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Bild.de-Mami-Blog: Chinesisch im Kindergarten – alles schnuppe!

in F r e i s t i l 15.10.2009 16:23
von AndyOSW • 631 Beiträge

Bild.de-Mami-Blog: Chinesisch im Kindergarten – alles schnuppe!

Im Mami-Blog bei BILD.de schreiben TV-Moderatorin Caroline Hamann (37) und Journalistin
Christiane Hoffmann (41) aus ihrem Mütter-Alltag – unterstützt von prominenten und Normalo-
Mamas, Kinderärzten, Vätern, Omas und sonstigen Kinder-Kennern.


Ihre großen Töchter Valentina und Charlotte sind beide mittlerweile 20 Monate. Seit der 20.
Schwangerschaftswoche stehen die beiden Freundinnen in fast täglichem, oft nächtlichem Kontakt –
per Mail. Und jetzt auch bei BILD.de!

Im elften Teil der BILD.de-Kolumne von Christiane Hoffmann und Caroline Hamann geht’s um
Sinn und Unsinn von Frühförderung.

Liebe Caroline,

Regen! Ich hasse Regen! Weil er die unangenehme Eigenschaft hat, nass zu machen. Meiner Tochter
Charlotte ist das so was von wurscht. Läuft zur Tür, rüttelt an der Klinke, schmeißt mir ihre
Gummistiefel schmerzhaft auf die Füße. Ruft (laut): „EEEEGEN! Aus! Bocka baalen! (Übersetzung:
Mama, raus in den Regen – ich will meinen Bauch baden!“) Das Allerallerallerschönste für unsere Motte
– abgesehen vom abendlichen und morgendlichen Schmusen-im-Kuschel-Ex-Stillsessel-Vorlesen,
Mama-gokke (kochen, sprich Tomate-in-Wasser-Matschen) und Fangen-Wildsein-Schreien-Toben ist
definitiv draußen spielen. Mit Sand, schmutzigen Pfützen (aus denen Charlotte bisweilen trinkt),
Schaukel, Rutsche.

Warum also habe ich sie in eine zweisprachige Kita gesteckt (Grund: Mama muss arbeiten und
nirgendwo sonst gab's einen Platz)?

Braucht sie einen Chinesisch-Crashkurs, um sich in globalisierten Welt zurechtzufinden?
Sollte ich sie jetzt schon sanft in Richtung Klavier schubsen und mit Notenschlüssel statt
Haustürschlüssel experimentieren lassen?

Müssen Mini-Babys mit zehn Wochen beim Pekip-Kurs schon lernen, wie man sich dreht, wendet,
bevor‘s „natürlich“ passiert – alles unter ewigem Dauer-Gesang von ambitionierten Muttis?
MÜSSEN sie (selbst) lesen können – natürlich VOR der Schule?

Hat mein Kind jetzt schon verloren, wenn sie nur bis „Ein - Wei - Fün“ (1-2-5) zählt?
Meine Meinung: ALLES SCHNUPPE!

Ich hätte eine Mutti aus der Kita vor einem knappen Jahr beim ersten Elternabend am liebsten mit
Backpfeifen zum Erwachen gebracht, als die doch tatsächlich fragte (ihr Sohn = 11 Monate): „Und
wann lernt mein Kleiner hier rechnen? Ach ja, was ist mit Förderung in einer zweiten Fremdsprache –
außer Englisch?“

Ich bin mir sicher, die Mäuse brauchen vor allem Muttis, die NICHT sich selbst IM Kind verwirklichen
wollen. Sondern Mamas, die sie gut beobachten und nicht mit hochgesteckten Mega-Zielen
überfordern. Die checken, wann was fällig ist, z.B. Ruhe mit einer Vorlese-Einheit, Malen mit extremer
Matsch-Möglichkeit (Wasserfarbe plus Malkittel = SPITZE), nicht volltexten, wenn die Motte einem den
Rücken zukehrt und ihren Frieden beim Bauen haben will...

Meine Formel lautet: MACHEN LASSEN und einfach nur DA SEIN! Der Rest ergibt sich von
allein, so bescheuert das klingen mag.

