#1

Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 29.03.2007 02:17
von Fritz-Franz • 675 Beiträge
„Jedes englische Wort, das wir benutzen, ist ein Kniefall vor der herrschenden Weltmacht USA", sagte jemand. Was meint der deutsche Michel dazu?
zuletzt bearbeitet 26.05.2007 17:36 | nach oben springen

#2

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 29.03.2007 12:07
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

Lieber ein halber Ami als ein ganzer Nazi?

Daß Englisch derzeit die Welt dominiert, und auch traktiert, das läßt sich wohl nicht übersehen, aber kein anderes Volk unterwirft dich diesem Diktat mit einer derart hündischen Folgsamkeit, wie das Deutsche. Und das gilt nicht nur für die importierten Begriffe daselbst, denn sogar bei lateinischen und griechischen Wörtern äffen wir ja mittlerweile schon eine amerikanische Aussprache nach, ja ist das denn noch normal?

Nein, ist es nicht! Es ist vielmehr zutieft paranoid, quasi masochistisch, denn einerseits hat die Zahl der Anglizismen bereits eine Größe erreicht, die definitiv unerträglich ist, andererseits vermögen wir dennoch nicht zu verhindern, daß immer mehr Anglizismen auf uns eingedroschen werden, just so, als ob die ganze deutsche Sprache peu à peu ins Englische übertragen werden soll. Was würden wohl die Franzosen tun, wenn man mit ihnen verlgeichbares versuchte? Sie würden auf die Barrikaden steigen!

Es hat, so vermute ich, mit jenen »tausend Jahren« zu tun, die zwischen 1933 und 1945 stattgefunden haben. Daß wir auf diese Zeit wahrlich nicht stolz sind, das ist gut und richtig so, haben wir also doch wenigstens was daraus gelernt. Doch manch einer der sogenannten »Achtundsechziger«, die sich für links hielten, ohne je zu wissen was überhaupt links ist, geht noch einen Schritt weiter. Für sie ist Deutsch die Sprache der Nazis an und für sich, die ein für allemal vom Erdenrund zu tilgen sei (als ob man mit der Sprache auch die Geschichte löschen könnte). Obwohl sie sich links wähnten, und eigentlich die Amis haßten (siehe Anti-Vietnam-Bewegung), wollten sie am Ende doch lieber ein falscher Ami denn ein echter Nazi sein.

Na denn mal prost-Mahlzeit!
Erika Ciesla

PS.
Es sind übrigens just dieselben (sich seinerzeit noch links wähnenden) »Gutmenschen«, die uns heute nicht nur mit ihren Anglizismen verprügeln, sondern uns auch die Rechtschreibreform bescherten. Nach ihrem Glauben sei Orthographie ein hochherrschaftliches Machtinstument der Bourgeoisie, mit dem sie sich vom Proletariat abgrenze. Getreu der Losung, »macht kaputt was Euch kaputt macht«, verlangten sie, daß die Orthographie zerstört werde. Und mir deucht, es ist ihnen gelungen, denn wenn ich mir die sogenannte neue deutsche Rechtschreibung so angucke, dann sehe ich keine Orthographie, sondern einen Augiasstall.

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#3

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 29.03.2007 15:00
von Tybalt • 63 Beiträge

In Antwort auf:

Daß Englisch derzeit die Welt dominiert, und auch traktiert, das läßt sich wohl nicht übersehen, aber kein anderes Volk unterwirft dich diesem Diktat mit einer derart hündischen Folgsamkeit, wie das Deutsche.



Diesen Mythos hört man immer wieder, vorgetragen in rechtschaffenem Zorn. Von einem kleine Problem (Die Aussage stimmt halt nicht) lassen sich die wenigsten Kassandra-Blöker abhalten. Rechtschaffender Zorn ist schließlich mächtiger als irgendwelche kleinen, dummen, störenden Fakten.

In Antwort auf:

Und das gilt nicht nur für die importierten Begriffe daselbst, denn sogar bei lateinischen und griechischen Wörtern äffen wir ja mittlerweile schon eine amerikanische Aussprache nach,



Habe ich so noch nicht gehört. Ein Beispiel?

