#1

CDU will deutsche Sprache schützen

in Sprachpolitik 20.03.2007 23:52
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Ich stelle folgenden Artikel, gefunden bei GMX, unkommentiert hinein:

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Union will Deutsch stärker vor englischen Einflüssen schützen

Die Union will die deutsche Sprache im Alltag stärker vor englischen Einflüssen schützen. Mehrere CDU-Abgeordnete stellten dazu am Dienstag in Berlin eine Initiative zum sprachlichen Verbraucherschutz vor, die für verständliche deutschsprachige Erklärungen an Bahnhöfen und Flughäfen, in Betriebsanleitungen oder auch Gesetzen sorgen soll.

"Wir benötigen einen erweiterten Verbraucherschutz, der sich auch auf das Verständnis von Sprache bezieht", erklärten die Abgeordneten Julia Klöckner, Laurenz Meyer, Erika Steinbach und Gitta Connemann. Es müsse wieder selbstverständlich werden, dass sich ein Verbraucher ausschließlich mit der deutschen Sprache zurechtfinde.

Die Unionspolitiker stören sich etwa daran, dass sich Reisende auf Bahnhöfen am "Service-Point" informieren und sich der Fahrradverleih hinter "Call a Bike" verbirgt. Unverständlich finden sie es auch, wenn Verbraucher im Taxi das Hinweisschild "fasten your seat belts" lesen und damit zum Anschnallen aufgefordert werden. Auch der Begriff "Online-Banking" ist ihnen ein Dorn im Auge.

Bei Gebrauchsanleitungen, in Flughäfen und Bahnhöfen sei Deutsch mittlerweile "Randsprache" geworden, kritisieren die Abgeordneten. Es sei zwar sinnvoll, Flug- und Fahrthinweise auf einem internationalen Verkehrsdrehkreuz zusätzlich in englischer Sprache anzubringen. Es werde für viele Menschen aber "unverständlich und unzumutbar", wenn ausschließlich in Englisch beschriftet oder beworben werde.

Anglizismen sind aus Sicht der Union vor allem deshalb nicht hinnehmbar, da etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung kein Englisch spricht. Dies treffe vor allem auf ältere Menschen zu, aber auch auf Migranten, die aus Integrationsgründen die deutsche Sprache lernen sollten. Diese Menschen würden dadurch "sprachlich ausgegrenzt".

Die Abgeordneten fordern deshalb, dass die Bundesregierung als Vorbild vorangehe und Gesetzestexte oder Werbekampagnen in "verständlicher deutscher Sprache" verfasse. Die Regierung soll zudem als Anteilseigner oder Genehmigungsbehörde darauf achten, dass etwa in Bahnhöfen oder Flughäfen neben der englischen die deutsche Sprache zwingend genutzt wird. Zudem appellieren die Unionspolitiker an die Wirtschaft, Gebrauchsanleitungen, Garantiebedingungen oder Rechnungen und Verträge auf Deutsch herauszugeben.

Mit dem Schutz der deutschen Sprache nimmt es aber auch die Union nicht immer ganz genau: So lässt sich auf der Internet-Seite der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein "Newsletter" abonnieren, um regelmäßig über die Arbeit der Fraktion informiert zu werden. Fraktionschef Volker Kauder wendet sich in "Podcasts" an die Bürger. Und die Abgeordneten stellen sich im "Who is Who der CDU/CSU-Fraktion" vor.

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zuletzt bearbeitet 20.03.2007 23:52 | nach oben springen

#2

RE: CDU will deutsche Sprache schützen

in Sprachpolitik 20.03.2007 23:56
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
In der Internetzpräsenz der "Tagesschau" findet sich folgender Bericht zum Thema:

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"Sprachlicher Verbraucherschutz"
Die Union kämpft gegen Denglisch

Das Englische durchdringt die deutsche Sprache - vom "Callcenter" und "Sale" bis hin zum "Carsharing." Viele Deutsche können aber mit diesen Begriffen nichts anfangen. Höchste Zeit, die eigene Muttersprache besser zu pflegen, findet eine Arbeitsgruppe der Union. Sie fordert eine Rückbesinnung auf "die Schatzkiste der deutschen Sprache".


Von Ulrich Bentele, tagesschau.de

Die Bahn ist mal wieder der Bösewicht. Nein, nicht häufige Verspätungen prangern Politiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an, es ist die Sprachwahl der Bahn, die für andauernde Verstimmung sorgt. Ein Drittel der Deutschen kann nur deutsch, was also ist von Angeboten wie "Surf & Rail", "DB Carsharing" oder verquasten Auskünften wie "Call A Bike Standort" zu halten? Nichts, meint eine Arbeitsgruppe der Union und fordert mehr Deutsch in Deutschland. Der Verständlichkeit wegen.

