#16

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 29.05.2010 14:23
von Gernot Klein • 18 Beiträge

Echt zweisprachig sein und z.B. Englisch "wirklich sehr gut" koennen, sind zwei verschiedene Dinge, bestaetigt mir schon langjaehrige Erfahrung. Obwohl es stimmt, dass recht viele Niederlaender sowie Skandinavier solide Englischkenntnisse besitzen, beherrschen oft auch noch ein paar andere Sprachen, sind das schliesslich u. endlich eher 'angelernte'/'erlernte' gegenueber den vom Elternhaus aus erworbenen 'Muttersprachkenntnissen' eines wahrhaftig bilingualen Menschen!

Besonders Eure nordischen Nachbarn bilden sich zwar ein, dass sie total zweisprachig Schwedisch, Daenisch, Norwegisch/Englisch sind, hapern oefter doch gewaltig auf einem hoeheren bzw. akademischen Unterhaltungsniveau, wo ein erweitertes Vokabular verlangt wird.

Zum Schluss lass uns aber bitte gute Schulenglischkenntnisse von richtiger Zweisprachigkeit mal unterscheiden:-)

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#17

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 29.05.2010 16:25
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Das wird hier mehr oder weniger eine Debatte über die Definition von Zweisprachigkeit. In der Regel wird Zweisprachigkeit so definiert, wie Sie den Begriff auch anwenden, also daß ein Mensch von klein an wirklich in zwei aktiven Sprachen aufwächst, etwas, das das englisch untertitelte dänische Fernsehen alleine wohl nicht leisten kann. Also das Beispiel deutscher Vater und italienische Mutter. Nach dieser Definition haben Sie vollkommen recht.

Ich definiere (willkürlich und völlig anfechtbar) Zweisprachigkeit einmal so, daß ein Mensch sich in zwei Sprachen weitestgehend fehlerfrei, sagen wir zu 85%, mündlich und schriftlich verständigen kann.

(Nach dieser Definition sind viele Leute nullsprachig, aber lassen wir das. )


zuletzt bearbeitet 29.05.2010 16:30 | nach oben springen

#18

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 29.05.2010 16:49
von Gernot Klein • 18 Beiträge

Hundertprozentig einverstanden!

Aber auch auf die Stellungnahme dazu von anderen Forum-Mitgliedern bin ich erpicht:--)

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#19

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 30.05.2010 09:42
von AndyOSW • 631 Beiträge

Obwohl ich englisch zu fast 100% verstehe (lesen, hören), mich mit Hilfe eines geeigneten Wörterbuches verständlich ausdrücken kann (schreiben), würde ich mich nicht als zweisprachig bezeichnen.

Zweisprachigkeit ist auch für mich durch die Herkunft der Eltern bedingt, wenn denn im Elternhause beide Sprachen an die Nachkommen weitergegeben werden.

Ein anderer Fall direkt aus meinem Umfelde: Vater ist Mosambikaner (lebt seit 1980 in der DDR/BRD, spricht portugiesisch und deutsch), Mutter Portugiesin (spricht ebenfalls portugiesisch und deutsch). Die Eltern sprechen zu Hause meistens deutsch, vor allem mit dem Kind (7 Jahre). Portugiesisch reden die Eltern nur untereinander, aber eher selten. Das Kind kann ein paar portugiesische Brocken. Das Kind ist für mich nicht mehr zweisprachig, die Eltern schon noch.

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#20

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 02.06.2010 14:19
von Gernot Klein • 18 Beiträge

Zitat von AndyOSW
Obwohl ich englisch zu fast 100% verstehe (lesen, hören), mich mit Hilfe eines geeigneten Wörterbuches verständlich ausdrücken kann (schreiben), würde ich mich nicht als zweisprachig bezeichnen.

Zweisprachigkeit ist auch für mich durch die Herkunft der Eltern bedingt, wenn denn im Elternhause beide Sprachen an die Nachkommen weitergegeben werden.

Ein anderer Fall direkt aus meinem Umfelde: Vater ist Mosambikaner (lebt seit 1980 in der DDR/BRD, spricht portugiesisch und deutsch), Mutter Portugiesin (spricht ebenfalls portugiesisch und deutsch). Die Eltern sprechen zu Hause meistens deutsch, vor allem mit dem Kind (7 Jahre). Portugiesisch reden die Eltern nur untereinander, aber eher selten. Das Kind kann ein paar portugiesische Brocken. Das Kind ist für mich nicht mehr zweisprachig, die Eltern schon noch.