In Antwort auf:

denn einerseits hat die Zahl der Anglizismen bereits eine Größe erreicht, die definitiv unerträglich ist, andererseits vermögen wir dennoch nicht zu verhindern, daß immer mehr Anglizismen auf uns eingedroschen werden, just so, als ob die ganze deutsche Sprache peu à peu ins Englische übertragen werden soll.



Durchatmen...

Ruhig durchatmen...

Also: Die deutsche Sprache wird nicht in Englisch verwandelt. Mal ganz ehrlich: Wie sollte das denn passieren? Und klar macht es was her, laut "Das Ende ist nah!" zu rufen, und man findet auch Beachtung, aber: die Glaubwürdigkeit geht den Bach runter. Wer so hysterich den Teufel... oh entschuldigun, den Devil an die Wall painted, (um auch mal das ach so lustige Stilmittel der Denglischfresser zu verwenden) ist zwar für den einen oder anderen Lacher gut, das ist aber alles.

In Antwort auf:

Was würden wohl die Franzosen tun, wenn man mit ihnen verlgeichbares versuchte? Sie würden auf die Barrikaden steigen!


Hier.

In Antwort auf:

Es hat, so vermute ich, mit jenen »tausend Jahren« zu tun, die zwischen 1933 und 1945 stattgefunden haben. Daß wir auf diese Zeit wahrlich nicht stolz sind, das ist gut und richtig so, haben wir also doch wenigstens was daraus gelernt.


Mottenkiste auf, Adolf raus, Erklärung fertig. Ich bitte sie. Billiger geht es doch wohl nicht.


Tybalt,
verwendet die englische Wikipedia, weil die Einträge umfangreicher sind.


(\__/)
( o o )
(>/||\<)
Das ist Bunnythulhu. Er ist erwacht, und er wird alle in den Wahnsinn treiben. Kopiere Bunnythulhu in deine Signatur oder koste seinen süßen Wahnsinn!
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#4

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 01.04.2007 02:36
von Erika Ciesla • 116 Beiträge
Hallo, lieber Fritz-Franz,

Ich glaube, daß wir im Prinzip einig sind und uns nur in den Details unterscheiden. Daß Sie nichts gegen das Englische an und für sich haben, da kann auch ich ohne Bedenken meinen Namen drunter schreiben. Ich mag Englisch sogar, schaue mir, so ich daran gelange, englische und amerikanische Filme gerne im Original an. Aber diese abscheuliche Mischung aus schlechtem Deutsch und falschem Englisch, die kann ich nicht ab.

Aber es ist noch nicht einmal darum, daß wir überhaupt englische Begriffe übernehmen, so sie nützlich sind. Die deutsche Sprache hat schon immer Wörter aus anderen Sprachen (Lateinisch, Griechisch oder Französisch) übernommen und sich zueigen gemacht, das ist also gar nicht das Problem. Aber daß Begriffe ersetzt werden, die wir schon haben, daß auch wohlvertraute Wörter plötzlich einfach nicht mehr da sind, das geht mir zu weit. Ich brauche zum Beispiel wirklich keine »Ticket-Hotline«, denn das Kartentelefon gibt es nämlich schon, et cetera.

Und was die Deutschen betrifft, ja nun, das sind nunmal meine Landsleute, die kenn’ ich am besten. In Österreich und in der Schweiz weilte ich stets nur kurze Zeit als Gast, kenne die dortigen Verhältnisse folglich nur ungefähr. Sollte dieser Teil der deutschsprachigen Welt in meinen Texte zu kurz kommen, dann ist das keineswegs eine Mißachtung, sondern allein der Unkenntnis geschuldet.

Grüazi, servus und hallo!
Erika Ciesla

ps.
Eines meiner Lieblingsimmigranten ist übrigens der »Muckefuck«, so nennen wir den Kaffee, wenn er nicht schmeckt. Das Wort kommt vom Französischen »Mocca faux«, dem falschen Kaffee.
zuletzt bearbeitet 01.04.2007 03:03 | nach oben springen

#5

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 01.04.2007 05:11
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

Hallo Fritz-Franz,

ich habe nur einen Grund gegen Denglisch: es ist entbehrlich!

