#1

Nachschlag

in F r e i s t i l 23.03.2007 14:21
von Der fröhliche Hai

Aus der SZ vom

Freitag, 16. Februar 2007



"In Deutschland habe ich mich immer über die Unsitte der Anglizismen geärgert. Fast zwanghaft transformieren Werbeleute, Unternehmensberater und Journalisten gutes Deutsch in schlechtes Englisch. Wenn die Zeitung „Die Welt“ eine Kompaktausgabe herausbringt, dann nennt sie das „Zeitung to go“, ein Stehempfang ist ein „Get together“ und aus dem Unternehmer wird ein „Entrepreneur“, was zwar aus dem Französischen kommt, aber in Deutschland natürlich mit amerikanischem Akzent ausgesprochen wird.

Wenn neue Phänomene auftauchen, macht man sich gar nicht mehr erst die Mühe, einen aussagefähigen deutschen Begriff dafür zu finden. Börsennotierte Immobilienfirmen heißen bei uns „REITs“ (Real Estate Investment Trusts); und um Ausdrücke wie Hedge-Fonds, Server oder MP3-Player ins Deutsche zu übertragen, braucht man meist ziemlich komplizierte Sätze.

Das alles hat mit geistiger Trägheit und mangelndem sprachlichen Selbstbewusstsein in Deutschland zu tun. In New York lerne ich derzeit das Gegenteil kennen: Wissenschaftler und Meinungsbildner in Amerika wollen verstanden werden, im Gegensatz zu vielen ihrer deutschen Kollegen. Deshalb verwenden sie in aller Regel Begriffe, die um dieses Verständnis werben. Und genau das macht einen Teil der Vitalität der englischen Sprache aus: Sie produziert laufend exportfähige Begriffe.

Beispiel Klimapolitik. In den Vereinigten Staaten hat sich die öffentliche Meinung zu dem Thema radikal gewandelt. In Politik und Wirtschaft ist inzwischen nahezu unbestritten, dass die Industrieländer den Ausstoß von Kohlendioxid entschlossen und kollektiv begrenzen sollten. Dies lässt sich unter anderem erreichen, indem Unternehmen, die Co2 emittieren, dafür einen Preis bezahlen müssen. Sie bekommen Verschmutzungsrechte zugeteilt, mit denen sie handeln können. So entsteht ein ökonomischer Anreiz, sich umweltfreundlich zu verhalten.

Das Ganze nennt man in Deutschland „Emissionsrechtehandel“, was präzise ist, aber auch ziemlich bürokratisch. In Amerika sagt man: „Cap and Trade“ – „Deckeln und Handeln“. Das klingt nicht nur gut, sondern bringt zugleich das Prinzip auf den Punkt: Wer den Schaden begrenzt, gewinnt Handlungsspielraum. Dass es dabei um die Emission von CO2 geht, ergibt sich meist sowieso aus dem Zusammenhang.

Ich gehe jede Wette ein, dass wir in Deutschland auch bald von „Cap-and-Trade-Systemen“ hören werden."



Ja, so wird das sein. Die Deutschen mit ihrer vorauseilenden Sprachunterwürfigkeit. Aber du kannsr beruhigt sein. Lieb Vaterland magst ruhig sein........... Erbärmlich !


Wir Haie sind Wanderer zwischen den Welten ......
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