#1

Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 22.03.2007 16:42
von Der fröhliche Hai

Ja es ist wahr: unsere zukünftige Elite wird schon zeitig an Denlisch/Englisch gewöhnt. Warum bezeichnet die Ludwig-Maximilians-Universität München eine "Fakultät" nun als "District"? Soweit ich weiß, bedeutet im englischen "District" soviel wie: Wahlkreis, Gegend, Landstrich.

Also, was für ein Quatsch.


Wir Haie sind Wanderer zwischen den Welten ......
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#2

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 27.03.2007 13:55
von Erika Ciesla • 116 Beiträge
Ja hallo aber auch!

Mir springt ja schon das Messer in der Tache auf, wenn ich »Master« oder »Bachelor« höre, als ob es die Bezeichnungen »Magister« und »Bakkalaureus« nie gegeben hätte.

Jene, die dafür verantwortlich zeichnen, wehklagen darüber, daß deutsche Universitätsabschlüsse international an Wert verlören. Ja prima, dann haben wir also ein Probem, ähnlich wie an den Schulen, wo sich unsere Schüler in beliebiger Wiederholung bei PISA blamieren. Aber ist ein Problem denn schon gelöst, wenn wir ihm einen englischen Namen geben?

»Das Schlimmste ist nicht: Fehler haben, nicht einmal sie nicht bekämpfen, ist schlimm. Schlimm ist, sie zu verstecken.«
(Bertholt Brecht)

Salve!
Erika Ciesla

Fußnote
Das hat jetzt nicht unmittelbar mit dem Thema Universität zu tun, mittelbar aber vielleicht doch, falls es nämlich frischgebacktene Universitätsabgänger gewesen sein sollten, die das angerichtet haben.

Bei Bosch, einem alteingesessenem deutschen Traditionsunternehmen, hat man vor einiger Zeit gnadenlos alle Bezeichnungen auf Englisch umgestellt, mit der Folge, daß die Mitarbeiter dort nur noch »Railwaystation« verstehen und null Durchblick haben. Eigentlich kontraproduktiv, oder nicht? Das einzige was seinen deutschen Namen behalten durfte, war der Betriebsrat, denn gegen die Abkürzung für Work Council erhob sich heftiger Protest.
zuletzt bearbeitet 27.03.2007 14:56 | nach oben springen

#3

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 27.03.2007 15:33
von Bastian • 42 Beiträge

Auch nett ist das „Leuphana College“, die „Leuphana Graduate School“
und die „Leuphana Professional School“ an der „Leuphana Universität
Lüneburg“.

http://www.tagesspiegel.de/wissen-forsch...007/3158047.asp
http://www.leuphana.de/

Besonders wichtig ist Basketball-Spielen, nimmt es doch eine
zentrale Rolle im Studium ein und hat deswegen auf einem Bild in
der Mitte abgebildet zu werden:
http://www.leuphana.de/index.php?id=7

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#4

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 27.03.2007 22:59
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

In Antwort auf:
Von der Uni-Seite:
Das Leuphana College ist der Versuch, an einer öffentlichen Hochschule in Deutschland neue Perspektiven aufzuzeigen. Mit ihm verwirklicht die Leuphana Universität Lüneburg ein neues Studienmodell für den ersten Studienabschluss: den „Leuphana Bachelor“. Ausgerichtet an einer humanistischen, handlungsorientierten und nachhaltigen Universität steht das College damit für die sichtbare Organisation einer umfassenden Bildungsphilosophie.


*Hervorhebung durch mich.

Allein der inflationäre Falschgebrauch des Wortes "nachhaltig" geht mir auf den ...
Und auch der Rest der Beschreibung hinterläßt keine besonderen humanistischen Anzeichen. Nix für mich.

Daß bei den Bätshlöän und den Mahstähn nicht einmal die Engländer mitmachen, spricht für sich. Daß die ehemaligen deutschen Abschlüsse im allgemeinen qualifizierender als die neuen Abschlüsse (auf jeden Fall besser als Bätshlöäh, der in den Geisteswissenschaften meist gerade mal den jetzigen Zwischenprüfungen gleichgesetzt werden kann) waren und im Ausland hoch angesehen, ist auch eine Binsenweisheit. Aber die Reaktion ist einfach: Wir machen unser Bildungssystem kaputt, können dadurch noch Geld sparen und geben dem Neuen Glanz einen neuen Namen - ist doch klasse!

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#5

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 29.03.2007 14:08
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

Tach!

In Antwort auf:
Daß bei den Bätshlöän und den Mahstähn nicht einmal die Engländer mitmachen, spricht für sich.

Die Briten nehmen uns doch ohnehin nicht mehr ernst, allenfalls lachen die uns aus. Wie kann man auch jemand erstnehmen, der zum Beispiel Rucksäcke feilbietet und sie als »Body-Bags« (Leichensäcke) auslobt?

Mahlzeit!
Erika Ciesla

PS.
My bad english makes me so fast nobody after!

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#6

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 29.03.2007 14:18
von Vertaler • 41 Beiträge

Dem am Thema „Body Bag“ Interessierten sei dieser Blogeintrag nahegelegt.

Und ein Magister Artium ist ein anderer Abschluß als ein Master, selbst wenn es eigentlich nur eine 1:1-Übersetzung ist. Es gibt unerschiedliche Studienordnungen mit unterschiedlichen Regeln für die beiden – unterschiedlichen – Studiengänge. Da sollten sie auch unterscheidbare Namen haben. Ob der andere nun Master oder Meister heißt, ist mir dabei gleich, aber ein Magisterabschluß ist eben doch etwas anderes.


