#16

RE: Kämpfe für Deutsch!

in F r e i s t i l 26.04.2007 00:57
von gnomus • 62 Beiträge

Liebe Erika,
ich bin am letzten So ziemlich böse vom Rad gefallen. In einer Straßenbahnschiene stecken geblieben. Ich kann jetzt nur noch mit der linken Hand tippen, also möge man mir eventuelle Schreibfehler verzeiehn.
Ich hatte zwar ein Handy mit, aber ich war weder in der Lage, es aus der Tasche zu holen noch damit zu telefonieren, weil ich kaum noch Luft bekam. Ein paar junge Leute hatten den Notdienst gerufen und sich um mich und mein Rad gekümmert. Ich weiß nicht mehr, wie gut sie die hochdeutsche Sprache beherrschen. Aber jedenfalls ist mir viel lieber "geholfen zu werden" als in reinstem Hochdeutsch ignoriert zu werden.

Mögen uns weitere Unfälle erspart bleiben!
Gruß
Gnomus

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#17

RE: Kämpfe für Deutsch!

in F r e i s t i l 26.04.2007 13:07
von Erika Ciesla • 116 Beiträge
Lieber Gnomus,
Zitat von Gnomus
ich bin am letzten So ziemlich böse vom Rad gefallen. In einer Straßenbahnschiene stecken geblieben.

Oh, das ist ganz übel! Wenn man in der Straßenbahnschiene einspurt, hat man überhaupt keine Chance mehr, der Sturz ist unabwendbar.

Ich habe mal einen ähnlichen Fall erlebt, aber damals noch als Autofahrerin. ALDIweil es sich staute, hat mich ein Radfahrer überholt. Als er vor mir wieder nach rechts ziehen wollte, geriet er in die Schiene und kam (das kennst Du ja nun) zu Fall.

Die Endsituation dieses Unfalls war, daß der Mann unter meinem Auto lag und mit der Nasenspitze das Profil meines Reifens berührte. Das hätte man photographieren müssen, denn das sah so komisch aus, daß wir uns alle einen Ast gelacht haben.

Der Mann blieb unverletzt und auch sein Fahrrad wies nur geringe Beschädigungen auf, war sogar noch uneingeschränkt fahrbar. Aber was für ein Glück der Mann hatte, daß mein Auto leer war! Mit einer Tonne Fracht auf der Pritsche wäre der jetzt tot, denn so eine Masse schiebt ganz ordentlich. So also konnten wir über diesen Unfall auch noch lachen, anderenfalls wäre am nächsten Tag im Mannheimer Morgen gestanden: »die Fahrerin des LKW erlitt einen Schock.«

Tu mir bitte einen Gefallen und achte künftig darauf, solche Schienen stets mit einem Winkel von nicht weniger als 30, besser 40 Grad zu queren, Du hast ja nebbich am eigenen Leib erfahren, warum das wichtig ist.
Zitat von Gnomus
Aber jedenfalls ist mir viel lieber "geholfen zu werden" als in reinstem Hochdeutsch ignoriert zu werden.

Das allerdings ja!

Gute Besserung wünscht dir,
Erika Ciesla
zuletzt bearbeitet 26.04.2007 13:37 | nach oben springen

#18

Ein Pamphlet wider der Einfallslosigkeit!

in F r e i s t i l 26.04.2007 14:30
von Erika Ciesla • 116 Beiträge
Liebe Gemeinde!

Es gab einmal eine Zeit, da gaben wir uns noch richtig Mühe, für neue Dinge auch neue Namen zu finden. Jeder Koch weiß zum Beispiel, was eine »flotte Lotte« ist, so wie sich jeder Musikliebhaber etwas unter einer »Schallplatte« vorstellen kann. Heute würde man sich gar nicht mehr die Mühe machen und das Ding »Audiodisk« nennen, nicht wahr?

Wir erkennen diese Geringschätzung unserer eigenen Sprache unter anderem daran, daß es seinerzeit wohl einen Plattenspieler gab, aber es gibt keinen CD-Spieler mehr, das ist jetzt ein Player. Dasselbe erkenne ich auch beim Tonbandgerät und beim Videorecorder, warum darf das eigentlich kein Videogerät sein?

Just in diesem sinne sah ich neulich in der Glotze einen Bericht über Luftkissenfahrzeuge, aber der Moderator laberte andauernd von Hovercrafts, tut das not? gewiß, das Wort »Luftkissenfahrzeuge« ist lang und irgendwie unbequem, man könnte ja Zeit verlieren wenn man das sagt. Doch mit etwas Einfallsvermögen hätte man dazu ein Kurzwort bilden können, zum Beispiel »Luki«, oder nicht? Da würden sogar die Engländer staunen, wie kurz und knapp und zugleich treffend man Dinge auf deutsch benennen kann, würden sie nicht?

Was ich damit sagen will: es gibt so viele Dinge, die man ganz selbstverständlich mit einem deutschen Namen belegen könnte (z.B. »Klapprechner« statt »Laptop« oder »Vorsetzer« statt »Set top box«), aber wir geben uns ja nicht einmal mehr die Mühe, diese Worte zu finden. Das Problem ist also: uns fällt einfach nichts mehr ein!

Nun mag ja manch einer glauben, »Klapprechner« sei lächerlich aber ist denn »Schoß-Oberseite« in irgend einer Weise besser? Und gab es nicht auch mal einen »Taschenrechner«, bevor dieser vom »Pocket-calculator« verdrängt wurde? Dito der »Vorsetzer«, der ist keinen Deut schlechter als die »Setz-obendrauf-Kiste«, nicht wahr?

Seien wir doch endlich mal wieder kreativ, früher haben wir das doch auch gekonnt!

Erika Ciesla
zuletzt bearbeitet 26.04.2007 14:30 | nach oben springen

#19

RE: Ein Pamphlet wider der Einfallslosigkeit!

in F r e i s t i l 27.04.2007 19:21
von Vertaler • 41 Beiträge

Sie haben beim Tonband und Video die Zwischenstufe vergessen: den Kassettenrekorder. Hat nie Kassettengerät geheißen. Und da es nun einmal auch Videokassetten sind …
Und wieso sollte es keine CD- (und auch DVD)-Spieler geben? Man sieht sie doch überall.
Ich wußte auch gar nicht, daß der Taschenrechner verdrängt wurde (sogar schon abgeschlossen!), ich nenne ihn weiterhin so und hab das andere Wort auch noch nirgendwo gehört oder gelesen. Komisch.
Meinen Laptop nenn ich eigentlich fast immer Schlepptop, weil ich ihn des öfteren herumschleppe. Paßt doch gut und ist zumindest halbwegs durchsichtig.

Irgendwie sehe ich das Problem wohl nicht so ganz … Wörter wie „CD-Spindel“ oder „Fremdschämen“ zeugen doch von Kreativität mit der eigenen Sprache, oder nicht? Jeder Sprecher kann sagen, was er möchte, solange er dabei verstanden wird – also nicht nur zur Kreativität mahnen, sondern selbst kreativ sein und neue Wörter eigenständig in Umlauf bringen. Oder auch nicht, muß ja auch nicht unbedingt sein.


--
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