#1

Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 07.10.2010 17:50
von Dorftrottel • 32 Beiträge | 32 Punkte

War es schon Thema? Ich ertrage ihn kaum mehr, diesen Genitiv nach dank. Sie danken jemandes. Ich geh’ mich erhängen.

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#2

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 09.10.2010 11:10
von AndyOSW • 631 Beiträge | 631 Punkte

"Sie danken jemandes." - Ist natürlich falsche Anwendung des zweiten Falles. In der Schule haben wir die Anwendung des richtigen Falles durch eine Kontrollfrage ermittelt: "Wem danken sie?". Das setzt natürlich voraus, dass ich weiß, dass "Wem" im dritten Fall steht.

Ein anderer Punkt ist die Präposition "dank", die den zweiten oder dritten Fall verlangt, im Plural meistens den zweiten Fall: "dank meinem Fleiße", "dank eures guten Willens", "dank raffinierter Verfahren". Wenn man den jeweils anderen Fall anwendet, klingt es anders, ungewohnt: "dank meines Fleißes", "dank eurem guten Willen".

Ob man sich wegen des schlechten Deutsch der anderen aber suizidiert.... Was nötig ist, ist Bildung.

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#3

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 09.10.2010 13:31
von Dorftrottel • 32 Beiträge | 32 Punkte

Zitat von AndyOSW
Ob man sich wegen des schlechten Deutsch der anderen aber suizidiert.... Was nötig ist, ist Bildung.


Dann nehme ich halt Gift, denn es ist ebenso deprimierend, deine mangelhafte Bildung zu lesen. Sich suizidieren ist pleonastisch.

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#4

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 09.10.2010 20:35
von AndyOSW • 631 Beiträge | 631 Punkte

Ich schlage nicht bei jeder meiner Wortneuschöpfungen nach, ob diese den kritischen Anforderungen studierter Sprachwissenschaftler genügen. Ich schöpfe einfach neu und dachte, Sie verstehen, was ich meinte. Ein einfaches Drüberweglesen (auch dieses Wort steht nicht im Duden) hätte genügt - oder Sie hätten nachgefragt (der Gebrauch des Gedankenstrichs an dieser Stelle ist sicher auch verkehrt). Ich oute mich mal als bildungsfern: Ich besitze nur die mittlere Reife, habe einen Facharbeiterabschluss, dafür aber nie Latein- oder Altgriechischunterrricht gehabt. Und was heißt nun bitte "pleonastisch"? Ich schreibe falsche Vokabeln, Sie dafür unverständliche. Und jetzt schalte ich den Sarkasmusmodus wieder ab und hoffe, dass Sie mich verstanden haben. :-)


zuletzt bearbeitet 09.10.2010 20:36 | nach oben springen

#5

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 10.10.2010 10:00
von Dorftrottel • 32 Beiträge | 32 Punkte

Habe ich.

Kleiner Zwerg ist ein Pleonasmus oder weißer Schimmel, also doppelt gemoppelt, obschon Schimmelfüllen nicht weiß sind.

Den so genannten Gedankenstrich sollte man mit Zurückhaltung verwenden, und zwar nur dann, wenn es wirklich darum geht darzustellen, daß jemand einem Gedanken nachhängt. Gesetzt wird ein Geviertstrich, heute leider meistens der Dreiviertelgeviertstrich oder à la Schreibmaschine nur der Divis (Trennungsstrich). Ich mache mir die Mühe, mein Textverarbeitungsprogramm aufzurufen, um die Zeichen einsetzen zu können. Gedankenstrich ―, Minuszeichen oder Streckenstrich –. Trennungsstrich -.

Mit der mittleren Reife sollte man sich nicht ungebildet nennen, es sei denn, das deutsche Reformabitur tauge nicht so viel, wovon ich leider schon 1985 den Eindruck hatte. Ein Facharbeiterdiplom suche ich nächsten Sommer zu erlangen, ich hole mit 48 Jahren die Mechanikerlehre nach, von der mich meine Eltern 1974 abgehalten hatten.

Gefreut hätte mich, wenn wir beim Thema geblieben wären. AndyOSW, worin liegt der Unterschied zwischen Hauptwort Dank und Hilfszeitwort (Adverb) dank hinsichtlich Fall ? Der Sprachwissenschafter muß erst geboren werden, der uns weismacht, es handle sich um verschiedene Wörter. Es ist nämlich ein und dasselbe Wort, bloß ein Mal groß geschrieben, das andere Mal klein.

Dank der Mithilfe von Herrn Kübling sind wir früher fertig geworden. Dativ. Dank des Mehls klebt der Teig nicht an. Unfug. Es wird immer gedankt, jemandem oder einer Sache. Wie es im Worte drin steckt, geht es beim Genitiv um Erzeugung, Verwandtschaft. Genus heißt auf Lateinisch Geschlecht. Dank und Genitiv stehen sich inhaltlich fern. Dank des Mehls schmerzt deshalb an der Großhirnrinde, weil das Mehl im Genitiv als Erzeugtes, als Verwandtes von etwas erscheint, während dank in eine andere Richtung fällt.