Die deutsche Sprache hat schon immer, seit es sie überhaupt gibt, Wörter aus anderen Sprachen (Lateinisch, Grieschisch, Hebräisch und Französisch) aufgenommen und sich zueigen gemacht. Auch ist es so, daß man fremde Wörter stets dann aufgenommen hat, wenn es dafür in der eigenen Sprach entweder noch gar kein Wort gab, oder wenn das fremde Wort angenehmer war als das eigene. Aber die Menge macht, daß es unerträglich wird!

Beim sogenannten Denglisch ist es vorzugsweise so, daß alteingesessene und wohlvertraute Wörter ohne Not verdrängt werden, und da hört der Spaß auf. So brauche ich, nur mal so zum Beispiel, definitiv keine »Ticket-Hotline«, denn das »Kartentelefon« gibt es schon.

Servus!
Erika Ciesla

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#6

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 01.04.2007 08:41
von Vertaler • 41 Beiträge

Das gleich zweimal (warum eigentlich?) gebrachte Beispiel vom „Kartentelefon“ ist schlecht – denn ein Kartentelefon ist doch wohl eher ein öffentliches Telefon, bei dem man mit einer Karte zahlt (im Gegensatz zum Münztelefon).
Karten, Tickets, Billetts, da gibt’s viele Begriffe, mir ist da gleich, welcher verwendet wird. Ticket und Billett haben den Vorteil, daß sie nicht mit z. B. Straßenkarten verwechselt werden können.


--
Wichte sind wichtig.
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#7

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 01.04.2007 12:07
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

Lieber Fritz-Franz,

ja dann hab’ ich eben zwei gute Gründe gegen Denglisch, denn in der Tat ist Deusch die Sprache die noch vor Englisch am besten beherrsche, in der ich mich am besten ausdrücken kann; und die ich mag. Und was das Verunglimpfen betrifft, es wird ja verunglimpft, wenn man Denglisch spricht, und zwar sowohl das Deutsche als auch das Englische!

Hierzu auch gleich ein Beispiel. Neulich in einer Diskussion im Fernsehen über das Denglisch-Unwesen berichtete eine Amerikanerin, also eine, die das Englsiche muttersprachlich spricht, daß auch sie mit diesen denglischen Werbesprüchen Probleme hat. Bei »Coffee on rolls« hat sie »Kaffee auf Rollen« (Kaffe auf Rädern?) verstanden (man vermutet einen Kaffeelieferdienst für Behinderte, die das Haus nicht verlassen können). Wäre dort »Coffee and Rolls« auf dem Plakatständer gestanden, dann hätte sie »Kaffe und Brötchen« verstanden, ergo ein Frühstück.

Und die Verwechslungsgefahr, die sehe ich nicht. Wenn jemand Promotion, äh, Reklame für ein Event, äh, für eine Veranstaltung macht und just in diesem Kontext die Nummer von einem Kartentelefon ansagt, habe zumindest ich noch nie an eine Straßenkarte sondern immer nur an Eintrittskarten gedacht. Und auch nicht an eine bargeldlose Telefonzelle, womit ich en passant auch gleich unserem Freund Vertaler eine Antwort gebe.

Und außerdem, es hat ja jahrzehntelang »Kartentelefon« geheißen, ohne daß es darum jemals zu Mißverständnissen oder Problemen kam. Es bestand folglich gar keine Notwendigkeit, dieses Wort zu ersetzen.

Servus!
Erika Ciesla

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#8

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 02.04.2007 10:35
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

Moin,

Homonyme existieren - mit oder ohne (D)Englisch. Denken wir an den Deutschen Satz - was kann er nicht alles sein? Mir fallen spontan über fünf Bedeutungen ein. Denken wir an Ticket, fallen mir auch über fünf Verwendungen ein. Ja, "Straßenkarte" ist nicht dabei.
Wie ich schon einmal im Klartext bemerkte: Homonyme sind weder ein Grund, Denglisch zu sprechen, noch sind sie als Gegenargument dienlich. Gleiches gilt für die häufig in der Argumentation genannte Kürze: auch sie gibt es manchmal im Denglischen, manchmal eben nicht.

Gruß

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#9

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 02.04.2007 14:22
von Erika Ciesla • 116 Beiträge

Hallo Contravaniloquentiam!

In Antwort auf:
Gleiches gilt für die häufig in der Argumentation genannte Kürze: auch sie gibt es manchmal im Denglischen, manchmal eben nicht.


