#1

Unwort 2009

in Deutsch in Medien und Literatur 26.10.2009 00:20
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Schon über 500 Vorschläge für "Unwort des Jahres"

Frankfurt/Main (dpa) - Schon über 500 Vorschläge sind für das "Unwort des Jahres 2009" bei der Jury eingegangen, wie der Initiator der sprachkritischen Aktion, Horst Dieter Schlosser, mitteilte.

Darunter seien "erweiterter Suizid" als Umschreibung für einen Amoklauf, "Flüchtlingsbekämpfung" oder "betriebsratsverseuchte Mitarbeiter". Zum 19. Mal wird das Unwort gesucht. Dabei geht es darum, sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation des laufenden Jahres zu finden.

Vorschläge kann jeder machen, dem Begriffe im laufenden Jahr besonders negativ aufgefallen sind, weil sie sachlich grob unangemessen sind oder sogar die Menschenwürde verletzen. Sie können bis zum 11. Januar 2010 eingereicht werden, wie der Frankfurter Germanist weiter mitteilte. Die Beispiele sollen aus der öffentlichen Kommunikation stammen, etwa aus Politik, Verwaltung, Kulturinstitutionen, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Die Quelle für die Äußerung sollte nach Möglichkeit auch angegeben werden. Im vergangenen Jahr war "notleidende Banken" von einer Jury zum "Unwort des Jahres" gewählt worden.

Die Vorschläge können per Post an Prof. Horst Dieter Schlosser, Universität Frankfurt (Fach 161), 60629 Frankfurt am Main geschickt werden. Einsendungen sind auch per E-Mail möglich: Unwort@em.uni-frankfurt.de


http://portal.gmx.net/de/themen/lifestyl...des-Jahres.html


Es sind gute Vorschläge darunter.


zuletzt bearbeitet 26.10.2009 00:21 | nach oben springen

#2

Berliner Morgenpost: Unwort des Jahres - Warum auch ein Wort der Kanzlerin Chancen hat

in Deutsch in Medien und Literatur 16.01.2010 11:06
von AndyOSW • 631 Beiträge

Berliner Morgenpost: Unwort des Jahres - Warum auch ein Wort der Kanzlerin Chancen hat

Samstag, 16. Januar 2010 10:52

An diesem Wochenende fällt die Entscheidung über das "Unwort des Jahres". Der Chef der populären sprachkritischen Aktion, Prof. Horst-Dieter Schlosser, begründet, warum auch einer sprachlichen Entgleisung der Kanzlerin die zweifelhafte Ehre zuteil werden könnte.

Bei der Wahl des „Unworts des Jahres“ hat auch der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) benutzte Begriff „Flüchtlingsbekämpfung“ gute Chancen. Bei einem Vortrag bei der Bertelsmann-Stiftung habe Merkel davon gesprochen, dass auch Deutschland seinen Beitrag zur „Flüchtlingsbekämpfung“ leiste, erinnerte sich der Sprecher der sprachkritischen Aktion, Prof. Horst-Dieter Schlosser, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
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Merkels Begriff gehört zu den 982 verschiedenen Vorschlägen für das Unwort des Jahres 2009. Unter einem Unwort verstehen die Initiatoren sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation, die sachlich grob unangemessen sind oder sogar die Menschenwürde verletzen. Im vergangenen Jahr hieß das Unwort „notleidende Banken“.

Bei „Flüchtlingsbekämpfung“ stelle sich unter anderem die Frage, inwieweit die militärischen Aktionen im Mittelmeer damit gemeint seien. Der Begriff „betriebsratsverseuchte Mitarbeiter“ gehört zu Schlossers persönlichen Favoriten.

Damit werde „die Wahrnehmung von Arbeitnehmer-Interessen als Seuche und überhaupt als Krankheit“ verstanden, kritisierte er. Chancen habe auch der Begriff „Intelligente Wirksysteme“, mit dem eine Waffenfabrik ihre Munition bezeichnet habe. „Zielgerichtetes Verkranken“ aus dem Jargon der Krankenkassen sei ebenfalls unwortverdächtig. Dahinter stehe: „Je kränker der Patient, umso besser für die Krankenhäuser.“

2018 Vorschläge für das Unwort des Jahres gingen insgesamt ein, etwa so viele wie im Vorjahr. Am häufigsten – nämlich 183 Mal – sei dabei das „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ genannt worden. Damit sei aber mehr Sach- als Sprachkritik verbunden, sagte Schlosser.

Der Bundestagswahlkampf, die Regierungsbildung und die Finanzkrise hätten die Bürger am stärksten zu Vorschlägen angeregt, sagte Schlosser. Als Beispiele nannte er „Bad Bank“, „Bonuszahlungen“, „Abwrack-“ und „Umweltprämie“, „Schattenhaushalt“ und „Sondervermögen“.

Unter den häufigsten Einsendungen finde sich auch „systemrelevant“ als Bezeichnung für einige Wirtschaftszweige, „weil da Milliarden Euro für bestimmte Unternehmen locker gemacht werden und die anderen sehen müssen, wo sie bleiben“, erläuterte Schlosser.Das Unwort wird zum 19. Mal gesucht. Wie häufig ein Begriff vorgeschlagen wurde, spielt dabei keine Rolle.