Ich biete an – und Charlotte zeigt, was sie mag. Letzte Woche hab ich‘s übrigens mal mit „kreativem
Kindertanz“ in der Gruppe versucht. Eine Stunde, einmal in der Woche. Und? Motte vollkommen
hingerissen. Machte SOFORT mit. Tänzelte mit erhobenen Händen, „sang“ mit, nahm andere an den
Händen, drehte sich, bis sie aus den Socken plumpste. SCHRIE und gluckste vor Glück. Und tröstete
ein heulendes, fremdelndes, null-tanzen-wollendes Mädchen mit ihren Leibniz-Mini-Butterkeksen.
Danach war Charlotte beseelt, schwieg in der Straßenbahn glücklich und ermattet.
PS: Was Charlotte happy macht, macht Mutti auch happy. Nach unseren Regen-Abenteuern

Liebe Christiane,

Sonntagmorgen beim Frühstück: Mein Mann, der eigentlich immer Deutsch redet, sagt: „Alors,
Valentine, on va parler francais maintenant (dt.: wir werden jetzt mal französisch sprechen).“ Valentina
guckt ihn aus großen Augen an und ich sitze lachend daneben.

Woche für Woche wiederholt sich dieses äußerst witzige, für Außenstehende unverständliche
Schauspiel. Mein Mann, der in Frankreich aufgewachsen ist, erinnert sich an seine Wurzeln und will sie
seiner Tochter nun schnell einmal mitgeben. Da er aber nicht nur in Frankreich groß geworden ist,
sondern auch eine spanische Mutter und Großmutter hier in Hamburg hat, freut er sich ebenso über
jedes spanische Wort, was dank Familie gesprochen wird. Dass meine Tochter bislang davon keinerlei
Notiz genommen hat, ist ihm glücklicherweise egal.

Sollen wir unsere Kleine nun also in den französischen Kindergarten schicken? Oder ist die
kirchliche Kita schräg gegenüber für sie viel besser, weil die Kinder dort bei Wind und Wetter
draußen spielen und dabei ziemlich glücklich aussehen?

Mit welcher Sprache kommt man eigentlich weiter im Leben? Momentan ändern wir zu diesem Thema
beinahe täglich unsere Meinung. Denn, wann lernt es sich eine zweite Sprache leichter als jetzt?
Das Gleiche beim Thema Musik. Mein Mann spielt begeistert und ausgesprochen gut Klavier. Unsere
Tochter Valentina singt und tanzt, wann immer sie kann. Natürlich haben wir aufmerksamen Eltern
SOFORT ihre große Begabung erkannt und fragen uns nun: Wie wird dieses Kind entsprechend
gefördert? Wenn wir gerade mal nicht enthusiastisch vor ihr stehen, fällt mir allerdings auf, dass
dummerweise alle ihre kleinen Freunde und Freundinnen genauso gerne tanzen und singen.
Ist unsere Tochter etwa ein ganz normales (und damit wenig begabtes) Kind?

Natürlich war ich mit ihr beim Babyturnen, so wie du, Christiane, beim Pekip. Aber seien wir mal ehrlich:
Ist das nicht in Wirklichkeit eher ein Kommunikationstreff für Mamas, die offene Fragen haben? Das
Gleiche beim Babyschwimmen, Basteln etc. Zumindest wenn sie noch so klein sind wie unsere beiden
Töchter.

Wie immer in solchen großen Fragen des Lebens, habe ich Rat bei meiner Mutter geholt – und
die Antwort hätte ich mir auch vorher schon denken können...

„Liebe Caroline, für all diesen Schnickschnack hatten wir keine Zeit. Ich hatte ein Haus zu putzen und
im Gegensatz zu dir dabei keine Hilfe; ich hatte Mittag- und Abendessen für deinen Vater zu kochen
UND ich musste einkaufen (nichts mit Lieferservice). Euch beide habe ich währenddessen in den
Laufstall gesetzt oder bei besserem Wetter in den Garten. Wann also hätte ich euch FÖRDERN
sollen???“

Die Frage, ob wir, meine Schwester und ich, vielleicht klüger geworden wären ohne Laufstall aber MIT
tollen Kursen, hat sich nie gestellt. Denn im Grunde ging es ja nur ums Glücklichsein, um Geborgenheit
und Liebe. Ob mich DAS allerdings abhält, weiterhin alle zweisprachigen Kitas in unserer Umgebung
anzugucken, wir werden sehen...

Denn mit Frühförderung ist es fast wie mit einem Schnupfen. Sie ist furchtbar ansteckend. Und
wenn alle Müttern um dich herum irgendwelche Kurse besuchen – dann musst du doch eigentlich auch,
ODER???


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