Daß (D)Englisch darum vorteilhafter sei weil es kürzer wäre, wird oft behauptet, stimmt auch oft, aber auch nicht immer. Neulich stand ich bei Kaufland vor einem Regal, wo man eine „Radio controlled alarm watch“ feilbot. Der deutsche Name für das Ding lautete kurz und knapp: „Funkwecker“, was offensichtlich nicht länger als die englische Bezeichnung ist. Aber gut, das ist Einzelfall, mit dem man weder etwas beweisen noch widerlegen kann. Grundsätzlich gilt, daß bei zwei Texten gleichen Inhalts der englische solche tatsächlich etwas kürzer ist, punkt. Aber ist das ein Problem? Gibt es außer Deutsch und Englisch nicht auch noch andere Sprachen? Und ist es nicht so, daß einige von denen sogar mehr Platz brauchen als die Deutsche? Und haben die, die diese Sprachen sprechen, etwa ein Problem damit?

Im übrigen ist dieser Effekt gering, er liegt irgendwo zwischen 10 und 20 Prozent, damit kann man leben. Auf jeden Fall aber ist das kein Grund, die eigene Sprache aufzugeben, bzw. dermaßen zu versaubeuteln, daß B nicht mehr versteht was A gesagt hat! Das nämlich ist ein Problem. Und zwar ein solches, das mir allmählich stinkt!

Servus!
Erika Ciesla

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#10

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 02.04.2007 21:36
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Erika Ciesla schrieb:

In Antwort auf:
Meine Begriffsbestimmung des Denglischen lautet wie folgt: Die unnötige Verwendung von englischen Wörtern in der deutschen Alltags- oder Umgangssprache.


und:

In Antwort auf:
Und was das Verunglimpfen betrifft, es wird ja verunglimpft, wenn man Denglisch spricht, und zwar sowohl das Deutsche als auch das Englische!


Und beides schrieben Sie, Frau Ciesla, mir aus der Seele. Genau so sehe ich es auch. Besser könnte ich meine Haltung zum Denglisch selbst nicht auf den Punkt bringen.

Danke dafür.
zuletzt bearbeitet 02.04.2007 21:36 | nach oben springen

#11

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 02.04.2007 23:53
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge
Zitat von Schamane

Erika Ciesla schrieb:

- In Antwort auf:Meine Begriffsbestimmung des Denglischen lautet wie folgt: Die unnötige Verwendung von englischen Wörtern in der deutschen Alltags- oder Umgangssprache.



und:

- In Antwort auf:Und was das Verunglimpfen betrifft, es wird ja verunglimpft, wenn man Denglisch spricht, und zwar sowohl das Deutsche als auch das Englische!



Und beides schrieben Sie, Frau Ciesla, mir aus der Seele. Genau so sehe ich es auch. Besser könnte ich meine Haltung zum Denglisch selbst nicht auf den Punkt bringen.

Danke dafür.


Vielleicht nicht besser, aber kürzer. Versuch's mal auf Englisch ;-)

Ich glaube, daß dies alles stark vom Schreiber abhängt. Je größer der Wortschatz des Schreibers, desto kürzer dürfte auch der Text ausfallen, weil weniger Dinge umschrieben werden müßten. Gleiches gilt im Satzbau: Ich kann komplizierter schreiben, spare dabei aber Platz. Ungeübte Leser werden länger brauchen, obwohl weniger Wörter zu lesen sind.
zuletzt bearbeitet 02.04.2007 23:55 | nach oben springen

#12

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 03.04.2007 11:55
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Kann nicht folgen, CVL - aber das schreibe ich mir selbst zu.

Ich habe, was nicht die reine Lehre ist, eigentlich nur zwei Passagen aus Frau Cieslas Beiträgen aus dem Zusammenhang isoliert und dann isoliert kommentiert. Diese zwei von mir herausgenommenen Passagen umreißen, so ergibt es sich mehr oder weniger zufällig, genau meine Haltung zum Thema Denglisch, und zwar so exakt, daß ich nicht anders konnte, als dazu meine Überraschung und Zustimmung auszudrücken. Um mehr ging es mir dabei gar nicht. Ich gebe auch zu, daß mein Beitrag sich nicht besonders in die Diskussion des Fadens einordnet, wodurch die Einordnung sicher nicht leichter gemacht wurde.