Union: Sprachpflege ist Verbraucherschutz

"Wir brauchen einen erweiterten Begriff von Verbraucherschutz", sagt die junge CDU-Abgeordnete Julia Klöckner. Die "zunehmende Verwendung von Anglizismen ohne Not" stößt ihr schon länger sauer auf. Es sei doch zumindest befremdlich, wenn im deutschen Supermarkt-Regal ein "Eye-Makeup-Remover" ohne jeden deutschen Hinweis stehe, um was es sich handele, meint Klöckner. "Das hört sich alles ganz toll an, nur verstehen tut es keiner mehr." Teilweise komplett in englisch gehaltene Verpackungsbeschriftungen, verwirrende Hinweisschilder auf Bahnhöfen und pseudomoderne Sprachwendungen hat sie deshalb den Kampf angesagt und mit Kollegen zum Pressegespräch geladen.

Dort begeht die Pressesprecherin der Unionsfraktion aber erst einmal einen kleinen Fauxpas, als sie die anwesenden Journalisten auf ein "Hand-Out" zum Thema hinweist. Schnell verbessert sie sich: "Wir haben ein Thesenpapier vorbereitet." Und darin schlägt die Union Alarm: "In Flughäfen und Bahnhöfen ist Deutsch mittlerweile Randsprache geworden" heißt es. "Täglich werden so Millionen von Menschen in Deutschland ausgegrenzt", sind sich die politischen Sprachpfleger sicher.

Rückgang deutscher Vokabelkompetenz

Woran es liegt, dass die Deutschen dem Deutschen das (D)englische vorziehen, meint die Kulturpolitikerin Gitta Connemann zu wissen. Die Deutschen seien dabei, ihr "wichtigstes Kulturgut, die Sprache" zu verlieren. "Die Deutschen werden sprachlos", sagt sie und beklagt den frappierenden Rückgang an deutscher Vokabelkompetenz in der Gesellschaft. "Viele Deutsche sind nach wie vor auf der Flucht und leiden an ihrer Vergangenheit", ist sie überzeugt. Dieses "gestörte Verhältnis zum Patriotismus" drücke sich auch in einem mangelnden Selbstbewusstsein die eigene Sprache betreffend aus.

Unterstützung kommt von institutionalisierten Deutsch-Freunden der "Stiftung Deutsche Sprache" und vom "Verein der Deutschen Sprache". Deren Vorsitzendsmitglied Menno Aden beklagt, dass Deutschland der große Vorreiter in Sachen Verbraucherschutz in Europa sei, die Pflege der eigenen Sprache aber vergesse. Dabei stellt er aber auch klar, dass es nicht darum gehe, die deutsche Sprache vor Veränderungen zu schützen. "Wir sind keine rückwärtsgewandten Fremdwort-Jäger." Wenn aber etwa ein Hinweisschild mit "Not Stop" beschrieben sei, wisse doch niemand, ob dies nun ein Nothalt sei oder eher komplettes Halteverbot anzeige.

Kein "Sprachfundamentalismus"

Auch die Unionspolitiker wenden sich gegen "Sprachfundamentalismus". Der Bürger habe aber ein Recht darauf, zu verstehen, was er liest - vor allem was die Sicherheit angehe, etwa bei Gebrauchsanweisungen. Da kann sich die CDU auch eine Gesetzesinitiative vorstellen. An die Privatwirtschaft mit ihren "angloteutonischen" Werbekampagnen soll allenfalls ein Appell ausgehen, doch bitte ein wenig mehr auf Verständlichkeit zu achten. "Wir wollen aber nicht vorschreiben, nicht verpflichten, nicht sanktionieren", stellt Wirtschaftpolitiker Laurenz Meyer klar.

Als leuchtendes Vorbild soll einmal mehr die Politik vorangehen. Man werde darauf achten, Schriftstücke des Bundestages und der Bundesregierung in klar verständlichem Deutsch zu verfassen. Und vor allem in Unternehmen, in denen der Bund Anteilseigner ist - Telekom und Bahn - soll darauf hingewirkt werden, dass deutsche Texte möglichst auch deutsch klingen sollen.

Dann erzählt Klöckner noch von einem Gespräch mit Bahn-Vorstand Otto Wiesheu, dem früheren bayerischen Wirtschaftsminister. Der habe ihr gestern erst von einem tollen neuen Bahn-Service namens "Touch & Travel" vorgeschwärmt. Was darunter zu verstehen sein, habe sie gefragt. Darauf Wiesheu: "Das ist ein Handy-Dienst, aber ehrlich gesagt klingt das für mich erst einmal nach Fummeln & Fahren."