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#21

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 02.06.2010 14:23
von Gernot Klein • 18 Beiträge

Sie sind aber klug, wenn Sie da einsehen, dass "fast 100%" ist nicht 100%, was nur in diesem Fall der eingeborene englische Muttersprachler sein kann. Ich selbst kann auch mehrere Sprachen, zB. Polnisch, das ich momentan schaetze, ich kann fast so gut verstehen/sprechen wie Deutsch; zweisprachig bin ich doch kaum


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#22

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 02.06.2010 19:05
von AndyOSW • 631 Beiträge

Ich glaube, 100%ig im Zusammenhange mit Sprachen gibt es nicht - ich muss selbst ab und an im Duden nachschlagen.

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#23

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 02.06.2010 21:18
von Gernot Klein • 18 Beiträge

Sogar ich auch:-)Vor allem bei neuen veramerikanisierten Woertern, z.B. Blackberry. Im Universal-DUDEN steht "das" neben "der" Blackberry.


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#24

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 02.06.2010 21:52
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Ich stimme Andy zu, daß es im Zusammenhang mit Sprache nichts hundertprozentiges gibt.

Ich bin von morgens bis abends von englischen Muttersprachlern umgeben, und hundertprozentig ist da nichts. Das soll aber anderswo auch nicht besser sein, um Gerechtigkeit walten zu lassen.

Nach sechs Jahren im Land bin ich ziemlich fließend, aber von Perfektion kann keine Rede sein.

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#25

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 03.06.2010 19:32
von Gernot Klein • 18 Beiträge

Sehr richtig, Schamane!

Nur leidergottes verwechseln allzuviele (besonders Nordeuropaeer!)diese ewig danach gestrebte doch unerreichbare "Perfektion" mit der generellen Fluessigkeit in einer Fremdsprache; das Erstere hat mit dem Letzteren ja gar nichts zu tun, ist im Endeffekt allein ein sehnlicher Wunschtraum und nichts mehr.

Ich werde es irgendwie mal versuchen, mit diesem Faden noch weiter fortzusetzen, ist mir momentan zeitlich etwas knapp bemessen.


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#26

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 04.06.2010 16:09
von Gernot Klein • 18 Beiträge

Fortsetzung folgt sogleich:-)

Ein ansehnlicher Geschaeftsmann aus Duesseldorf ist unlaengst bei uns im Buero angekommen, verkuendet der Sekretaerin, er sei Herr Soundso aus "Germany" und habe in einigen Minuten Besprechung mit unserem Chef (einem total einsprachigen Englaender aus Liverpool, uebrigens!). Fein. Alles soweit in Ordnung. Er ueberreicht der Vorzimmerdame sein Visitenkaertchen, worauf es schwarz-weiss steht 'Dipl.-Ing. Dr. Walther Brakensiek - Undertaker'. Der Chef kommt aus seinem Buero, schuettelt ihm die Hand und schaut gleich auf die Visitenkarte. "Oh, you're in the funeral business, eh? Well, it'a a lot quieter than most other lines of work, what?" Ganz verworren, kuckt der Deutsche meinen Chef an und wurde ploetzlich rot im Gesicht: Undertaker = Leichenbestatter, er meinte aber "entrepreneuer" = Unternehmer (wortwoertlich: "under + taker". LOL
Lustig, was??


zuletzt bearbeitet 04.06.2010 16:15 | nach oben springen

#27

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 05.06.2010 00:18
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Auf diesen "false friend" sind schon viele hereingefallen, nicht nur Bestattungsunternehmer.

Und was ist ein "entrepreneuer"? Ein frischgebackener Jungunternehmer? Oder eher ein Tippfehler?


zuletzt bearbeitet 05.06.2010 13:47 | nach oben springen

#28

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 05.06.2010 14:15
von Gernot Klein • 18 Beiträge

....sowie ein "Ultranehmer":-)) Oder ein Tippfehler? LOL


zuletzt bearbeitet 05.06.2010 14:34 | nach oben springen

#29

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 20.11.2012 11:26
von Uludag • 1 Beitrag

Zitat von Schamane im Beitrag #1
http://www.cramlr.com/de/categories/2-languages



Überraschender Parteitagsbeschluss
CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern


Die deutsche Sprache soll nach dem Willen der CDU Verfassungsrang erhalten. Die CDU entschied auf ihrem Stuttgarter Bundesparteitag, dass ein Bekenntnis zur deutschen Sprache ins Grundgesetz aufgenommen werden soll. Dieses soll lauten: "Die Sprache in der Bundesrepublik ist Deutsch." Eine große Mehrheit der Delegierten plädierte gegen den Willen der Parteiführung für einen entsprechenden Zusatz im Grundgesetz.

Viele CDU-Politiker sehen nach eigenen Worten keine Gefahr, dass der Beschluss Bevölkerungsgruppen ausgegrenze, die eine andere Muttersprache haben. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Deutsch ist das Band, das uns verbindet." Sprache sei die Grundlage für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Das gelte auch für die Integration von Migrantinnen und Migranten.

