#1

Der Unterschied zwischen ihn/ihm

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 30.08.2009 03:36
von Riku • 1 Beitrag

... oder genau genommen auch der Unterschied zwischen Akkusativ und Dativ. Nun, ich mag die deutsche Sprache sehr und habe wenig Probleme damit - eines davon jedoch ist, dass ich einfach ein ausgeprägtes Sprachgefühl habe und dementsprechend Dinge nicht erklären kann. Ich weiß, wie etwas geschrieben wird und wo ein Komma hin muss, aber meine Begründung ist immer "weil es sich sonst falsch anhört." Eine Freundin von mir hat dabei das Problem, dass sie "ihn" und "ihm" nicht unterscheiden kann. Kann mir hier jemand bitte erklären, wie ich ihr helfen kann?

Natürlich kam ich dabei schon auf die Idee, ihr zu sagen, sie soll doch einfach nach den Fällen fragen.

Nehmen wir einmal als Beispiel den Satz "Die Mutter kauft ihrem Kind eine Tafel Schokolade." Wie finde ich nun heraus, dass es "ihrem" und nicht "ihren" heißt? Ganz einfach: Ich frage. WEM oder WAS kauft die Mutter eine Tafel Schokolade? IhreM/deM Kind. Schön und gut, vollkommen logisch. Ich sage aber nun: Meine Freundin kennt den Unterschied GAR nicht, sodass sie tatsächlich fragen würde: WEN oder WAS kauft die Mutter eine Tafel Schokolade? IhreN/deN Kind.

Das Problem, was sich hier nun auftut, ist ja offensichtlich. Sie weiß nicht einmal, wie sie richtig fragen soll, weswegen sie logischerweise auch nicht die richtige Antwort bekommen kann. Wie soll ich ihr dann nahebringen, dass "die Mutter kauft ihren Kind" vollkommen falsches Deutsch ist? Kann mir jemand einen Tipp geben, wie ich das erklären kann? Weil ich langsam einfach nicht mehr weiter weiß. Ich wäre wirklich sehr, sehr dankbar für eine Erklärung.

Liebe Grüße!

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#2

RE: Der Unterschied zwischen ihn/ihm

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 30.08.2009 23:02
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Hallo Riku,

wie Sie sagen, ist dem Normalsprecher des Deutschen der Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ, also der Unterschied zwischen Wem und Wen in der Regel intuitiv geläufig, eben weil es sich, wie Sie es formulieren, "sonst falsch anhört". Dahinter steckt die intuitive Erfassung zwischen direktem und indirekten Objekten einer Handlung, wobei diese schulgrammatischen Bezeichnungen allerdings nicht unbedingt glücklich gewählt sind.

Sehen Sie die Möglichkeit, Ihrer Freundin zu helfen, oder würde Ihre Freundin sich bevormundet oder von oben herab behandelt fühlen? Wir wollen schließlich nicht Ihre Freundschaft zerstören. Falls Ihre Freundin aber offen ist dazuzulernen, hätte ich hier den ersten Schritt eines ganz konkreten und handfesten Ansatzes vorzuschlagen, den sogar jedes Kind versteht.

In Ihrem Beispielsatz heißt es: die Mutter kauft dem Kind Schokolade.

1) Fragen Sie: was kauft die Mutter denn? Ihre Freundin würde antworten: Schokolade. Dadurch beweist sie, daß sie intuitiv begreift, was das grammatische und logische Objekt der Handlung ist.

2) Fragen Sie nun: "Kauft die Mutter das Kind?" Ihre Freundin wird entweder verwirrt reagieren oder viel wahrscheinlicher in der Art antworten, daß die Mutter das Kind ja gar nicht kaufen kann, oder daß die Mutter Schokolade kauft und ja gar nicht das Kind oder "das hätte ja gar keinen Sinn", etc. Sie begreift somit intuitiv, daß das Kind im Beispielsatz nicht das direkte Objekt der Handlung sein kann.

Machen Sie dann mit anderen konkret und anschaulich gehaltenen Beispielsätzen weiter.

"Die Verkäuferin verkauft der Mutter eine Bluse."
- was verkauft die Verkäuferin?
- verkauft die Verkäuferin die Mutter?

"Jan schüttet Julia ein Glas Milch ein."
- was schüttet Jan ein?
- schüttet Jan die Julia ein?

"Lisa leiht dem Lukas das grüne Buch."
- was verleiht die Lisa?
- verleiht die Lisa den Lukas?

Und so weiter. Es sollten Ihnen genug eigene Beispiele nach diesem Muster einfallen. Achten Sie aber darauf, daß die Antwort auf die "was macht..." - Frage ohne Zweideutigkeiten ist, und daß eine Ja-Antwort auf die zweite Frage unmittelbar sinnlos und absurd erscheinen muß.

Somit sollte ein intuitives Gespür für den logisch-konkreten Unterschied zwischen direktem und indirektem Objekt entstehen, und das wäre der erste Schritt. Der bis hierhin unbewußte Lerneffekt ist, daß "wem" und "wen" nicht ein- und dasselbe sind. In einem weiteren Schritt müßte dies dann bewußt gemacht werden.

Darüber, wie es dann weitergeht, denke ich noch nach.



zuletzt bearbeitet 30.08.2009 23:43 | nach oben springen

#3

RE: Der Unterschied zwischen ihn/ihm

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 31.08.2009 00:00
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Hier habe ich noch einen intuitiven Ansatz, mit derselben Technik wie oben:
Formulieren Sie ganz handgreifliche Beispiele.


Ich mache Dir einen Kaffee.
Was mache ich? Ich mache nicht dich, sondern Kaffee. Also mache ich DIR einen Kaffee.

Ich schmiere meinem Sohn ein Brot.
Was schmiere ich? Ich schmiere nicht meinen Sohn, sondern das Brot. Also schmiere ich meineM Sohn das Brot.

Klaus kauft seiner Tochter ein Fahhrad.
Was kauft er? Er kauft nicht seine Tochter, sondern er kauft das Fahrrad. Also kauft er seineR Tochter das Fahrrad.

Du holst dir morgens die Zeitung.
Was holst du dir? Du holst nicht dich (selber), sondern die Zeitung. Also holst du DIR die Zeitung.

Er schenkt ihr Blumen.
Was schenkt er? Er schenkt nicht sie, sondern er schenkt Blumen. Also schenkt er IHR die Blumen.


Nach genug Beispielen nach diesem Muster sollte sich bei Ihrer Freundin der Aha-Effekt einstellen. Ganz ohne Grammatik und Abstraktion.


zuletzt bearbeitet 31.08.2009 00:04 | nach oben springen

#4

RE: Der Unterschied zwischen ihn/ihm

in Rechtschreibung, Grammatik, Stilfragen 01.09.2009 07:10
von Fritz-Franz • 675 Beiträge

Ich schreibe auch nur nach Gefühl, da ich nichts von Grammatik verstehe. Für manche Fälle baue ich Eselsbrücken, die manchmal halten, manchmal nicht.

„Die Mutter kauft ihrem Kind eine Tafel Schokolade.“ Ihrem deutet auf ein Kind hin, auf die Einzahl also. Aus ihren könnte oder müßte die Mehrzahl gebildet werden: „Die Mutter kauft ihren Kindern eine Tafel Schokolade.“

Gruß von Fritz-Franz

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