Ein spontaner Schnellschuß von mir, Sorte "ging nicht anders". Daß man eine Meinung, Haltung, Einstellung zum Reizthema Denglisch auch anders formulieren kann, länger, kürzer, lakonisch, wortreich, emotional, objektiv usw. bleibt davon unberührt. Frau Cieslas Formulierungen haben bei mir persönlich eben den Nerv getroffen, mitten ins subjektive Schwarze des Schamanen, und nur das wollte ich durch meinen Beitrag ausdrücken.

Wenn dies zu Mißverständlichkeit geführt hat, dann nehme ich das auf mich.
zuletzt bearbeitet 03.04.2007 11:56 | nach oben springen

#13

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 03.04.2007 14:06
von Vertaler • 41 Beiträge
>Homonyme sind weder ein Grund, Denglisch zu sprechen, noch sind sie als Gegenargument dienlich.

Ersteres nicht zwingend (sie sind einfach nur ein Grund, ein anderes Wort oder einfach „irgendetwas anderes“ zu verwenden – das muß natürlich nicht „Denglisch“ sein), zweiteres durchaus. Klar gibt es Homonyme in jeder Sprache, und man kommt auch mit ihnen klar. „Normal“ sind sie allerdings eben nicht. Eine Sprache wird eben immer, wenn sie denn überhaupt einen Willen hat, dazu tendieren, Homonymie und/oder Homophonie abzubauen – sei es durch die Bildung von Komposita (Spielkarte, Eintrittskarte, Straßenkarte, Fahrkarte etc.), durch Wechsel in der Flektion (Wörter, Worte, der/die See), oder eben durch Entlehnung von Fremdwörtern (Ticket/Billett und Karte). Es gibt da viele Möglichkeiten.

--
Wichte sind wichtig.
zuletzt bearbeitet 03.04.2007 21:53 | nach oben springen

#14

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 03.04.2007 20:36
von Contravaniloquentiam • 242 Beiträge

An Schamane:

Nein, mißverstanden habe ich nichts, wollte allerdings auch nicht zu Mißverständnissen verleiten:
Ich fand Deinen Einwurf klasse, habe nur mit einer gewissen Prise Ironie andeuten wollen, daß sich Frau Zieslas (auch auf mich zutreffenden Gedanken im Hinblick auf Denglisch) auf Englisch vielleicht noch kürzer formulieren ließen. Dieser provokative Ansatz wiederum paßt in die Diskussion, ob Englisch kürzer als Deutsch sei und ob es ein Vorteil sei.

Daran schließt sich dann meine These an, daß die Länge eines Textes selbigen Inhalts jeweils vom Schreiber abhängt, von dessen Wortschatz und dessen Sprachgewandtheit. Pauschal zu behaupten, Englisch sei kürzer, finde ich gewagt.

an Vertaler:

Zustimmung, nur daß man sich mit Ticket ein weiteres Homonym in die Sprache geholt hat. Früher gab es eigentlich nur das Flugticket, somit differenzierte der Begriff Ticket. Heute gibt es Tickets für alles, das Homonym hat sich also erst entwickelt, wird aber vielleicht schon wieder abgebaut: Flugticket und auch Parkticket. Weitere Tickets habe ich noch nicht als Komposita gehört, es gibt sie aber bestimmt.

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#15

RE: Deutsch gegen Englisch – oder umgekehrt?

in Sprachpolitik 04.04.2007 00:02
von Schamane • Moderator | 1.013 Beiträge
Fritz-Franz:

In der Tat, ich habe Zitiertes zitiert. Meine Entschuldigung dafür. Da hast Du mir eben auch aus der Seele gesprochen.

---

Zur Oettinger-Übersetzung:

„Eine Kindergartenpflicht im letzten Jahr vor der Einschulung macht Sinn. So können wir alle Kinder in der letzten Runde vor dem Schulstart mitnehmen.“

„Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.“

It makes sense to have compulsory kindergarten attendance the year before starting full time school. That way we can encompass the needs of all children in the last round before school starts.

German remains the language of family and leisure, the language of one's private reading matter.

Den Dank bitte an die Schamanin.

---

CVL: alles klar. :-)
zuletzt bearbeitet 04.04.2007 00:08 | nach oben springen


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