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Deutsch in der Öffentlichkeit: Die deutsche Sprache ist schon heute im öffentlichen Bereich gesetzlich vorgeschrieben. So bestimmt das Gerichtsverfassungsgesetz in Paragraf 184: "Die Gerichtssprache ist deutsch." Auch der Schriftverkehr in allen Ämtern muss in deutscher Sprache geführt werden. Im Verwaltungsverfahrensgesetz heißt es dazu: "Die Amtssprache ist deutsch." Wer Anträge in einer fremden Sprache stellt, muss eine Übersetzung vorlegen.

Unabhängig von diesen Vorschriften dürfen Universitäten oder Schulen einen Teil ihres Lehrangebots in einer Fremdsprache unterrichten. So gehen deutsche Universitäten zunehmend dazu über, einen Teil ihrer Vorlesungen auf Englisch anzubieten. Auch an weiterführenden Schulen gibt es sogenannten bilingualen Unterricht.
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"Eine schiere Selbstverständlichkeit"

Bundestagspräsident Norbert Lammert wies darauf hin, dass es in den meisten Verfassungen der EU-Staaten ein solches Bekenntnis gebe. Wenn Deutschland dem folge, sei das eine "schiere Selbstverständlichkeit" und habe nichts mit einem Nationalchauvinismus zu tun. Saarlands Ministerpräsident Peter Müller meinte, die Partei müsse sich klar dazu bekennen, "was den Staat ausmacht". Neben der Flagge gehöre dazu auch die deutsche Sprache.

Die CDU-Delegierten stellten sich mit ihrem Votum ausdrücklich gegen den Vorschlag von CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Dieser hatte angeregt, den Antrag an die CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu überweisen. Der Antrag sei in der Sache völlig unstrittig. Es sei aber sinnvoller, ihn an die Fraktionen zu überweisen, um sämtliche Begehren zu einer Verfassungsänderung zu bündeln, sagte er.


"Typische Showgeschichte"

Die SPD zeigte sich verwundert. Fraktionschef Peter Struck sagte, bislang habe die Union immer betont, sie wolle das Grundgesetz nicht mehr ändern. Allerdings sei die SPD bei diesem Thema unter bestimmten Bedingungen gesprächsbereit. Im Gegenzug müsse die Union jedoch zu "wichtigeren Dingen", wie der Aufnahme von Kinderrechten oder des Sports in die Verfassung, bereit sein.

Deutliche Kritik kam von SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. "Das ist überflüssig. Die Amtssprache ist Deutsch. Ansonsten werden bei uns viele Sprachen gesprochen", sagte er der "Welt". Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, sagte der Zeitung: "Sich im Grundgesetz zur deutschen Sprache zu bekennen, ist blanker Unsinn. Das ist eine typische Showgeschichte eines Parteitages."


"Fragwürdige Bekenntnisrhetorik"

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir kommentierte in der "Frankfurter Rundschau": "Bei den wirklich wichtigen Fragen wie der Finanz- und Wirtschaftskrise eiern sie nur verdruckst herum und finden keine klare Linie". Auch schlüssige Antworten auf die Bildungsmisere in Deutschland bleibe die Partei schuldig: "Mit fragwürdiger Bekenntnisrhetorik versucht die CDU nun, diese Leerstellen zu übertünchen."

Kritik kam auch von der Türkischen Gemeinde in Deutschland. "Erneut bedienen einige Politiker in der CDU vorhandene Ängste und Klischees gegenüber Migrantinnen und Migranten", erklärte der Vorsitzende Kenan Kolat. "Wir verstehen dieses Vorhaben als Assimilierungsdruck und mit demokratischen Gepflogenheiten nicht vereinbar."



Ohne Worte : X

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#30

RE: CDU will Deutsch im Grundgesetz verankern

in Sprachpolitik 21.11.2012 21:44
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Was genau verschlägt Ihnen hier die Sprache?

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Aktion Deutsche Sprache, Hannover | Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh. | Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt | Deutsch-Netz.de, Lippstadt | Deutsche Sprachwelt, Erlangen | Die Seiten für Rechtschreibung | Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V., Aschaffenburg | Institut für Deutsche Sprache, Mannheim | Neue Fruchtbringende Gesellschaft zu Köthen/Anhalt e.V. | Sprachkreis Deutsch, Bern | Sprachpflege.info, Erlangen | Stiftung Deutsche Sprache e.V., Berlin | Verein Deutsche Sprache e.V., Dortmund | Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V., Schwaig bei Nürnberg | Woxikon | www.wortpatenschaft.de
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