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Schlechtes Deutsch - Gedanken zur deutschen Aussprache in den audiovisuellen Medien

in Deutsch in Medien und Literatur 30.07.2008 14:03
von AndyOSW • 631 Beiträge

Schlechtes Deutsch - Gedanken zur deutschen Aussprache in den audiovisuellen Medien

© http://www.YoAsal.de/Texte/schlechtes_deutsch.htm
letzte Aktualisierung : 26. Juli 2008

Immer wieder fällt dem Autor dieser Zeilen die schlechte Aussprache von Moderator(inn)en, Nachrichtensprecher(inn)en und Korrespondent(inn)en auf.
Von wenigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen (im Radio des Deuschlandfunks sprechen immerhin noch die meisten Nachrichtensprecher/innen - leider nicht alle Kommentator/innen - noch richtig deutsch) hat sich bei den meisten von ihnen die vor allem in nördlicheren Gefilden sehr verbreitete Angewohnheit durchgesetzt, Ä-s wie E-s auszusprechen. Dies ist aus verschiedenen Gründen bedauerlich.
So weist das ä in vielen Wörtern auf die Etymologie (u.a. bei lateinisch-stämmigen Wörtern - z.B. kommt "Qualität" von qualitas, qualitatis) hin. Der Schäfer beispielsweise heißt so, weil er mit Schafen zu tun hat, und Räder sind die Mehrzahl von Rad und haben absolut nichts mit den Betreibern von Schifffahrtsgesellschaften zu tun.

Nun könnte man sagen: "Warum kommt es dann auf eine deutlich unterscheidende Aussprache an?" Darauf lautet eine weitere Antwort: "Weil eine falsche Aussprache oftmals blanken Unsinn hervorbringt".
Dazu einige Beispiele, wie sie schon tausendfach in Radio und Fernsehen zu hören waren:

Die Lottozahlen ohne Gewehr zu verkünden, entbehrt wenigstens nicht einer gewissen Situationskomik, da man sich vorstellen kann, dass der/die betreffende Sprecher/in die zuhörenden Lottospieler/innen noch einmal ausdrücklich ermahnen möchte, sich nicht das Leben zu nehmen, wenn man keine sechs Richtigen hat.

Beeren trotten - entgegen der Meinung vieler Sprecher(innen) - durchaus nicht brummend durch die Wälder auf der Suche nach Nahrung, sondern wachsen an Sträuchern und Bäumen, und können sich daher also nicht selbständig fortbewegen.

Wenn eine Kunstausstellung in "schlecht ausgeleuchteten Seelen" (O-Ton Deutschlandfunk ... bedauerlicherweise!) stattgefunden hat, stellt sich die Frage, ob man dies unserem Schöpfer oder den Organisatoren der Ausstellung vorwerfen muss.

Wenn von Personen die Rede ist, die infolge einer Krankheit oder eines Unfalls gelehmt sind, könnte man flapsig erwidern "Dann wasch den Lehm doch einfach ab!" Nur ist das Thema eigentlich zu ernst für Witze dieser Art.

Geradezu grotesk wird es aber, wenn immer wieder von Flughefen gesprochen wird. Hefen (als Mehrzahl von Hefe) kommen u.a. bei der alkoholischen Gärung oder beim Auftreiben eines Brotteiges zum Einsatz, aber nicht als Knotenpunkt bei der Fortbewegung von Menschen oder Frachtgut durch die Luft. Auch habe ich bisher noch nicht davon gehört, dass diese Hefen sich selbst fliegenderweise verbreiten - biologisch versiertere Leser dürfen mich natürlich eines Besseren belehren, wenn dem doch so sein sollte.

Abgesehen davon, dass also die falsche Aussprache oftmals unsinnig ist, dient sie auch ganz allgemein gesprochen nicht gerade der Verständlichkeit, ganz besonders im Hinblick auf Menschen mit nachlassendem Gehörsinn oder Menschen, die (noch) nicht besonders gut deutsch sprechen und verstehen.

