#1

Amazon.de ist sich nicht zu schade

in F r e i s t i l 26.07.2009 00:29
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Tagesschau vom 26. Juli 2009
http://www.tagesschau.de/inland/amazon108.html

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Online-Buchhändler wird Volksverhetzung vorgeworfen
Amazon.de wegen rechtsextremer Bücher angezeigt

Das American Jewish Committee (AJC) hat in Deutschland gegen den Onlinebuchhändler Amazon Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Amazon werde vorgeworfen, über seine Webseite rechtsextreme Bücher zu vertreiben, teilte die Berliner Vertretung des AJC mit. In den Büchern werde gegen Juden gehetzt, der Nationalsozialismus verharmlost und der Holocaust geleugnet, hieß es als Begründung für die Anzeige.

Stichproben zeigen rechtsextreme Bückware

Bei einer Stichprobe diesen Monat hatte das AJC auf den deutschen Seiten von Amazon mindestens 50 "volksverhetzende Bücher" ausfindig gemacht. Auf entsprechende Hinweise hätte der Versandhändler nicht oder nur unzureichend reagiert. Die Bücher seien vor allem von Antiquariaten und Privatpersonen, aber auch von Amazon selbst vertrieben worden. In diesen Büchern werde gegen Juden gehetzt, der Nationalsozialismus verharmlost und der Holocaust geleugnet.

"Es ist inakzeptabel, dass bei Amazon.de mit Büchern gehandelt wird, die ansonsten nur als Bückware in rechtsextremen Szeneläden zu bekommen sind", erklärte Deidre Berger, Direktorin des Berliner Büros des AJC. "Wir fordern Amazon.de auf, jetzt aktiv zu werden und alle strafbaren Bücher sofort aus dem Katalog zu entfernen", so Berger.

Gezielte Werbung für rechtsextreme Bücher?

Unter den vom AJC bei Amazon.de gefundenen volksverhetzenden Büchern hätten sich auch etliche als jugendgefährdend indizierte Werke gefunden. Zudem habe der Onlinebuchhändler für die Bücher einiger problematischer Autoren gezielt Werbeanzeigen bei der Suchmaschine Google geschaltet. Von Amazon hieß es, diese Behauptung sei unzutreffend und für die Mitarbeiter von Amazon verletzend.

Eine Amazon-Sprecherin erklärte, das Unternehmen biete "selbstverständlich" keine verbotenen oder als jugendgefährdend indizierten Titel an. Bei der Frage, ob Amazon Titel aus seinem Angebot entfernen sollte, sei das Unternehmen aber mit Rücksicht auf das Recht der freien Meinungsäußerung zurückhaltend. "Wir glauben, dass die richtige Antwort auf diskussionswürdige Literatur nicht deren Entfernung ist, sondern mehr Diskussion."

Schärfere Regeln - aber keine "Regulierungsinstitution"

Zugleich verwies Amazon darauf, dass es ein Händler und keine "Regulierungsinstitution" sei. Eine inhaltliche Bewertung von Medien könne und dürfe nicht von privatwirtschaftlichen Unternehmen getroffen werden, die keinerlei Expertise und Kompetenz in diesem Bereich hätten.

Darüber hinaus habe Amazon die Teilnahmbedingungen kürzlich um schärfere Regeln erweitert, die sich gegen Literatur richteten, die den Nationalsozialismus verherrlicht oder verharmlost. Einige Titel, die seither geprüft worden seien, seien aufgrund der geänderten Teilnahmebedingungen entfernt worden. Dennoch würden Kunden auch in Zukunft bei Amazon Titel finden, "in denen bedenkliche Inhalte bezüglich des Nationalsozialismus geäußert werden".


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Hauptsache Umsatz.


zuletzt bearbeitet 26.07.2009 00:31 | nach oben springen

#2

RE: Amazon.de ist sich nicht zu schade

in F r e i s t i l 26.07.2009 23:26
von AndyOSW • 631 Beiträge

In der Zeit der maschinell erzeugten Kataloge (weiß man, ob die "bemängelten" Bücher direkt von Amazon stammen oder als gebraucht angeboten werden?) werden uns noch viele solcher "Skandale" ereilen. Auch die von Google erzeugten Verweise auf "passende" Themen erzeugen mitunter Schmunzeln, bei anderen fallen die Anzeigen auf die Werbefläche zurück. Wie kann Amazon für von Google erzeugte Verweise verantwortlich gemacht werden? Ich halte die Passage

