#1

der Freitag: Ich will die DDR-Sprache verstehen

in Sprachpolitik 11.10.2009 22:48
von AndyOSW • 631 Beiträge

Ich leite mal hier den Blogeintrag von Michael Angele weiter:
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der Freitag: Ich will die DDR-Sprache verstehen

Es kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass ich gerne eine Biographie aus dem Osten hätte, um mich in Berlin-Prenzlauer Berg, wo ich hingezogen bin, noch heimischer zu fühlen und um mit allerbesten Gründen gegen das zugezogene Pack wettern zu können.

Magda wollte mir in einem Kommentar zu meinem letzten Blogeintrag dankenswerterweise eine suchen, die zu mir passt, in Richtung nicht ganz angepasst aber auch nicht offener Widerstand. Noch stehen ihre Angebote aus. Ich habe inzwischen aber herausgefunden, dass ganz gute Angebote auf dem freien Markt sind. Ich denke an Heiner Müllers Biographie oder an die von Günter Gaus, beide sind nicht ganz günstig, bei Gaus müsste ich wohl auf die Reisefreiheit verzichten.

So oder so muss ich für meine neue Biographie die Sprache des Ostens lernen. Nun lese ich in der heutigen BILD-Zeitung, dass es ja tatsächlich eine DDR-Sprache gab. Nun, einiges wie Broiler ist mir bekannt, aber mit anderen Worten aus dieser Sprache kann ich leider nichts verbinden und kann sie deshalb auch nicht gebrauchen. Natürlich hilft mir die BILD-Zeitung, der es ja bekanntlich nicht um Aufklärung, sondern um Revanchismus geht, auch nicht weiter. Ich möchte deshalb die Community bitten, mir zu helfen, und frage, was die folgenden Worte bedeuten:

Arbeiterveteran

Behelfsverpackung

Dederon

Forumscheck

Jahresendflügelfigur

Komplexannahmestelle

Neuererwettbewerb

Lederol

Neuererwettbewerb


Wer weiß was?
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Die Reaktionen auf diesen Blogeintrag sind dort ebenfalls abrufbar, zielen aber leider ins Leere oder auf einen einzelnen "schräg gestellten I-Punkt".


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#2

RE: der Freitag: Ich will die DDR-Sprache verstehen

in Sprachpolitik 11.10.2009 23:46
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Als Wessi aus dem Pott kenne ich leider nur die Jahresendflügelfigur - ein Weihnachtsengel.


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#3

RE: der Freitag: Ich will die DDR-Sprache verstehen

in Sprachpolitik 12.10.2009 16:41
von AndyOSW • 631 Beiträge

Der Mann hat ja zugegeben, dass er die Existenz einer "DDR-Sprache" aus der Bild-Zeitung hat, ist ein tolles Rechercheergebnis.

Als geborener und bekennender Ossi kann ich ein bisschen helfen:

Jahresendflügelfigur: Herkunft unklar. Ob überhaupt offizielles DDR-Deutsch auch unklar. Wahrscheinlich eher satirisch gemeint. Der Westen (und Bild) greift sowas natürlich zu gerne auf.

Dederon: Ganz einfach das Synonym für Perlon bzw. Nylon. Perlon und Nylon sind geschützte Markennamen, deshalb wurde unsere Entwicklung Dederon genannt.

Arbeiterveteran: Da gibt es nichts misszuverstehen - ein langjähriger Arbeiter mit Verdiensten. Was daran DDR-typisch gewesen sein soll?

Forumscheck: Verrechnungsscheck für Devisen, alleiniges Zahlungsmittel im Intershop - das waren die Importwarenläden.

Behelfsverpackung: Das kenne ich nicht als DDR-typisch. Ist halt nicht die Originalverpackung, und?

Neuererwettbewerb: Gibt es auch jetzt noch. Manchmal heißen sie bloß nicht mehr Neuerer. Das sind Kollegen, die selbstständig irgendwas im Betrieb verbessern (Produktionsabläufe, Ersatzmaterialien u.ä.).

Komplexannahmestelle: Auch Dienstleistungszentrum. Ist eine Annahmestelle für Altpapier, pfandfreie Glasflaschen und -gläser, Schrott usw., was gegen Barzahlung (!) dort abgegeben wurde. Heute kostet die Entsorgung den Bürger in der Regel etwas. Angeschlossen waren in der Regel Annahmestellen für Wäschereinigung, Schuhreparatur und dergleichen.

Lederol: Kenne ich nicht, klingt aber wie ein Handelsname für Kunstleder.


zuletzt bearbeitet 12.10.2009 16:42 | nach oben springen


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