Des Stuttgarter Bahnhofprojektes Gegner haben sich versammelt, . . .
Die Menschen, die gegen das Projekt sind, sind (sprachlich) Nachkommen, Erzeugte von dem Projekte. Darum der entsprechende Fall.

Wir haben nur vier Fälle in unserer Sprache. Finnisch, Ungarisch und Türkisch haben 14. Dafür kennt man da keine Präpositionen. Ob man von zu Hause kommt oder nach Hause geht, wird in diesen Sprachen mit fallabhängigen Endungen ausgedrückt. Du verstehst jetzt, warum ich der Verzweiflung näher rücke, wenn bei uns der Gebrauch von nur vier Fällen falsch ist. Ich erlebe fast täglich, wie Führungskräfte in der Wirtschaft nicht ein Mal den Nominativ beherrschen. Wir als Unternehmern, lese ich.

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#6

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 11.10.2010 14:43
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge | 1013 Punkte

Zitat von Dorftrottel
worin liegt der Unterschied zwischen Hauptwort Dank und Hilfszeitwort (Adverb) dank (sic!) hinsichtlich Fall ? Der Sprachwissenschafter muß erst geboren werden, der uns weismacht, es handle sich um verschiedene Wörter. Es ist nämlich ein und dasselbe Wort, bloß ein Mal groß geschrieben, das andere Mal klein.



(Hervorhebung von mir.)


Dorftrottel,

Sie sollten hier wirklich keinen Grammatikunterricht geben.


zuletzt bearbeitet 11.10.2010 14:46 | nach oben springen

#7

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 11.10.2010 18:10
von AndyOSW • 631 Beiträge | 631 Punkte

@Dorftrottel: Um beim Thema zu bleiben: Sie fragten weder nach "Dank" (Substantiv oder Hauptwort) noch nach "dank" (Präposition), sondern nach dem Fallgebrauch bei "danken" (Verb oder Tuwort). Diese Frage gedachte ich zu beantworten. Die Beispiele mit der Präposition "dank" brachte ich nur an, weil sie im täglichen Sprachgebrauche den einen oder anderen zum Verwenden des falschen Falles beim Tuwort "danken" verleiten könnten. Ist aber nur eine Mutmaßung von mir.

Im übrigen schreibt man wohl alle Hauptwörter groß, alle Präpositionen klein, außer am Satzanfange wie bei Ihren Beispielen. Und anders als bei Tuwörtern und Präpositionen verlangen Hauptwörter keinen Fall, sie erhalten ihn vielmehr durch Beugung. Welcher Fall anzuwenden ist, entscheidet ein Regelwerk der deutschen Sprache, oder Ihr Bauchgefühl. Letzteres kann trügen - Ihr beklagtes Beispiel "Sie danken jemandes." entsprang bestimmt einem solchen.

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#8

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 11.10.2010 18:20
von AndyOSW • 631 Beiträge | 631 Punkte

Nachtrag: @Dorftrottel: Hauptwörter haben natürlich außerdem einen Artikel. Im Beispiel von "Dank" ist es "der". Versuchen Sie mal, dem "Dank" in Ihren Beispielen einen bestimmten oder unbestimmten Artikel hinzuzufügen. Sie werden Schiffbruch erleiden. Es sind eben Präpositionen, keine Hauptwörter. Ich bin trotzdem kein Sprachwissenschaftler. Denn das mit den Hauptwörtern habe ich noch aus dem schon relativ lange zurückliegenden Deutschunterricht (mittlere Reife übrigens ohne Abitur, da POS-Abschluss) behalten.

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#9

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 11.10.2010 22:05
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge | 1013 Punkte

Alles korrekt, AndyOSW.

Ich bleibe dabei: wer die Präposition "dank" zum Hilfsverb erklärt, sollte keinen Grammatikunterricht geben.


zuletzt bearbeitet 13.10.2010 22:47 | nach oben springen

#10

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 12.10.2010 20:19
von Dorftrottel • 32 Beiträge | 32 Punkte

Da kann ich ja etwas lernen. Präpositionen sind keine Adverbien, es muss mir vorgestern schlecht gegangen sein. Welche Wortart den Fall vorgibt, ist aber nicht ganz klar. Das Zeitwort vor der Präposition? Wie ist die Rangfolge?

Was ist der POS-Abschluss?

Danke für eure Aktivität

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#11

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 13.10.2010 16:57
von AndyOSW • 631 Beiträge | 631 Punkte

POS heißt Polytechnische Oberschule und war die 10-jährige Standardschule in der DDR, den Realschulen heute vergleichbar. Schulabgänger hatten normalerweise einen 10-Klassen-Abschluss (manchmal auch nur 8). Das Abitur bekam man auf der Erweiterten Oberschule, die man nach der 8. bzw. 10. Klasse besuchen konnte. Es war auch möglich, das Abitur bei der Facharbeiterausbildung (die dann 3 statt 2 Jahre dauerte), abzulegen. Als Facharbeiter wiederum hatte man im Rahmen eines Fernstudiums ein vorbereitendes Jahr einzulegen, in dem man dann ein Fachabitur machen konnte. Letzteres wäre das meinige, wenn nicht die Wiedervereinigung dazwischengekommen wäre.