Die Jury besteht aus vier festen Mitgliedern, allesamt Wissenschaftler, und ein bis zwei wechselnden Mitgliedern der Sprachpraxis. Das sind diesmal Stephan Hebel von der „Frankfurter Rundschau“ und der Sozialethiker Prof. Friedhelm Hengsbach (Ludwigshafen). Neben Schlosser geben seit einigen Jahren die Wissenschaftler Prof. Margot Heinemann (Leipzig), Prof. Nina Janich (Darmstadt) und Prof. Martin Wengeler (Düsseldorf) ihr Votum ab. Am Dienstag wird die Entscheidung der Jury bekanntgegeben.

dpa/omi

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#3

"Betriebsratsverseucht" ist "Unwort des Jahres"

in Deutsch in Medien und Literatur 19.01.2010 17:31
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Es ist entschieden. Das Unwort 2009 heißt betriebsratverseucht.

Eine gute Wahl, schließlich sind Arbeitnehmer, die ihre Rechte wahrnehmen und ihre Interessen vertreten, keine Seuche, sondern eine Notwendigkeit für eine funktionierende soziale Marktwirtschaft.

"Flüchtlingsbekämpfung" wäre vielleicht auch eine gute Wahl gewesen, allerdings handelt es sich hier wohl eher um einen sprachlichen Ausrutscher und nicht um den Ausdruck eines Bewußtseins, das der wortwörtlich verstandenen Begriffswahl entspräche. Ich entsinne mich, in den frühen 90ern einmal einen Brief erhalten zu haben von einem "Verein zur Bekämpfung krebskranker Kinder" (sic). Auch da unterstelle ich eher schlechten Stil und sprachliche Unbeholfenheit als alles andere, aber der Vergleich drängte sich auf.



http://www.tagesschau.de/inland/unwort106.html

Größter sprachlicher Missgriff 2009
"Betriebsratsverseucht" ist "Unwort des Jahres"


"Betriebsratsverseucht" ist das Unwort des Jahres 2009. Das gab die unabhängige Jury unter Leitung des Sprachwissenschaftlers Horst Schlosser in Frankfurt am Main bekannt. Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen "stört" zwar viele Unternehmen, sagte Schlosser. Dies als "Seuche" zu bezeichnen, sei aber ein zumindest sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen.

In der ARD-Sendung "Monitor" im Mai vergangenen Jahres habe ein Mitarbeiter einer Baumarktkette berichtet, dass die Bezeichnung "betriebsratsverseucht" von Abteilungsleitern verwendet werde, wenn ein Mitarbeiter von einer Filiale mit Betriebsrat in eine Filiale ohne Betriebsrat wechseln wolle, erklärte die Jury. In der neuen Filiale könnte ihm den Aussagen zufolge vorgehalten werden, dass sein bisheriges Vertrauen in eine Arbeitnehmervertretung die Einstellung gefährde.

Auf den weiteren Plätzen für das Unwort des Jahres kamen die Begriffe "Flüchtlingsbekämpfung", "intelligente Wirksysteme" und als sogenanntes Börsenunwort "Bad Bank".


zuletzt bearbeitet 19.01.2010 18:15 | nach oben springen

#4

RE: Unwort 2009

in Deutsch in Medien und Literatur 20.01.2010 10:08
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
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#5

RE: Unwort 2009

in Deutsch in Medien und Literatur 20.01.2010 16:01
von AndyOSW • 631 Beiträge

Zitat von Fritz-Franz
… unsere tägliche Aufregung gib uns heute und führe uns nicht zur Verzweiflung. Amen.


Habe mir die Diskussion aus obigem Betrag angesehen - was ist denen denn über die Leber gelaufen?

"Betriebsratsverseucht" finde ich eine gute Wahl für das allfällige Unwort, weil beim Unwort ja das zählt, was damit ausgedrückt werden soll. Das mit den "intelligenten Wirksystemen" versteht kein normal gebildeter Mensch, erst eine Erklärung vom Fachmann macht die Ungeheuerlichkeit sicht- und hörbar.

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#6

RE: Unwort 2009

in Deutsch in Medien und Literatur 20.01.2010 22:21
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Ist eben auch kein Gutmensch, der Professor Ickler. Naja, bei soviel Humankapital...

---

Das mit den intelligenten Wirksystemen gibt doch Hoffnung. In den Kriegen der Zukunft werden keine Menschen mehr getötet - es wird nur noch intelligent auf sie eingewirkt.

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#7

RE: Unwort 2009

in Deutsch in Medien und Literatur 21.01.2010 18:19
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
zuletzt bearbeitet 22.01.2010 10:50 | nach oben springen

#8

RE: Unwort 2009

in Deutsch in Medien und Literatur 22.01.2010 12:55
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Intelligente Wirksysteme zur effizienten Humankapitalrestrukturierung in betriebsratverseuchten Umfeldern bei minimierten Kollateraleffekten.

Unsprech hat was...

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