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Von "extraprimaguten Unterhunden" und anderem "Mishmash"

in Aktivitäten zur Sprachpflege 15.01.2009 18:19
von AndyOSW • 631 Beiträge

ZDF.de: Von "extraprimaguten Unterhunden" und anderem "Mishmash"

Deutsch als Exportschlager in anderen Sprachen

von Dominik Rzepka

110 Millionen Muttersprachler, eine der wichtigsten Sprachen Europas: Jetzt widmet sich eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin "Der Sprache Deutsch". Und zeigt: Deutsche Worte sind auch im Ausland beliebt.

Kein Wort hat Benedikt Hommel verstanden, als er vor einigen Jahren mit der Aktion Sühnezeichen in Frankreich war. "Als ich eines Tages Essen einkaufen war, rauschte das meiste der Sätze wie fremde Musik an meinen Ohren vorbei." Doch dann, plötzlich, sagte die Verkäuferin im Supermarkt ein bekanntes Wort: "Rollmops". Davon hat Hommel sofort ein paar gekauft.

"Rollmops" - in Frankreich ein verbreitetes Wort. Ebenso wie "Kuchen" in Chile oder "Luft" im Serbischen - dort kann es allerdings auch "Freizeit" und "leerer Platz" bedeuten. "Deutsche Worte, die es in andere Sprachen schaffen, füllen dort ganz oft eine Lücke", sagt Jutta Limbach, ehemalige Präsidentin des Goethe-Institutes. Vor rund zwei Jahren hatten sie und ihr Team in einem Wettbewerb die schönsten ausgewanderten Worte gesucht. "Dabei können auch kleine Nuancen entstehen, kleine Abweichungen von der Originalbedeutung", erklärt Limbach.

Beliebt sind deutsche Worte vor allem, wenn es um große Gefühle geht. "Ich weiß von einer Spanierin, die während ihres Deutschkurses auf einmal das Wort Sehnsucht kennengelernt hat ", sagt Rolf Peter, Projektleiter des Wettbewerbs Ausgewanderte Worte. "Endlich hat sie dieses Gefühl ausdrücken können." Schließlich gebe es im Spanischen kein Wort dafür.

"Wir Deutschen sind vielleicht ein Volk von Dichtern und Denkern", sagt Jutta Limbach. Gerade deswegen schafften es wahrscheinlich gefühlsbetonte Worte auch in andere Sprachen. Sie selber habe viele Kollegen aus dem In- und Ausland, die gerne Gedichte aus dem Sturm und Drang oder der Romantik läsen. "Gerade Eichendorffs Mondnacht kommt sehr gut an", sagt Limbach. Die deutsche Literatur habe gefühlsbetonte Worte wie "Fernweh" oder "Heimat" in der ganzen Welt bakannt gemacht.

"Auch durch Erfindungen verbreiten sich Worte weltweit", sagt Rolf Peter. "Mit der Erfindung des Computers in den USA ist auch der englische Name des Gerätes um die Welt gegangen." Auf diese Weise sei auch das virtuelle Küken "Tamagotchi" in den deutschen Sprachgebrauch eingegangen. Und auch englische Tontechniker verwendeten den Begriff "Gestaltmikrofon". Für Peter nichts Negatives: "Sprache lebt", sagt er. "Der Austausch sorgt dafür, dass die Sprecher überall auf der Welt einen ausreichenden Wortschatz haben."

Dennoch findet Jutta Limbach Sprachschöpfungen wie "Service Point" albern. "Ich versuche, so oft wie möglich Deutsch zu sprechen, um nicht falsche Weltgewandtheit vorzutäuschen." Dennoch gehöre sie nicht zu denjenigen, die englische Wort jagen. Sprachen seien nicht national abgeschlossen, sondern immer im Wandel. "Durch Migration oder Schüler- und Studentenaustauschprogramme findet eben auch ein Sprachaustausch statt - ich finde das positiv." Schließlich lerne man so auch etwas von der Mentalität anderer Kulturen.

Auch Benedikt Hommel hat während seines Auslandsaufenthaltes in Frankreich davon etwas gelernt. Vergeblich habe er der Verkäuferin im Supermarkt erklärt, dass es sich bei ihrem "Rollmops" um ein deutsches Wort handele. "Nein, das ist französisch", habe diese gesagt. Am Ende hat er aufgegeben: "Geschmeckt haben die Rollmöpse jedenfalls super."

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