#46

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 13.04.2007 00:09
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

Nun gut, das Thema ist wohl unaufhaltbar!?

Lieber Schamane, ich bin mit Ihrer Meinung 100% d'accord!

Wie ich gerade vor einer Stunde in den Nachrichten erfuhr (ich weiß ja auch nicht alles, und schon gar nicht im Voraus), soll Filbinger tatsächlich kein Mitglied der NSDAP gewesen sein. Aber er war sehr wohl einer jener »schrecklichen Richter«, die sich willfährig dem NS-Regime hingaben und den damaligen Machthabern gefällige Urteile gab. Filbinger hat nachweislich, und das sogar noch unmittelbar während, wenn nicht sogar nach der Kapitulation, mehrere Soldaten wegen »Unerlaubtem Entfernen von der Truppe« (also Fahnenflucht) zu Tode verurteilt.

Öttinger behauptet nun, keiner der Verurteilten sei tatsächlich zutode gekommen und nimmt dies zum Anlaß, diesen braunen Henker postum zu einem Widerstandskämpfer umzufunktionieren. In Wahrheit aber war das mitnichten des Filbingers Verdienst, denn tatsächlich war das so, daß er der Soldaten nicht habhaft wurde (die haben sich da entfernt!) und gar nicht henken konnte. Dieses Mißgeschick der engtangenen Gelegenheit postum in eine Heldentat umzufunktionieren ist an Abscheulichkeit kaum noch zu überbieten. Um mit den Worten eines bekannten deutschen Dichters zu sagen: ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!

Erika Ciesla

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#47

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 16.04.2007 15:46
von Frau Musterfrau • 33 Beiträge

Auch wenn Wiki nicht immer als seriös gilt (Auszüge):

"1934 bis 1937 war Filbinger Mitglied der SA und 1933 bis 1936 des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB). 1935 veröffentlichte er in einer katholischen Studentenzeitschrift einen Aufsatz, der Elemente der nationalsozialistischen Volksgemeinschafts- und Rassenideologie übernahm. Gleichwohl stellte Generalstaatsanwalt Emil Brettle im Januar 1937 dem Kandidaten Filbinger bei der Vorstellung zum ersten juristischen Staatsexamen eine Zulassung zum zweiten Examen erst dann in Aussicht, wenn die aktenkundigen politischen Beanstandungen ausgeräumt wären. Filbinger trat im Frühjahr 1937 der NSDAP bei und begann damit die Referendarsausbildung. 1940 wurde Filbinger zur Marine eingezogen und erreichte 1943 den Dienstgrad eines Oberfähnrichs zur See. Kurz vor der Beförderung zum Leutnant wurde er zur Militärjustiz abkommandiert - gegen seinen Willen, wie er selbst nachträglich darstellte. ...

Im Frühjahr 1943 wurde Filbinger als Stabsrichter zur Militärjustiz der Marine abkommandiert. Filbinger war insgesamt an ca. 230 Marinestrafverfahren beteiligt. In sechs Fällen wurde dabei die Todesstrafe verhandelt. In zwei Fällen fungierte Filbinger als Vertreter der Anklage und in zwei Fällen als Vorsitzender Richter. Er war Ankläger in einem Verfahren gegen einen Plünderer, der 1943 zum Tode verurteilt wurde. Das Todesurteil wurde wegen der von Filbinger beigesteuerten entlastenden Dokumente nicht vollstreckt. Beim Fahnenfluchtverfahren gegen den 21-jährigen Matrosen Walter Gröger wurde Filbinger erst am Tag der Hauptverhandlung Ersatzmann des Anklagevertreters. In einem ersten Verfahren war Gröger zu einer Zuchthausstrafe verurteilt worden. Generaladmiral Otto Schniewind als Gerichtsherr wies allerdings die Anklagevertreter an, die Todesstrafe zu verlangen. Das Gericht verurteilte Gröger auf Antrag Filbingers zum Tode. Einen Begnadigungsantrag lehnte Admiral Dönitz ab und verfügte die Vollstreckung, die Filbinger für den 16. März 1945 ansetzte, wobei er als „Leitender Offizier“ das Exekutionskommando zusammenstellte und den Feuerbefehl gab. ...
Mindestens das Urteil gegen Gröger wurde jedoch nachweislich vollstreckt. Filbinger hatte zudem am 1. Juni 1945, vier Wochen nach Kriegsende, einen Oberleutnant namens Petzold wegen Entfernens von der Truppe zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt."

Also doch nicht nur ein karrieregeiler Mitläufer.