--
Wichte sind wichtig.
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#7

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 29.03.2007 14:55
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

Tach!

Schöner Blog! Und was nun? Sollen wir uns nun etwa damit abfinden, daß irgend welche profilneurotische Werbeheinies uns tatsächlich einen »Body-Bag« aufbinden wollen, wenngleich der Engländer, man staune, einen Rucksack (sprich: racksäck) trägt?

Es geht doch nun wirklich nicht darum, ob nicht doch noch irgendwo in der Welt der Body-Bag auch was anderes als ein Leichensack sein kann, sondern darum, daß wir diesen Begriff ohne Not verwenden, denn wir haben schon längst ein eigenes und alteingesessenes Wort für dieses Ding.

Und was den Master versus Magister betrifft, so möchte ich nicht bestreiten, daß auf englischen und/oder Amerikanischen Universitäten mehr als nur der Name ein anderer ist. Aber falls es wirklich so ist, daß Lehrgänge an deutschen Unis in der Welt nicht mehr konkurrieren können, dann ist das für wahr ein guter Grund, diese zu ändern, zu verbessern und auf Weltniveau zu bringen. Ob dies aber auch die Notwendigkeit enthält, ihnen andere Namen zu geben (ich bleibe also dabei), das bezweifle ich.

Desweiteren sei daran erinnert, daß beklagt wurde, daß Engländer an diesen Lehrgängen offenbar kein Interesse hätten, und daß das »bezeichnend« sei. Vielleicht hätte man ja wirklich die Qualität der Ausbildung verbessern sollen, anstatt nach englischen Namen zu geifern?

Salve!
Erika Ciesla

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#8

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 29.03.2007 15:46
von Vertaler • 41 Beiträge

Na, die Qualität ist ein anderes Thema, die hat ja nichts mit der Benennung zu tun. Man hat aber nicht einfach nur den Magister umbenannt, sondern ein neues System eingeführt, das eben auch einen neuen Namen bekommen hat. Ob das an sich gut oder schlecht ist, darüber wage ich nicht zu urteilen, dafür habe ich mich nicht intensiv genug damit beschäftigt.

Und zum anderen – nun, es geht ja eigentlich darum, daß behauptet wird, Muttersprachler des Englischen würden über die Deutschen lachen, die Body Bags verkaufen und kaufen, weil das ja für diese die Bedeutung Leichensack hat. Stimmt aber gar nicht. Ein „body bag“ kann ein Leichensack sein, muß es aber nicht. Und kein Englischmuttersprachler lacht über diese Bezeichnung. Man kann die Dinger sogar bei englischen Onlinehändlern unter der gleichen Bezeichnung kaufen.
Sie unterscheiden sich von Rucksäcken übrigens dadurch, daß sie nur einen Riemen haben.


--
Wichte sind wichtig.
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#9

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 29.03.2007 17:53
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

Also http://translate.google.com/translate_t sagt: Leichensack

Nun ja, so alt will ich noch nicht sein, daß ich nichts neues dazulernte. Aber vielleicht ist es ja auch gar nicht Englisch, sondern Amerikanisch? Auch wenn manche das noch glauben, das ist mitnichten dieselbe Sprache. :-)

Häff a naiß däih! Erika Ciesla

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#10

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 29.03.2007 18:32
von Tybalt • 63 Beiträge

In Antwort auf:


Nun ja, so alt will ich noch nicht sein, daß ich nichts neues dazulernte. Aber vielleicht ist es ja auch gar nicht Englisch, sondern Amerikanisch? Auch wenn manche das noch glauben, das ist mitnichten dieselbe Sprache. :-)



Eine anderen Sprache ist doch wohl etwas hochgegriffen. Es gibt einige andere Wörter, aber insgesamt liegt zwischen Sächsisch und Bayrisch wohl eine größere Kluft als zwischen britischem und amerikanischem Englisch.

Und ja, Body Bag taucht im britischen Englisch auf: Der Online Shop von LeatherShop.co.uk hat sie im Angebot. (Aber verbreitet ist diese Bedeutung wohl wirklich nicht...)


Tybalt


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#11

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 29.03.2007 18:52
von Erika Ciesla • 116 Beiträge
Tach!
In Antwort auf:
Eine anderen Sprache ist doch wohl etwas hochgegriffen.

Jaaa, na jaaa, gewiß, aber mal ein ganz dumme Frage. Was bedeutet das wohl, wenn man am Ende einer Aussage, nach dem Punt, noch ein Doppelpunkt, ein Minuszeichen und eine rechte Klammer macht? :-)

Tschüßkes! Erika Ciesla
zuletzt bearbeitet 29.03.2007 19:07 | nach oben springen

#12

RE: Denglisch an der Universität

in F r e i s t i l 29.03.2007 19:05
von Tybalt • 63 Beiträge
In Antwort auf:

Jaaa, na jaaa, gewiß, aber mal ein ganz dumme Frage. Was bedeutet das wohl, wenn man am Ende einer Aussage, nach dem Punt, noch ein Doppelpunkt, ein Minuszeichen und eine rechte Klammer macht? :-)



1. Ich sage das nur im Schwerz

2. Ich übertreibe zwar, aber zu der Kernaussage stehe ich.

Beides schon gesehen, von daher ist ":-)" nie 100% eindeutig. Das übliche Problem in Foren halt.

Und abgesehen davon gibt es keine dummen Fragen.


Tybalt

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