Bei Leuten wie Politikern oder anderen Promis, die gelegentlich im Fernsehen auftreten, sind solche Dialekt-Varianten durchaus zu entschuldigen, aber beim anfangs erwähnten Personenkreis, dessen Beruf sich ja überwiegend um die Anwendung und Verbreitung der deutschen Sprache dreht, sollte man es aus einer professionellen Einstellung heraus als selbstverständlich ansehen, sich eine sinnverzerrende Aussprache abzugewöhnen zugunsten einer korrekten und dem Sinn entsprechenden deutschen Hochlautung, wie sie in jedem Wörterbuch zu finden ist (man fragt sich dabei unwillkürlich, ob diese Damen und Herren überhaupt eine professionelle Sprecherziehung genossen haben, und, falls ja, bei was für unprofessionellen Lehrkräften!!). Schauspieler und andere Fernsehleute aus Österreich und der Schweiz (ich denke da z.B. an einen populären Meteorologen) zeigen einen besonderen Eifer beim Erlernen der norddeutsch gefärbten Dialektvariante - wohl in der irrigen Annahme, es handele sich dabei um Hochdeutsch... sie sollten sich lieber die weiter unten aufgeführten Kolleg(inn)en als Vorbild nehmen.

Auch der Rechtschreibung unserer Kinder - PISA lässt grüßen - wäre eine korrektere Aussprache in den Medien sicherlich nicht abträglich.

Ich habe lange gezögert, aber da die Personen, die in den audio-visuellen Medien (noch) gutes Deutsch repräsentieren, leider immer rarer werden, möchte ich hier eine Positivliste* beginnen, die ich jederzeit gerne und mit großer Genugtuung ergänze (Hinweise per eMail nehme ich dankbar entgegen - schließlich sehe ich auch nicht 24 Stunden am Tag fern).

Positivliste von Repräsentant(inn)en guter deutscher Aussprache
in den audio-visuellen Medien (kleinere Ausrutscher toleriert):
Susanne Daubner (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Katja Horneffer (TV-Meteorologin)
Gert Scobel (TV-Moderator/Journalist)
Eva Herman (Ex-Nachrichtensprecherin... hat zwar eine gute deutsche Aussprache, aber ihre öffentlichen Äusserungen lassen leider vermuten, dass sie nicht allzu viel von Geschichte versteht)
Thorsten Schröder (Nachrichtensprecher/Journalist )
Sandra Maischberger (Talkmasterin/Journalistin)
Sven Plöger (TV-Meteorologe)
Anne Will (Nachrichtensprecherin/Journalistin - mit gelegentlichen Schwächen)
Johannes B. Kerner (Talkmaster - zeicht allerdings gelegentliche Schwächen)
Valerie Haller (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Jens Riewa (Nachrichtensprecher/Journalist) [hatte sich einmal mehrere böse Ausrutscher in Folge geleistet "gefehrdet, Vertrege, 150-jehrige Geschichte, ohne Gewehr" - dies alles in derselben Sendung am 24.5.06 - aber da er sich in letzter Zeit deutlich gebessert hat, steht er vorläufig wieder hier...]
Martina Meisenberg (TV-Moderatorin/Journalistin)
Claus Kleber (Nachrichtensprecher/Journalist)
Gundula Gause (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Katja Wölfing (TV-Moderatorin/Journalistin)
Steffen Seibert (Nachrichtensprecher/Journalist)
Wolfgang Heim (Radio-Moderator/Journalist)
Anne Gesthuysen (TV-Moderatorin/Journalistin)
Judith Rakers (Nachrichtensprecherin/TV-Journalistin)
Marietta Slomka (Nachrichtensprecherin/Journalistin - hat allerdings ebenfalls noch nicht realisiert, dass das Wort "Militär" nicht von dem Straßenbelag "Teer" abgeleitet ist)
Peter Hahne (TV-Journalist)
Marietta Slomka (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Stefan Siller (Radio-Moderator/Journalist)
Patricia Schäfer (TV-Moderatorin/Journalistin)
Constanze Pollaschek (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Astrid Prit (Nachrichtensprecherin/Journalistin)
Petra Gerster (Nachrichtensprecherin/TV-Journalistin)
Tom Buhrow (Nachrichtensprecher/Journalist)
Annika de Buhr (Nachrichtensprecherin/TV-Journalistin)
Karen Webb (TV-Moderatorin)
Sina Habermann (Nachrichtensprecherin)

*Diese Auflistung richtet sich weder nach Sympathie noch nach politischer Gesinnung, sondern ausschließlich nach der (wenigstens annähernd) vorbildlichen deutschen Aussprache.

Quelle: http://www.yoasal.de/Texte/schlechtes_deutsch.htm

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