Zitat von Tagesschau.de
Zudem habe der Onlinebuchhändler für die Bücher einiger problematischer Autoren gezielt Werbeanzeigen bei der Suchmaschine Google geschaltet.
für hanebüchenen Unsinn. Niemand schaltet auf diese Art und Weise Werbung bei Google. Man erlaubt Google, einen gewissen Platz für Werbung zu benutzen. Google benutzt dazu einen besonderen Katalog besonderer Kunden, alles andere sind von Google selbst erzeugte Suchergebnisse, die in keinem direkten Zusammenhang mit der Seite stehen, auf der die Werbung erscheint. Siehe unsere rechte Seite, so kein Werbeblocker Googles Einnahmen kürzt. Eine Angabe, wo die "Amazon-Anzeigen" aufgetaucht sein sollen, fehlen. Auch fehlt eine genauere Angebe der "problematischen Autoren". Direkt würde ich nur Hitler und Bormann dem Namen nach kennen, beide habe ich gelesen, bzw. zu lesen versucht. Etwas mehr Recherche und genauere Angaben, wer was wann wo geschaltet und bezahlt hat, würde der seriöseren unter den Nachrichtensendungen und ihrem Onlineableger besser zu Gesichte stehen.

Tagesschau.de hat jeden, aber auch jeden Fakt, der in Bezug zum Online-Auftritt eines reinen Online-Buchhändlers, garniert mit "Fakten" über die angeblich geschaltet Online-Werbung des größten Online-Werbers in die Welt "Buchladen", "Plakatwand" und "realer Käufer im Buchladen" projiziert. Das ging in die Hose.

Überlassen wir lieber den Jüngeren das Internet und die Erklärungsversuche, die kennen sich damit aus.

Jetzt frage ich mich nur noch, ob der Zentralrat der Juden in Deutschland im Gegenzuge die Muttergesellschaft Amazon.com in den USA wegen Volksverhetzung verklagen wird...


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#3

RE: Amazon.de ist sich nicht zu schade

in F r e i s t i l 27.07.2009 02:28
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Die Google-Anzeigen sind in diesem Zusammenhang doch vollkommen nebensächlich.

Weniger nebensächlich ist es, wenn ein Buchhändler entweder selbst indizierte Ware anbietet
oder aber (aus reinem Gewinninteresse) es duldet, wenn auf seiner eigenen Gebrauchtwarenplattform Schriften gehandelt werden, welche den Tatbestand des § 130 StGB (2) erfüllen.

Diesen:

(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. Schriften (§ 11 Abs. 3), die zum Haß gegen Teile der Bevölkerung oder gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, daß Teile der Bevölkerung oder eine vorbezeichnete Gruppe beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,

a) verbreitet,
b) öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,
c) einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überläßt oder zugänglich macht oder
d) herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Buchstaben a bis c zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, oder

2. eine Darbietung des in Nummer 1 bezeichneten Inhalts durch Rundfunk, Medien- oder Teledienste verbreitet.


zuletzt bearbeitet 27.07.2009 02:34 | nach oben springen

#4

RE: Amazon.de ist sich nicht zu schade

in F r e i s t i l 28.07.2009 18:35
von AndyOSW • 631 Beiträge

Zitat von Schamane aus StGB
1. Schriften (§ 11 Abs. 3), die zum Haß gegen Teile der Bevölkerung oder gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, daß Teile der Bevölkerung oder eine vorbezeichnete Gruppe beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,
Soweit, so richtig. Es fehlen aber immer noch konkrete Hinweise auf konkrete Buchtitel, die dann unter obigen Satz fallen würden. Ich weiß nicht, ob es so eine Art "Index" gibt, in dem schon erschienene Titel erfasst sind?


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#5

RE: Amazon.de ist sich nicht zu schade

in F r e i s t i l 29.07.2009 00:10
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Zitat von Tagesschau vom 26. Juli 2009


Unter den vom AJC bei Amazon.de gefundenen volksverhetzenden Büchern hätten sich auch etliche als jugendgefährdend indizierte Werke gefunden.


Den Index gibt es.

http://www.bundespruefstelle.de/


zuletzt bearbeitet 29.07.2009 00:14 | nach oben springen

#6

RE: Amazon.de ist sich nicht zu schade

in F r e i s t i l 05.10.2009 22:00
von AndyOSW • 631 Beiträge

Zitat von Schamane

Zitat von Tagesschau vom 26. Juli 2009


Unter den vom AJC bei Amazon.de gefundenen volksverhetzenden Büchern hätten sich auch etliche als jugendgefährdend indizierte Werke gefunden.



Den Index gibt es.

http://www.bundespruefstelle.de/



Das bezieht sich auf jugendgefährdende Schriften, stellt aber nicht den "Index" der allgemein als volksverhetzend eingestuften Schriftwerke dar. Es geht ja wohl im Thema allgemein um "Schriften ..., welche den Tatbestand des § 130 StGB (2) erfüllen".

Tschuldigung für die späte Antwort, ist mir irgendwie untergegangen...


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