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#48

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 17.04.2007 22:23
von Merlot • 37 Beiträge
Warum sollte irgendeine Sprache die Welt "dominieren"? Das ist vielleicht die wichtigere Frage. Schon klar, das Englische hat einen Umfang, der sich durch Jahrhunderte fast bis ins entlegendste Kaff, von Kapstadt zu Beijing, das unoffizielle offizielle sowie bevorzugte Kommuni(oft Misskommuni-)kationsmittel unseres Planeten erstreckt.
Allerdings sollten wir mal den Standard dieser unerwählten Weltsprache kurz anschauen:Z.B. Bejing befindet sich momentan unter gewissem Zeitdruck, alle peinlich falsch übersetzten zweisprachigen Hinweis u.-Strassenschilder, Maschinenbauanleitungen usw. in Vorbereitung auf die geplante Olypiade '08 endlich in gebrauchsfähigem Englisch wiederzugeben, da sie Auslandsgäste nicht verstehen. Verhunzte englischsprachige Handbüchlein aus allen Herrens Ländern sind in täglichen Umlauf gekommen, werden überall so weit verbreitet, dass vielen sogar das Falsche wie das Richtige aussieht und sich niemand um korrekten Sprachgebrauch mehr kümmert!

Ist das die Weltsprache, die wir uns so begehrt erwünschen??
Merlot
zuletzt bearbeitet 18.04.2007 00:02 | nach oben springen

#49

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 19.04.2007 13:30
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Hallo Merlot,

nein, aber das scheint die faktische Weltsprache zu sein: Broken English.

Ich erinnere mich, wie ein mittlerweile emeritierter deutscher Physikprofessor, der abwechselnd in Deutschland und den USA lehrte, bei der Heirat seiner Tochter, selber Dr. rer. nat., seine Brautvaterrede mit Rücksicht auf die internationale Zusammensetzung der Hochzeitsgäste auf zwei Sprachen hielt: Deutsch, und wie er es selber mit Selbstironie ausdrückte, "der internationalen Wissenschaftssprache BE, Broken English". Die Lacher blieben nicht aus.

Dies scheint mir nun nicht nur die internationale Sprache der Wissenschaft zu sein, sondern auch die des Handels, der Wirtschaft, des Transportwesens, des Tourismus und anderer Bereiche.


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In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
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#50

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 19.04.2007 14:05
von Merlot • 37 Beiträge
Hallo, Schamane!
Es scheint mir, du bist schon versagt, dass "Broken English" die neue Weltsprache sei. Aber ich nicht und zwar nie. Waeren die Umstaende andersrum und z.B. "Denglisch" oder "Engleutsch", d.h. "Broken German", die Weltsprache sei, waere das wuenschenswert? Blind folgsam in die Mittelmaessigkeit hinein akzeptieren, kann ich auf jedenfall den Qualitaetsuntergang der englischen Sprache zuungunsten der Pflege anderer Sprachen zum Weiterlernen nicht, tut mir leid.

Kann der deutsche Gespraechspartner kaum halbwegs gut Englisch, allerdings sein amerikanischer Gespraechspartner hervorragend Deutsch, warum denn bitte, sollte der Deutsche in seinem radebrechenden Englisch ruhig weiter hinplappern, wobei er nicht faehig ist, Sachen auszudruecken, die er moechte?
Merlot
zuletzt bearbeitet 19.04.2007 14:23 | nach oben springen

#51

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 19.04.2007 15:03
von Frau Musterfrau • 33 Beiträge

Ich korrespondiere beruflich mit Menschen u.a. aus Japan, China, Indien, den Arabischen Emiraten und dem Iran - dies tun wir in der Regel auf Englisch, bzw. das, was wir dafür halten. Hier geht es nicht um korrekte Grammatik oder geschliffenen Stil, sondern darum, daß wir dem jeweils anderen begreiflich machen, worum es in der konkreten Sache geht. Englisch ist Mittel zum Zweck, weiter nichts. Und es funktioniert, wenn damit der Zweck erfüllt wird.
Eine weitere Sprache - außer Englisch -, die alle diese Länder miteinander verbindet, fällt mir nicht ein.
Ich bin jedenfalls froh, nicht auch noch Japanisch, Chinesisch, Hindi, Arabisch und Persisch lernen zu müssen.

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#52

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 19.04.2007 19:21
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

Dies ist eine gute Anmerkung. Daß Englisch nur eine zweckdienliche Sprache sein wird, im Bereich der Literatur nicht aber in demselben Maße dazugewinnen wird, vermute ich seit längerem. Warum auch? Literaten bleiben bis auf wenige Muttersprachler, die Zahl derer, denen schlechtes Englisch zum bloßen Austauschen von Information dient, wird wachsen. Eine weitere Frage, die sich dann auftut, ist, ob dieses "schlechte" Englisch in großem Maße auf die Literatursprache Englisch abfärben wird.

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#53

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 19.04.2007 19:21
von Merlot • 37 Beiträge

"....mittel zum Zweck, weiter nicht."