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zuletzt bearbeitet 20.03.2007 23:58 | nach oben springen

#3

RE: CDU will deutsche Sprache schützen

in Sprachpolitik 21.03.2007 09:51
von Bastian • 42 Beiträge
Von einem Appell erwarte ich mir annähernd nichts; und wenn das „wichtigste Kulturgut, die Sprache“, nicht wichtiger als ein Appell ist, hat sich am Denken wenig geändert.
zuletzt bearbeitet 21.03.2007 09:52 | nach oben springen

#4

RE: CDU will deutsche Sprache schützen

in Sprachpolitik 21.03.2007 11:59
von Der fröhliche Hai

Ein Sprachgesetz würde das ändern......


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#5

RE: CDU will deutsche Sprache schützen

in Sprachpolitik 21.03.2007 13:07
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

... aber nicht das Problem Denglisch beheben.


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#6

RE: CDU will deutsche Sprache schützen

in Sprachpolitik 21.03.2007 13:31
von Der fröhliche Hai

Beheben nicht, aber eindämmen!
Wo wir hinkommen, wenn jeder Marketing und Werbewirrkopf, dazu noch ein paar von der Journaille schreiben und machen können wie sie wollen, sehe ich jeden Tag in der Innenstadt.

Wer gegen ein Sprachgesetz ist, verkennt, daß es hier auch verschiedene Ausgestalltungsmöglichkeiten gibt. Viele neue Denglischbegriffe würden sich dann erst gar nicht mehr einbürgern, müssten also folglich nicht mühsam bekämpft werden. Vorbeugen ist besser als heilen, gelle?

Es grüßt der fröhliche Hai (mit einer Ausgabe des "Deutschen Sprachgesetz" unter den Flossen.......


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#7

RE: CDU will deutsche Sprache schützen

in Sprachpolitik 21.03.2007 14:04
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

Darf ich diese Ausgabe mal sehen, vielleicht unterschreibe ich ja einiges?


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#8

RE: Nachfragen an Tybalt

in Sprachpolitik 26.03.2007 23:00
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

Zumindest sollte man die Kirche im Dorf lassen.

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#9

RE: CDU will deutsche Sprache schützen

in Sprachpolitik 16.04.2007 19:51
von Merlot • 37 Beiträge

Die Frage ist für mich NICHT der unvermeidliche Einfluss des Englischen ins Deutsche, sondern des "Denglischen"! Englisch an für sich kann eine Sprache ebenfalls bereichern, jedoch ist "Denglisch" ein komisches Mittelding; weder Fisch noch Fleisch, weder Deutsch noch Englisch!

Auch falscher/schlechter Englischgebrauch seitens Nicht-Muttersprachler, wie ein PC-Virus, kann der Grundsprache schaden, damit er Fehler darein 'reingibt, die vielleicht nie wieder 'rauskommen werden, weil sie den Nährboden dieser Sprache verseucht, bzw. infestiert, haben. Und da liegt die Gefahr!
Merlot

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#10

RE: CDU will deutsche Sprache schützen

in Sprachpolitik 19.04.2007 19:27
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

Moin Merlot,

zu dieser These habe ich im Faden "Englisch gegen Deutsch..." etwas geschrieben.

Zitat von Merlot

Auch falscher/schlechter Englischgebrauch seitens Nicht-Muttersprachler, wie ein PC-Virus, kann der Grundsprache schaden, damit er Fehler darein 'reingibt, die vielleicht nie wieder 'rauskommen werden, weil sie den Nährboden dieser Sprache verseucht, bzw. infestiert, haben. Und da liegt die Gefahr!
Merlot


Das halte ich zunächst eher für unwahrscheinlich. Es liegt nämlich eine räumliche Trennung des Literaturenglisch und des "schlechten Englischs" vor. Denn diejenigen, die englisch um der Sprache und der Unterhaltung willen schreiben, werden nicht oder nur wenig von dem "schlechten Englisch" berührt.

Anders hier in Deutschland: Das "schlechte Deutsch" wird durch die Medien verbreitet. Dazu gehört Denglisch genauso wie ein falscher Sprachgebrauch. Man liest in zunehmendem Maße, wie Texte "umgangssprachlich" formuliert sind, ohne daß der Autor es unbedingt beabsichtigt. Natürlich können auch im Englischen Stil und Ausdruck von den Medien abhängen. Doch werden dort wohl nicht die Fehler von englischunkundigen Ausländern ausschlaggebend sein.

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#11

RE: CDU will deutsche Sprache schützen

in Sprachpolitik 20.04.2007 13:34
von Merlot • 37 Beiträge
"Doch werden dort wohl nicht die Fehler von englischkundigen Auslaendern ausschlaggebend sein."

Tja, das hoffen wir! Allerdings wer weiss es wirklich?
Merlot
zuletzt bearbeitet 20.04.2007 13:35 | nach oben springen


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