahrrad

"Sprachlicher Verbraucherschutz": Unionspolitiker fordern den Schutz des Deutschen vor Anglizismen. Millionen Deutsche könnten sich sonst ausgegrenzt und verunsichert fühlen.
Von Jens Schneider

Für viele Kunden der Deutschen Bahn könnten Bahnhöfe höchst verwirrende Orte sein, deren Hinweisschilder sie bestenfalls verunsichern. Vor allem ältere Fahrgäste könnten die Orientierung verlieren, weil sie nicht wissen, was ein Meeting Point ist oder was Call a Bike (wörtlich übersetzt: Ruf ein Fahrad) bedeutet.

Das befürchtet offenbar die junge Christdemokratin Julia Klöckner. Für sie ist die Deutsche Bahn mit ihren Sprachschöpfungen das Paradebeispiel für den Gebrauch zu vieler Anglizismen in Deutschland.

Aber auch die Sprachregelung der Bundesregierung irritiert die Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz - etwa wenn das Familienministerium mit dem englischen Begriff gender mainstreaming den Versuch umschreibt, stets die unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen und Männern zu berücksichtigen.

Ausgegrenzt und verunsichert

Täglich könnten sich Millionen Deutsche, die nur des Deutschen mächtig sind, ausgegrenzt und verunsichert fühlen, glaubt die 34-Jährige. Deshalb soll nach ihrem Willen nun auch in Deutschland - wie seit Jahren in Frankreich - der Gesetzgeber die Wahrung des Deutschen in der Öffentlichkeit garantieren. Bisher hatte die Politik in Deutschland solche Vorstöße eher obskuren Privatinitiativen im Sommerloch überlassen.

Klöckner hat eine Initiative zum „sprachlichen Verbraucherschutz“ gestartet. Sie selbst ist Beauftragte für Verbraucherschutz ihrer Fraktion. Das Vorhaben wird von der Fraktionsspitze unterstützt, eingeklinkt haben sich der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Laurenz Meyer, die Vorsitzende der Enquetekommission des Bundestages, Gitta Connemann, und dazu noch die menschenrechtspolitische Sprecherin Erika Steinbach, bekannt vor allem als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen.

Aufforderung an die Wirtschaft

Die Unionspolitiker wünschen, dass die Bundesregierung in Gesetzestexten und Kampagnen auf verständliche Ausdrucksweise achtet. Auch als Genehmigungsbehörde oder Anteilseignerin - wie bei der Bahn - soll sie die Verwendung der deutschen Sprache gewährleisten.

Die Wirtschaft soll ermuntert werden, etwa Gebrauchsanleitungen generell auch in deutscher Sprache zu verfassen. Die Christdemokraten hoffen, mit dem Koalitionspartner SPD eine gemeinsame Basis für einen Antrag im Bundestag zu finden.

Klöckner verweist auf Umfragen der EU-Kommission, wonach ein Drittel der Deutschen keine Fremdsprache beherrscht. Viele Ältere, aber auch Menschen mit Migrationshintergrund fühlten sich ausgegrenzt. Mehr als 7000 dem Englischen entlehnte Ausdrücke ersetzten derzeit deutsche Wörter.

Die, die sie benutzen, argumentieren, dass es ein Ausdruck von Lebendigkeit und Offenheit sei, wenn eine Sprache neue Begriffe aufnehme. Service oder Make-up waren einst Fremdwörter, gehören jedoch heute zur Umgangssprache. Und dürften Gäste nicht recht schnell begreifen, was sie erwartet, wenn ein Restaurant ein All-you-can-eat-Angebot bereithält?

Klöckner betont, dass es ihr nicht um Fundamentalismus gehe. Die deutschen Begriffe sollten nicht als ausschließlich vorgeschrieben, sondern als zusätzliche Möglichkeit angeboten werden. Alles andere wäre hinterwäldlerisch, sagt sie. Ein weltoffenes Land müsse etwa an Bahnhöfen auch englische Beschriftungen haben. Die Erfahrungen in Frankreich haben bisher gezeigt, dass die staatlichen Versuche, Anglizismen ganz auszuschließen, zum Scheitern verurteilt waren.

(SZ vom 20.03.2007)


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#2

RE: Heute in der Süddeutschen Zeitung.......

in F r e i s t i l 27.03.2007 04:13
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

Hallo Ihr Lieben!

Bevor ich etwas zum Thema schreibe, möchte ich etwas fallen lassen, und zwar eine Bemerkung. Ich finde, die Überschrift „Heute in der Süddeutschen Zeitung“, ist ein bißchen unglücklich gewählt, denn jetzt brauchen wir wohl auch noch einen Bereich für „Heute im Spiegel“, „Heute im Focus“, „Heute im Stern“, „Heute im Mannheimer Morgen“, et cetera, et cetera. Und es besteht die Gefahr, daß in jedem dieser Bereiche je ein Artikel steht, eventuell auch noch eine Antwort, und das war’s dann. Dafür aber wird die Liste von solchen Bereichen gegen unendlich tendieren (wie viele Zeitungen gibt es eigentlich im deutschsprachigen Raum?) und es könnte sein, daß wir uns darin verlaufen. Hätte man das Ding nicht auch einfach „Heute in der Zeitung“ nennen können? Ich will ja nichts sagen, ist nur so eine Idee von mir.

Und nun zur Sache.

Immer wieder höre ich von einem Politiker, der sich wiedereinmal über die Überflutung mit Anglizismen und „BSE“ (Bad simple english) ereifert, aber wann kommen die mal in die Hufe? Reden ist leicht, damit erheischt man Beifall und es kostet nichts. Es kommt aber nicht darauf an, daß man redet, man muß auch mal was tun!

Und weil in dem Artikel, den ich gerade eben las, die deutsche Bahn erwähnt wurde, will ich auch dazu meinen Senf geben.

Die Bahn ist mir Sicherheit eine der größten Sprachschlampen, die wir haben. Mit meinen Freunden treffe ich mich am „Meeting-Point“, eine Ausunft erteilt man mir am „Info-Point“, Fahrkarten erhalte ich im „Ticket-Center“, und wenn ich mal muß, dann muß ich zu „McClean“; da versteht man ja wirklich nur noch Railwaystation!

Gewiß, die ehemalige Deutsche Bundesbahn ist mittlerweile in eine AG umgewandelt, aber sie ist noch nicht an der Börse, will heißen, dieser Betrieb gehört noch immer zu einhundert Prozent dem Bund. Folglich ist der Bund für diesen Laden nach wie vor verantwortlich, dort sage ich: hic rhodos, hic salta!

Aber warum geschieht da nichts? Wieso läßt man Mehdorn und Komplizen gewähren? Können sie nicht oder wollen sie nicht? Oder ist das dasselbe? Ich habe nämlich mal gelernt, daß der, der sagt, daß man nichts tun kann, derselbe ist, der gar nicht will, daß was getan wird. Dann aber mögen die Damen und Herren Politiker uns auch mit ihren kessen Sprüchen verschonen, wenn am Ende doch nur wieder „hot air“ hinten rauskommt!

Grüßchen alle miteinander,
Erika Ciesla

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