Und welchen Fall eine Präposition verlangt, ist von Präposition zu Präposition unterschiedlich. Ein Blick in den Duden oder mein Bauchgefühl, das sind meine Rezepte. Manchmal auch eine Frage des persönlichen Stils, wie im Falle der Präposition "wegen":

Wegen des schlechten Abschneidens der klingonischen Nationalmannschaft wurde deren Trainer gefeuert. (Genitiv) Hier könnte man auch den Dativ verwenden, klingt dann aber recht prollig. Der Berliner übrigens würde beides ignorieren: Wejen det schlechte Abschneiden...

oder:

Er war wegen Geschäften nicht im Hause. (Dativ)


zuletzt bearbeitet 13.10.2010 16:59 | nach oben springen

#12

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 13.10.2010 17:38
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge | 1013 Punkte

http://www.duden.de/deutsche_sprache/spr...?id=132#gewusst

a) Standardsprachlich folgt auf die Präposition "dank" der Genitiv. Der Dativ ist möglich, aber zweite Wahl.

"Dank der schnellen Hilfe hat der Verletzte überlebt".

b) Auf das Verb "danken" folgt der Dativ. WEM danke ich?

"Wir danken den Rettungskräften."

c) Auf das Substantiv (Hauptwort) Dank folgt ebenfalls der Dativ.

"Dank sei allen Beteiligten."

---

Ein semantisches Problem (Wortbedeutung) ergibt sich, wenn die Präposition "dank" da angewendet wird, wo es zwar einen Kausalzusammenhang, aber niemandem etwas zu danken gibt. Im obigen Beispielsatz a) kann den Helfern gedankt werden, das ist so in Ordnung.

Weniger Sinn ergibt dies:

"Dank der Wirtschaftskrise verlor K. seinen Arbeitsplatz."

Hier gibt es niemandem etwas zu danken, und man hätte besser "aufgrund" oder "wegen" geschrieben.

Tip deshalb: jedesmal prüfen, ob nicht "aufgrund" oder "wegen" einen besseren Sinn ergibt.


zuletzt bearbeitet 13.10.2010 17:39 | nach oben springen

#13

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 13.10.2010 17:46
von Dorftrottel • 32 Beiträge | 32 Punkte

. . . wurde deren Trainer . . . finde ich ein treffendes Beispiel für die Entwicklung, die unsere Sprache nimmt. wurde ihr Trainer ist nach meinem Dafürhalten nicht nur passend, sondern auch richtig. Deren ist doch ein Possessivpronomen in Beugung, die es nicht braucht. Mir kommt das nur als Aufblähung vor.

Ja, de Berliner, die sajen ja och Ick liebe dir und Dir kenn ick, du Aas. Einfluss des Schwedischen, wo es keinen Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ mehr gibt. Jag kännar dig (Ich kenne dich), jag tror dig (ich traue dir).

Schamane, für mich geht dank und Genitiv einfach nicht.

Dank der Wirtschaftskrise ist, völlig einverstanden, unschlau. Wegen des Regens bleiben viele zu Hause, klassisches Beispiel. In Folge der schlechten Konjunktur, usw.


zuletzt bearbeitet 13.10.2010 17:50 | nach oben springen

#14

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 13.10.2010 22:20
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge | 1013 Punkte

"Dank" als Präposition mit Genitiv ist schon richtig. Aber wie ich oben schon sagte, man kann es umgehen oder vermeiden.

Richtig ist, wie Sie zu Beginn sagten, daß "danken" als Verb mit Genitiv komplett falsch ist.

"Wir danken der Spender" - das geht wirklich nicht. Wir danken den Spendern.

Aber: dank eines aufmerksamen Zeugen wurde der Einbruch aufgeklärt.


zuletzt bearbeitet 13.10.2010 22:22 | nach oben springen

#15

RE: Idiotengenitiv

in Deutsch in Medien und Literatur 14.10.2010 17:05
von AndyOSW • 631 Beiträge | 631 Punkte

Ist "deren" nicht die Plural-Entsprechung von "dessen"? Was soll daran unzulässig gebeugt sein? In meinem Beispiele wollte ich eben ein besitzanzeigendes Fürwort verwenden. "Deren" bezieht sich auf die "Besitzer" des gefeuerten Trainers: die in Mehrzahl auftretende klingonische Nationalmannschaft.

Natürlich kann man alles auch anders schreiben, muss man aber nicht, dank der Ausdrucksvielfalt der deutschen Sprache.


zuletzt bearbeitet 14.10.2010 17:13 | nach oben springen


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