Nun, was für ein Mittel! Dieses Thread könnte ich mal auf immer und ewig fortführen, mache aber hier erfreulicherweise halt STOPP! --:)
Merlot

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#54

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 19.04.2007 21:05
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Wichtig ist doch letztlich, daß sie sich irgendwie verstehen. Und dazu ist es nicht notwendig, Englisch auf dem Niveau von Shakespeare, T.S. Eliot oder G.B. Shaw zu sprechen. In der internationalen Verständigung ist Englisch ein Werkzeug. Das muß nicht schön sein, sondern seinen Zweck erfüllen, nämlich den einer internationalen Verkehrssprache.

Das Schreiben hoher Literatur sollte man den jeweiligen Muttersprachlern überlassen, auch wenn es einige wenige Autoren gegeben hat, die in einer anderen Sprache als ihrer eigenen Literatur geschrieben haben. Joseph Conrad fällt mir ein oder Adelbert von Chamisso. Das sind aber Ausnahmen.


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#55

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 19.04.2007 21:34
von Merlot • 37 Beiträge
".......sollten Muttersprachlern überlassen....

JAWOHL! Da liegt der Hund begraben, tun sie's aber fast nie, überlassen sie's lieber Sprachtalentlosen, dahingegen in Englischunterrichtsstunden überall auf der Welt vor allem ebensolche Sprachstümper im Englischen landen!!
Merlot
zuletzt bearbeitet 19.04.2007 21:36 | nach oben springen

#56

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 19.04.2007 22:23
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Ich kann Ihnen jetzt nicht folgen, Merlot. Wer sind die Sprachstümper, von denen Sie reden?
Und darf ich fragen, was Ihre Muttersprache ist?


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In die Klartext-Geisterwelt eingegangen am 17. April 2007
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#57

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 20.04.2007 00:02
von Merlot • 37 Beiträge

Die Sprachstümper von denen ich rede, sind vor allem die Durschschnitts-Englischlernenden, die sich sprachliche Kompetenzen anmassen, die überhaupt unangebracht sind. Sie meinen, sie besitzen höhere Englischfähigkeiten als eigentlich der Fall ist.
Ich will aber nicht hier alle über einen Kamm scheren! -:)
Ich bin zweisprachiger deutsch/englischer Muttersprachler.
Merlot

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#58

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 20.04.2007 19:15
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge

Danke, Merlot. Jetzt ist mir klar, wen sie meinten.


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#59

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 23.04.2007 15:02
von Merlot • 37 Beiträge

Und ich danke Ihnen fuer die Anerkennung, freue mich, dass Sie schon im Klaren sind, wen ich meinte, wuerde mich ja eher auf Ihre Stellungnahme freuen, zu dem was ich geschrieben habe!
Merlot

PS
Englisch als zweckdienliches Werkzeug aller Weltbuerger. Hmmm, klingt interessant, auch praktisch, was aber wird aus dem "neuen" Englisch? Sollen wir dann guenstigkeitshalber in Zukunft ruhig "make lessons" oder (richtig!!)"take classes", "take decisions" oder "make decisions" usw.??
Was wird aus diesem Mischmasch??

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#60

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 23.04.2007 18:13
von Erika Ciesla • 116 Beiträge
Ich will keinem persönlich antworten sondern nur zur Sache etwas fallen lassen, und zwar eine Bemerkung.

Die sogenannte »Lingua franca« hat im Laufe der Zeit mehrmals gewechselt. Lange zeit war es das Latein, später trat an dessen Stelle das Französische. Ok dat Plattdüütsche is for een korte tied de Lingua franca wesen, just as de Hanse in de heele Noord- un Ostsee den Handel bedreven har. Ja, und heute ist es eben Englisch. Und eigentlich stört mich das auch nicht. Es ist äußerst praktisch zu wissen, daß es mindestens eine Sprache gibt, mit der man nahezu überall in der Welt zurechtkommt, und so viel Englisch kann ich wohl, daß mir dies gelingt. Aber wenn ich einen deutschen Text lese, und dabei bei jedem zweiten oder dritten Wort erst auf Englisch umschalten muß, dann geht mir das Ding ganz gewaltig auf den Sack (auch wenn das organisch nicht ganz korrekt ist).

So neulich im Fernsehen: Des Kwollifayjing der DTM wurde wegen Unfall unterbrochen, man wartet nun auf den Riehstart. In der Zwischenzeit findet ein Wormapp statt. Et cetera.

Das ist, mit Verlaub, weder Englisch noch Deutsch, das ist einfach nur Kauderwelsch!

Glückauf!
Erika Ciesla
zuletzt bearbeitet 23.04.2007 18:20 | nach oben springen


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